In dieses Loch bei Wellen passt ein Hochhaus

In dieses Loch bei Wellen passt ein Hochhaus

Das Wellener Loch (der TV berichtete) ist noch größer geworden und hat nun einen Durchmesser von 24 Metern. Die Bergbaubehörde geht davon aus, dass der Krater nicht weiter wächst. Sie beteuert, dass die Vorgänge rund um den eingestürzten Stollen permanent überwacht werden.

Wellen. Aus der Luft sieht das Loch beeindruckend aus. 24 mal 18 Meter klafft die riesige Öffnung mitten auf einem Feld zwischen Wellen und Nittel. Ringsherum steht ein Zaun, der einen 50 mal 50 Meter großen Bereich absichert - so groß wie ein halber Fußballplatz. Zum Teil geht der offene Schacht bis zu 35 Meter in die Tiefe. Unten ist ein Zaun zu erkennen. Das ist der Absperrungszaun, der beim letzten größeren Einbruch abgestürzt ist.
Der Krater hat sich sich seit Ende September entwickelt, nachdem ein Stollen der Wellener Bergbaufirma Trierer Kalk-, Dolomit- und Zementwerk (TKDZ) eingebrochen ist (der TV berichtete). Laut Harald Ehses, Leiter des Landesamts für Geologie und Bergbau (LGB), zieht das Loch auch Schaulustige an. Er erzählt von einem Mann, der in den abgezäunten Bereich eingedrungen ist. Es sei nichts passiert, aber Ehses ruft erneut zur Vorsicht auf: "Das ist kein touristisches Element. Keiner sollte da rangehen. Da spielt man mit seinem Leben."
Ehses\' Amt überwacht die Sicherungsarbeiten der TKDZ. Das Unternehmen hat die Firma Saarmontan beauftragt, den Stollen von der Oberfläche aus zu füllen. Täglich wird tonnenweise Sand in den Stollen gekippt, damit er nicht weiter einstürzt (der TV berichtete). Inzwischen zeige das Wirkung, sagt Ehses. Er geht davon aus, dass der Stollen nun nicht weiter einstürzt. Die Stützarbeiten abre fortgeführt.
Behörde weist Kritik zurück


Besonders kritisch betrachtet Jens Thewke die Situation. Er ist Sprecher des Vereins Sauberes Wellen, der sich seit mehreren Jahren gegen die Pläne der TKDZ starkmacht, Abfall im Josefstollen einzulagern. Vom LGB verlangt er ein bürgerfreundlicheres Vorgehen und mehr Transparenz. "Wir haben wenig Vertrauen zum LGB, weil es immer erst im Nachhinein Maßnahmen ergreift", sagt er. Egal ob es um den Stolleneinsturz oder die Abfall-Pläne (der TV berichtete) gehe, die personelle Ausstattung des LGB reiche nicht aus.
Das LGB habe zehn Mitarbeiter, die sich um Betriebsbegehungen kümmerten, sagt Amtsleiter Ehses. "Das ist sicherlich eine grenzwertige Situation", gibt er zu.
In Sachen TKDZ mache das LGB aber gerade aufgrund der schwierigen finanziellen Lage des Unternehmens (der TV berichtete) sehr viel mehr als in anderen Unternehmen. "Wir können nicht die Kommunikation zwischen den Bürgern und dem Unternehmen permanent übernehmen", sagt er. "Da sind die Leute vor Ort gefragt. Das ist auch gar nicht unsere Aufgabe."
Er stutze, wenn er auf die zeitliche Abfolge schaue, meint Thewke. "Es ist erstaunlich, dass sich die Ereignisse mit dem Stolleneinsturz überschlagen, während vor Gericht darüber diskutiert wird, ob die Einlagerung von Abfall zum Stützen des Stollens sinnhaft ist. Mit dem Einsturz könnte aus sinnhaft plötzlich notwendig werden."
Einen Zusammenhang zwischen dem Einsturz und dem Genehmigungsverfahren für die Abfalleinlagerung schließt Ehses hingegen aus: "Der Stolleneinsturz wurde nicht provoziert." Grund dafür seien die Abbaubedingungen. Für die Genehmigung, in dieser Höhe Material abzubauen, habe es zwar ein wissenschaftliches Gutachten gegeben. Das habe sich mit der Realität vor Ort aber nicht gedeckt. Das habe sich aber erst im Nachhinein herausgestellt. Ehses verweist darauf, dass die TKDZ in dem Genehmigungsverfahren die Auflagen des Amtes bisher nicht erfüllt habe. Da gebe es seit einem Jahr keine Fortschritte. Er betont: "Zurzeit wird nur Sand in den Stollen gefüllt - Material, das vorher aus dem Stollen abgebaut wurde." cmk