In Trassem wird über vier Bienenvölker neben einem Spielplatz diskutiert

Umwelt : Sind Bienen neben Trassemer Spielplatz eine Gefahr?

Vier Völker der Insekten stehen neben einem Spielplatz. In Trassem prallen verschiedene Meinungen, wie gefährlich das ist, aufeinander.

Komplett im Grünen liegt der Jahrzehnte alte Trassemer Spielplatz nahe der Straße Im Görgental. Er ist umringt von Gärten. Eigentlich idyllisch. Doch gibt es Diskussionen. Der Grund: die vier Bienenstöcke, die seit diesem Frühjahr neben dem Platz aufgestellt sind. Genauer gesagt stehen die vier Völker einige Meter neben einer Wiese mit Fußballtor. Diese Wiese wiederum befindet sich neben dem Areal mit den Spielgeräten. Eher symbolisch ist sie durch ein Flatterband abgetrennt.

Die Kritik „Dass die Bienen direkt neben dem Spielplatz stehen, finde ich nicht in Ordnung“, sagt eine ältere Nachbarin, die nicht mit Namen genannt werden will. Sie ist der Meinung, dass die Kinder, überhaupt die Allgemeinheit, geschützt werden müssten. „Was ist, wenn ein Kind da drangeht und der Bienenstock umfällt?“, fragt sie. Der Besitzer solle die Stöcke doch auf sein benachbartes Grundstück stellen. Da kämen die Kinder nicht dran.

Laut Bernd Koewenig, Vorsitzender der Fraktionsgemeinschaft SPD/WG Boquoi im Gemeinderat des 1200 Einwohner zählenden Orts, machen sich weitere Anwohner und Eltern von Kindern, die den Spielplatz nutzten, „große Sorgen, dass sie von den angesiedelten und umherfliegenden Bienen angegriffen und gestochen werden“. Die Betroffenen hätten auch darauf hingewiesen, dass das Bienengift aggressiver würde und allergische Reaktionen immer häufiger auftreten würden. Der Fraktionsvorsitzende, der bei der Kommunalwahl am 26. Mai als Ortsbürgermeister kandidiert, möchte, dass die Bienen in „gewissem Abstand“ zum Spielplatz aufgestellt werden. Er verweist außerdem darauf, dass die Gemeinde das Areal als Grün- und Gartenland verpachtet habe. Koewenig: „Von der Aufstellung von Bienenvölkern war nie die Rede.“ Auch Aufbauten seien laut Pachtvertrag nicht zulässig. Für Koewenig sind die Stützen mit Querbalken, auf denen die Bienenvölker stehen, solche Aufbauten.

Das sagt der Ortschef Ortsbürgermeister Roland Konter hat diesen Vorwurf, über den im Rat gesprochen wurde, prüfen lassen. Das Ergebnis: Die Obere Bauverwaltung beim Kreis sieht laut Konter keinen Handlungsbedarf. Es handele sich nicht um Aufbauten. Konter ergänzt: „Und das Aufstellen von Bienenstöcken ist in Wohngebieten erlaubt.“ Obwohl sich bei dem Ortschef noch niemand sonst wegen der Bienen beschwert hat, hat er laut eigener Aussage mit Imkern und anderen Fachkundigen über das Thema gesprochen. Fazit: „Die sehen das nicht als problematisch an.“ Der Ortschef findet die indirekte Kommunikation der Kritiker, die sich nicht an den Imker gewandt haben, traurig.

Das sagt der Imker Da spricht er Josef Backes, dem Besitzer der strittigen Bienen, aus der Seele. Auch bei ihm hat sich bislang niemand über die honigproduzierenden Insekten beschwert. Das erste Bienenvolk hat Backes  laut eigener Aussage im Frühjahr 2018 neben dem Spielplatz aufgestellt. Zwei Völker habe er zu der Zeit im benachbarten Garten gehalten, der weder durch Zaun noch durch Hecken abgetrennt sei, sagt der Trassemer. Er hat vor drei Jahren mit der Imkerei angefangen und ist nun Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Saarburg. Dass die Tiere im Garten der prallen Sonne ausgesetzt waren, war für ihn der Grund, sie nach dem Winter umzusiedeln. Weiter erklärt er: „Es wird empfohlen, drei bis vier Völker zu halten, für den Fall, dass Völker ausfallen.“

Der Bienenzuchtverein betreut die Bienen am Lehrstand des Trassemer Walderlebniszentrum. Backes sagt: „Dort führt direkt ein Weg vorbei, und es ist noch nie etwas passiert.“ Er sieht auch keine erhöhte Gefahr für Kinder auf dem Spielplatz. Seine Argumente:  Die Flugöffnungen der Bienenstöcke zeigten Richtung Hecken, nicht zum Spielplatz. Auf diesem sei „so gut wie kein Kind drauf“ und wenn, werde es durch das Flatterband gewarnt. Bienen seien von Grund auf ruhig. Sie würden so gezüchtet, dass sie friedfertig seien. Zudem schätzt der Imker die Zahl der Bienenvölker im Umkreis von drei Kilometern auf rund 100 – und die Insekten flögen bis zu zehn Kilometer weit. Sammelten welche von ihnen also Nektar am Klee auf dem Spielplatz, so müssten sie nicht aus seinem Bestand stammen.

Und wie sieht es mit Fußballschüssen aus? Backes gibt zu bedenken: „Das Tor steht geschätzte 20 Meter von den Stöcken entfernt. Da müsste jemand schon sehr stramm schießen, dass etwas passiert.“ Er wäre  bereit, die Bienenstöcke bei Bedarf einzuzäunen – wenn dies genehmigt wird. Davon, dass Bienengift gefährlicher und Allergien häufiger würden, hat Backes nichts gehört oder in Fachzeitschriften gelesen. Er bietet an, mit Bedenkenträgern zu reden und ihnen die Bienenstöcke zu zeigen. Der Imker erinnert daran, dass es ohne Bienen weder Gemüse noch Früchte gäbe (siehe Info) und glaubt ansonsten, dass das Thema „politisch hochgespielt“ werde.

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