In die Lücke kommt eine Brücke

Wenn der Kreistag Trier-Saarburg am Montag dem Vorschlag der Ortsgemeinde zustimmt, dann wird die seit langem heiß diskutierte Radwegbrücke über die L 143 in Kell am See doch noch gebaut. Der Keller Rat hat sich am Donnerstag mehrheitlich für eine neue Variante ausgesprochen. Geplanter Termin der Einweihung ist der 6. Mai.

Kell am See. Sie soll mit ihren Aluminiumstegen auf einer Länge von 30 Metern und mit einer Breite von 2,50 Metern freitragend die Landesstraße 143 überspannen und wird etwa 95 000 Euro kosten. Das sind die wichtigsten Zahlen zum neuen Vorschlag für ein geplantes Bauwerk, an dem sich in Kell am See seit Ende 2006 die Geister scheiden: die Radwegbrücke. Die CDU im Keller Rat mit Ortsbürgermeister Markus Lehnen tritt seither vehement für die Errichtung ein.

Angebot liegt bereits vor



Die Mehrheitsfraktion sieht in der Brücke die beste Lösung, um den Nutzern des Radwegs ein sicheres und gefahrenloses Überqueren der L 143 zu ermöglichen. Unveränderter Standpunkt der SPD in der Dauerdiskussion war hingegen, dass die Ortsgemeinde kein Geld für die Brücke ausgeben sollte, da sie Sache der Ausbaugemeinschaft des Radwegs sei "und nicht unsere Baustelle ist" (Sprecher Edgar Thielen). 2008 schien das Projekt schon gescheitert, da das Land die Bezuschussung ablehnte. Lehnen und die Keller CDU hatten aber gleichwohl die Brücke nicht abhaken wollen und nach neuen Lösungsvorschlägen und Finanzierungswegen gesucht. Das Ergebnis legte Lehnen am Donnerstag im Gemeinderat auf den Tisch.

Vom Hersteller liege ein Angebot für den Bau einer Aluminiumbrücke für 95 000 Euro vor. Die Ortsgemeinde müsse dafür ihren Anteil von 17 000 auf 27 000 Euro aufstocken und die VG Kell ihren zugesagten Betrag von 17 000 Euro beisteuern. Der Kreis hat in seinem Haushalt einen Betrag von 20 000 Euro stehen. Dem Kreistag liegt am Montag ein Antrag der Ortsgemeinde vor, diese Summe ebenfalls auf 27 000 Euro anzuheben. "Die Kreisverwaltung wird dem Kreistag auch eine solche Beschlussempfehlung machen", sagt Pressesprecher Thomas Müller auf TV-Anfrage. Weitere 27 000 Euro werden laut Lehnen von einem Privatmann gespendet. 15 000 Euro zusätzlich kosten die Widerlager links und rechts der Straße, auf dem die Brücke liegen soll.

Es gebe aber eine mündliche Absprache mit dem Landesbetrieb Mobilität (LBM) Trier, so Lehnen. Da die ursprünglich vom LBM vorgesehene Überquerung der L 143 mit dem Abtragen des Damms und dem Anlegen von Zufahrtsrampen circa 50 000 Euro gekostet hätte, die Änderungen an der Trasse beim Bau einer Brücke aber 20 000 Euro weniger kosten, könnte diese Differenz verrechnet und für die Finanzierung der Brücken-Fundamente verwendet werden. "Wir müssen aber noch die schriftliche Bestätigung vom Land abwarten", sagte Lehnen.

Große Diskussionen gab es im Rat nicht mehr. Die CDU begrüßte den neuen Vorstoß. Die SPD stimmte dagegen.

Meinung

Diskussionen bleiben

Kein Zweifel: Wenn die Brücke nun tatsächlich kommt, dann bedeutet das politisch für die Keller CDU einen großen Prestigeerfolg, da sie in kein anderes Projekt mehr Herzblut investiert hat. Klar ist aber auch: Die Diskussionen über Sinn oder Unsinn der Brücke und vor allem über die Frage, ob die Gemeinde ihr Geld nicht besser für andere Dinge ausgegeben hätte, werden in Kell und Umgebung so schnell nicht abreißen. Doch sieht man einmal von dieser lokalen Perspektive ab, bleibt Folgendes festzuhalten. Steht die Brücke erst einmal, dann wird es den meisten Touristen, Ausflüglern, aber auch Einheimischen, die auf dem Radweg unterwegs sind, herzlich egal sein, wer wie viel für das Bauwerk bezahlt hat. Entscheidend wird für sie alle wohl eher der Vorteil sein, dass sie sicherer und ohne um Absperrbarrieren herumzirkeln zu müssen, eine viel befahrene Straße überqueren können. a.munsteiner@volksfreund.de