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In Kanzem wird die Saar überwacht – Wie der Klimawandel dem Fluss zu schaffen macht​

Umwelt : In Kanzem wird die Saar überwacht – Wie der Klimawandel dem Fluss zu schaffen macht

Die sanierte Untersuchungsstation an der Saar wurde am Freitag eingeweiht. Die dort gewonnen Daten helfen, das Ökosystem zu schützen.

Corona hat vieles verhindert – auch eine zeitige Einweihung der sanierten Saar-Untersuchungsstation Kanzem. Und so schritt Klimaschutzministerin Katrin Eder zusammen mit dem Präsidenten des Landesamts für Umwelt (LfU), Dr. Frank Wissmann, am Freitag zur Tat – 19 Monate nach Fertigstellung des 800.000-Euro-Projekts. Die Ministerin machte deutlich, wie wichtig solche Stationen sind. Sie sagte: „Die hier ermittelten Daten helfen dabei, sich anbahnende kritische Situationen im Gewässer frühzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen einzuleiten.“

 Die Untersuchungsstation in Kanzem am Saar-Radweg.
Die Untersuchungsstation in Kanzem am Saar-Radweg. Foto: tv/Marion Maier

Was der Klimawandel für den Fluss bedeutet

Es ist der Klimawandel, der zu den kritischen Situationen führt. Hohe Temperaturen zuweilen auch schon recht früh im Jahr führen dazu, dass der Sauerstoffgehalt des Wassers sinkt, denn in warmem Wasser löst sich generell weniger von dem Gas. Dr. Michael Engel, Referatsleiter Gewässerchemie des LfU, erklärte: „Sauerstoff ist für die Lebewesen im Wasser der wichtigste Faktor zum Überleben.“ Sinkt er unter einen kritischen Wert sterben Fische und andere Organismen ab.

Der Sauerstoffgehalt wird laut Engel zudem durch Algen im Wasser verringert, die ebenfalls durch den Klimawandel verstärkt auftreten. Hohe Wassertemperaturen und lang anhaltende Trockenperioden mit starker Sonneneinwirkung begünstigt deren Wachstum. Die Algen (vor allem Kiesel- und Grünalgen) produzieren zunächst Sauerstoff. Wenn die Population dann aber abstirbt, wird sie von anderen Organismen abgebaut und dabei wird viel Sauerstoff verbraucht. In diesem Jahr war laut Engel das Algenwachstum Anfang Mai bereits sehr stark, was etwa drei Wochen später zu geringen Sauerstoffwerten geführt hat.

Messstation gibt entscheidende Hinweise

Doch wie kann die Messstation da helfen? In Kanzem werden sowohl Sauerstoff als auch Chlorophyllwerte (von den Algen) rund um die Uhr gemessen. Die Messstation ist Baustein eines Frühwarnsystems. Sind die Werte bedenklich und die Wetter- und Abflussprognosen ungünstig, werden Gegenmaßnahmen getroffen. Das bedeutet, das LFU informiert die Betreiber der Wasserkraftwerke. Diese lassen das Wasser daraufhin nachts über die Wehre hinweg laufen, anstatt es in die Kraftwerke zu lenken. Im Fallen nimmt das Wasser wieder Sauerstoff auf. Das Defizit wird vermindert.

Internationale Zusammenarbeit soll helfen, Situation zu verbessern

„Wasser kennt keine Grenzen“ – dieser Ausspruch fiel mehrfach bei der Veranstaltung. Auch Luc Zwank, Vertreter der luxemburgischen Wasserbehörden und derzeitiger Präsident der seit 50 Jahren bestehenden Internationalen Kommissionen zum Schutze der Mosel und der Saar (IKSMS), griff ihn auf. Er unterstrich, wie wichtig die internationale Zusammenarbeit für die Qualität der Flüsse sei und wies auf die Messstation an der Mosel bei Palzem hin, bei der Luxemburg und Rheinland-Pfalz zusammenarbeiteten.

Die Bedeutung der Kanzemer Station

Weitere Wasser-Untersuchungsstationen befinden sich in Rheinland-Pfalz in Mainz/Wiesbaden, Worms, Fankel, Lahnstein und Bingen. Die Saarwasser-Untersuchungsstation Kanzem wurde 1976 als eine der ersten Gewässer-Untersuchungsstationen in Rheinland-Pfalz errichtet. Ihr kommt laut Umweltministerium als Teil des Messnetzes zur Sauerstoffüberwachung Saar eine hohe Bedeutung zu, da die Saar bei Kanzem ein besonders kritischer Punkt sei – gerade in heißen Sommermonaten. Sie sei ebenfalls wichtig im Handlungs- und Informationskonzept des Ministeriums bei hohen Wassertemperaturen sowie als Überblicksmessstelle im Monitoring zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie, heißt es.

 An diesem Ausleger wird kontinuierlich Saarwasser in Schläuchen hochgepumpt und zur Untersuchungsstation geleitet.
An diesem Ausleger wird kontinuierlich Saarwasser in Schläuchen hochgepumpt und zur Untersuchungsstation geleitet. Foto: tv/Marion Maier

Was an der Saar alles gemessen wird

Neben den Basismessgrößen zur Bewertung des Nährstoffhaushalts und des Sauerstoffhaushalts werden in Kanzem auch Proben auf anorganische Spurenstoffe (Metalle) und organische Spurenstoffe (wie Pflanzenschutzmittel, Arzneimittelwirkstoffe) untersucht.

Die erhobenen Daten werden im Internet im Geoportal Wasser veröffentlicht: https://lfu.rlp.de/de/wasserwirtschaft/gewaesserschutz/gewaesseruntersuchungsstationen/kanzem/