In Konz ist Sterben am teuersten

In vielen Orten der Verbandsgemeinde Konz wird die letzte Ruhe teurer. Die meisten Gemeinden haben an der Friedhofsgebührenschraube gedreht. Einige Bestattungsformen in der Stadt Konz kosten sogar mehr als doppelt so viel wie zuvor.

Konz. Die meisten Orte in der Verbandsgemeinde Konz haben in den vergangenen Monaten ihre Friedhofssatzungen verändert. Das Ergebnis: Bestattungen kosten nun fast überall mehr. Manche Gemeinden haben die Preise für ein Grab sogar erheblich erhöht. In der Stadt Konz kostet seit 2011 zum Beispiel ein Reihengrab 800 statt 310 Euro.
Auch die Gebühren für die Nutzung der Leichenhallen sowie für die Anfertigung von Gräbern sind gestiegen. In der Stadt Konz kostet die Leichenhalle 200 statt 105 Euro, die Anfertigung eines Erwachsenengrabs 450 statt 380 Euro. Auch die Gebühren für die Verlängerung der Ruhefrist wurden erhöht - in der Stadt Konz beispielsweise von 25,67 auf 36 Euro pro Jahr. Im Vergleich zu anderen Städten in der Region liegt Konz aber noch im Durchschnitt.
Dass die Gebührenerhöhung in der Stadt Konz zum Teil so drastisch ausfällt, liegt laut Thomas Müller, Sprecher der Kreisverwaltung Trier-Saarburg, daran, dass seit fast zehn Jahren - seit 2002 - die gleiche Friedhofssatzung gültig ist und die Preise so lange auch nicht mehr erhöht worden seien. Ähnlich verhalte es sich bei den anderen Gemeinden mit deutlich gestiegenen Kosten.
Fast alle kommunalen Gremien in der VG haben sich in den vergangenen Monaten mit der Thematik auseinandergesetzt und die Gebühren erhöht (siehe Extra zu Gebühren). "Der Kreis hat die Kommune aufgefordert, die Friedhofsgebühren zu überdenken", sagt Joachim Weber, erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde Konz. Auch der Landesrechnungshof hat von der VG und der Stadt Konz verlangt, die Friedhofsgebühren zu erhöhen (der TV berichtete).
"Bei allen Gemeinden, die verschuldet sind, sind wir gehalten, die Ausgabenseite zu prüfen, aber auch die Einnahmenseite zu überdenken", sagt Müller. "Es ist nicht mehr möglich, dass die Gemeinden zum Beispiel bei Bestattungen draufzahlen."
Die Kommunalaufsicht habe deshalb veranlasst, dass die Friedhöfe kostendeckend betrieben werden. Schon seit mehreren Jahren habe sie die VG Konz darauf hingewiesen.
Durch die Einführung der Doppik, der doppelten kaufmännischen Buchführung in öffentlichen Haushalten, im Jahr 2009 könne man erfassen, was ein Friedhof tatsächlich koste, sagt Müller. Bei der zuvor üblichen kameralen Haushaltsführung war das laut Müller nicht möglich, weil Personal- und Sachkosten getrennt erfasst worden seien.
Mit den doppischen Haushaltsgrundlagen könne genau errechnet werden, wie teuer die Arbeit eines Gemeindearbeiters oder von Fremdfirmen wie dem Bürgerservice an Friedhöfen ist. Auch die Kosten für Strom und Wasser würden in den Haushalten genau erfasst.
Die Neuordnung der Gebühren wurde laut Weber für jede Ortsgemeinde und die Stadt Konz den örtlichen Gegebenheiten entsprechend umgesetzt. Bei der Neuempfehlung habe sich die Verbandsgemeindeverwaltung Konz an eine Empfehlung des Gemeinde- und Städtebundes Rheinland-Pfalz gehalten. Das Ganze sei "sauber kalkuliert" und "nachvollziehbar", erklärt Thomas Müller.

Meinung

Keine andere Wahl
Natürlich tut es den Bürgern weh, wenn Gebühren erhöht werden - gerade wenn die Kosten mehr als verdoppelt werden, wie es in der Stadt Konz bei den Friedhofsgebühren zum Teil der Fall ist. Aber die Gemeinden haben keine Wahl. Sie sind verschuldet und müssen sparen. Die Kommunen haben genauso wie das Land und der Bund jahrzehntelang über ihre Verhältnisse gelebt. Davon haben auch die Bürger profitiert. Die Zeit der Geschenke ist aber vorbei, das kommt im Geldbeutel der Menschen an - sei es zum Beispiel über eine Mehrwertsteuererhöhung wie 2007 im Großen oder die Gebührensatzungen der Gemeinden im Kleinen. Die Bürger müssen nun die Zeche für die Fehler der Politik in der Vergangenheit zahlen - auch bei der Bestattung ihrer Verwandten. c.kremer@volksfreund.de

Extra: Vergleich


Ein Überblick über die Kosten für Kaufgräber, Grabanfertigung und Reihengräber für Erwachsene in der Region: Konz: 900 Euro (Kaufgrab); 450 Euro (Grabanfertigung); 800 Euro (Reihengrab) Saarburg: 700; 780; 450 Euro Schweich: 880; 290; 500 Euro Bitburg: 1420; 650; 790 Euro Wittlich: 1050; 413; 630 Euro Daun: 750; 420, 560 Euro

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