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"In einem Jahr sind wir wieder da"

"In einem Jahr sind wir wieder da"

SAARBURG. Der Saarburger Rainer Boesen war als Gruppenführer mit dem Technischen Hilfswerk (THW) zu einem Einsatz im Hurrikan-Krisengebiet von New Orleans/USA. Seit wenigen Tagen ist er wieder zu Hause und berichtet im Gespräch mit dem TV von seinen Erfahrungen.

"Ich fühle mich im Moment erst wieder zu drei Vierteln zu Hause", sagt Rainer Boesen mit festem Blick. "Es braucht eine gewisse Zeit, wieder ganz anzukommen und sich richtig einzugewöhnen." Seine erste Arbeitswoche im Volkswagen-Zentrum in Trier hat der Stellvertretende Werkstattleiter hinter sich. Aber auch wenn der Alltag den 37-Jährigen wieder fest im Griff hat, sind die Erinnerungen an den Einsatz im Hurrikan-Gebiet in New Orleans, USA, noch sehr frisch.Probleme mit dem Pass

Am 28. September ist Rainer Boesen von Frankfurt aus mit einer Linienmaschine in die USA gestartet. Erst einen Tag zuvor habe er definitiv erfahren, dass es 24 Stunden später losging. "Vorgesehen war, dass ich bereits mit der ersten Truppe Anfang September ins Krisengebiet fliege", erzählt Boesen. "Da es aber Schwierigkeiten mit dem Pass gab, hat sich alles verschoben." So sei die Aufforderung zum Einsatz für den Stellvertretenden Ortsbeauftragten des THW Saarburg zwar nicht überraschend gekommen - "so richtig habe ich aber zunächst nicht daran glauben können, dass die Supermacht USA Deutschland zu Hilfe rufen würde." Tat sie aber und griff auch auf die Hilfe des erfahrenen THW-Mannes aus Saarburg zurück."Die Stadt war tot"

Seit 1989 engagiert sich Boesen beim THW. Nach New Orleans war er einberufen worden als Führungskraft für eine Prümer THW-Gruppe. "Meine Aufgabe war, die gesamte Logistik für die Material-Erhaltung sicherzustellen", sagt Boesen. An seinen ersten Eindruck beim Eintreffen am Krisenort erinnert sich der Vater eines 13-jährigen Sohnes genau: "Die Stadt war tot. Es war keine Menschenseele zu sehen. Zurückgelassene Fahrzeuge standen überall wüst herum." Einen Schock hätten die Bilder allerdings nicht ausgelöst: "Durch die Nachrichten im Fernsehen wusste ich, was auf uns zukommt." Der größte Teil des Wassers sei in der Stadt bereits abgepumpt gewesen. Rund 50 THW-Helfer aus dem gesamten Bundesgebiet sowie Helfer aus den Niederlanden und Luxemburg sowie zahlreiche Amerikaner der Army hätten in der Zeit, in der Boesen in den USA war, mit angepackt. 16 Pumpen, zehn Lastwagen und ein Unimog hatte das THW im Gepäck - insgesamt 250 Tonnen Material. Im Hafen von New Orleans habe das THW sein Material-Quartier aufgeschlagen, von dort aus habe die Truppe die insgesamt 176 Einsatzstellen angesteuert. "In zwei Schichten wurde rund um die Uhr gearbeitet." Etwa fünf Millionen Kubikmeter Wasser seien abgepumpt worden. Rainer Boesens Aufgabe bestand darin, die Pumpen und anderes Material zu reparieren, die Pumpen jeden Abend zu reinigen, sich um die Kraftstoff- und Materialversorgung zu kümmern und die Helfer mit ausreichend Getränken zu versorgen. Applaus am Flughafen

"Bei etwa 35 Grad Celsius schon früh morgens und einer Luftfeuchtigkeit von 85 Prozent musste ich darauf achten, dass die Leute genügend trinken", erläutert der Saarburger. Trotz aller Strapazen habe Boesen viel Positives aus dem Hilfseinsatz mitgenommen: "Die Amerikaner waren unheimlich angetan davon, dass die Deutschen geholfen haben. Wir sind wahnsinnig freundlich empfangen worden. Die Leute haben schon im Flugzeug und am Flughafen Beifall geklatscht." Und schließlich die täglichen Erfolgserlebnisse, die kleinen wie die großen: "Wir haben eineinhalb Wochen daran gearbeitet, die von der Außenwelt abgeschnittene Kläranlage freizupumpen. Als sonntags die Meldung kam, dass es wieder läuft, war das ein super Gefühl." Mit den Bildern der Verwüstung lerne man im Laufe der Tage umzugehen. "Ich konnte nur einfach nicht fassen, mit welcher Gewalt das Wasser in die Stadt eingedrungen ist. Die komplett weggefegten Häuser, die irgendwo mitten auf den Straßen standen, die vielen Fahrzeuge, die kreuz und quer herumtrollten, und all das Chaos." Nahe gegangen seien ihm die Momente, "wenn wir irgendwo Kinderspielzeug herumliegen sahen. Das berührt einen." Noch lässt Boesen die Eindrücke "sacken", verarbeitet sie in Gesprächen mit seiner Familie und Freunden. Gleichwohl steht für den überzeugten THWler fest: "In ein bis eineinhalb Jahren wollen wir mit der Truppe nochmal runter und sehen, wie es dann aussieht."