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In den Kirchen bleiben alle Körbe leer

In den Kirchen bleiben alle Körbe leer

Viele Menschen und Institutionen unterstützen die Hermeskeiler Martinustafel. Doch in den 15 Kirchen bleiben die 15 Körbe für Lebensmittelspenden oft leer. Dabei braucht es für die wachsende Zahl Bedürftiger mehr Spenden und auch mehr Helfer.

Hermeskeil. In den Köpfen ist es angekommen, dass es in Hermeskeil eine Tafel gibt, die Menschen mit Lebensmitteln versorgt. Vielfältige Benefiz-Initiativen - auch in den Dörfern - beweisen das.
Bernd Mende, zweiter Vorsitzender des Tafel-Vorstands, nennt einige Beispiele. Kindergartenkinder füllten Kisten mit Lebensmitteln, Kommunionkinder spendeten Geld und Firmlinge oder Vereinsmitglieder sammelten vor Geschäften und auch mit Veranstaltungen für die Tafel.
Großzügige Gaben



Einzelhändler, Landwirte und Betriebe - darunter international agierende aus der Region und dem Raum Trier - unterstützten rege. Einige Geschäfte, Gemüsehändler und Bäckereien spendeten wöchentlich. Und zwar derart großzügig, dass sie für andere praktisch mitspendeten. Umso weniger nachvollziehbar ist es, dass Körbe, die in den Kirchen der Pfarreiengemeinschaft für Lebensmittelspenden bereitstehen, immer öfter leer bleiben. Anfangs hatten selbst Privatleute oft donnerstagsmorgens Lebensmittel zur Tafel gebracht, erinnert sich Vorstandsmitglied Erhard Dochow.
Bis auf selbst Eingemachtes, das die Tafeln wegen gesundheitsamtlicher Vorschriften nicht annehmen dürften, wurde alles dankbar entgegengenommen. Dass das nachgelassen hat, bedauert das Tafel-Team sehr.
"Vielleicht befürchten Spender, die Lebensmittel werden nicht abgeholt", vermutet TafelVorsitzender Diakon Andreas Webel. Natürlich würden die Körbe nicht immer regelmäßig geleert, sondern nur gelegentlich. Bisher rufen die Leute von weiter entfernten Ortschaften beim Tafel-Team an, wenn sie Lebensmittel zum Abholen haben.
Dabei steigt der Bedarf ständig. Immer mehr Menschen könnten nicht mehr von ihren Mini-Renten oder -Löhnen, die sie im Vollzeitjob erhalten, leben, meint Andreas Webel. Ganz zu schweigen von denjenigen Hartz-IV-Empfängern, die krank seien oder einfach keine Arbeit fänden. Dass sie bei der Tafel (siehe Hintergrund) für nur einen Euro eine Tüte Lebensmittel erhalten, helfe ihnen enorm und trage zur gesunden Ernährung bei. Aktuell arbeiten 40 Ehrenamtliche bei der Tafel. Helfer seien immer willkommen, vor allem Fahrer, die Lebensmittel von Discountern und Bäckereien abholen.

Nutzten vor vier Jahren noch knapp 200 Haushalte mit etwa 350 Personen die Tafel, so sind es nun etwa 300 Haushalte. 70 bis 120 Menschen stehen Woche für Woche Schlange an der Ausgabe.
"Da sind viele dabei, die den ganzen Tag arbeiten, aber so wenig verdienen, dass sie damit nicht hinkommen", sagt Vorstandsmitglied Dochow und bestätigt die Kritik vieler Bürger, Tafeln bügelten die Fehler des Staates aus. Alle, die zur Tafel kommen, seien bedürftig, betont Webel. Denn wer zur Tafel gehe, muss seine Notlage erst einmal nachweisen. Selbst das wird streng kontrolliert. urs
Extra

2009 gründeten die katholische und die evangelische Kirchengemeinde mit der Arbeiterwohlfahrt Trier-Saarburg die Hermeskeiler Martinustafel. Nach Anfängen im Awo-Haus neben der Kirche zog die Lebensmittel-Ausgabestelle in größere Räume im Hirtenweg (Ecke Petersberg). Dort stehen die Türen immer donnerstags offen, 12.30 bis 15 Uhr. Die Tafel unterstützt Menschen in besonders schwieriger Lebenssituation mit entsprechendem Berechtigungsnachweis. Kontakt: Herr Bernd Mende, zweiter Tafel-Vorsitzender, Telefon 06503/7484. Wer helfen möchte, kann Fördervereinsmitglied werden, selbst mitanpacken. Weitere Infos gibt es bei Diakon Andreas Webel, Telefon 06503/9817522. urs