1. Region
  2. Konz, Saarburg & Hochwald

Infoveranstaltung Fusion Verbandsgemeinden Saarburg und Kell

Kommunalpolitik : Ein kurzer Polterabend

Die Ehe der Verbandsgemeinden Saarburg und Kell am See scheint auf Wohlwollen zu stoßen. Kritik gab es bei der Infoveranstaltung zumindest keine. Allerdings waren nur 60 Besucher da.

Der Trierer Journalist Thomas Vatheuer moderiert auch in Saarburg gewohnt locker. Bei der Veranstaltung in der Stadthalle werden die Bürger über die geplante Fusion der Verbandsgemeinden Saarburg und Kell am See informiert. Er beginnt mit den Worten: „In der Presse ist da immer von Hochzeit die Rede. Dann ist das hier der Polterabend.“ Der Saarburger Bürgermeister Jürgen Dixius greift den Ball auf. „Ich bin seit 28 Jahren verheiratet, ich wollte eigentlich nicht nochmal heiraten“, merkt er schmunzelnd an.

Gerade mal 60 Menschen haben am Montagabend den Weg in die Stadthalle gefunden. Dort geht es umgehend zur Sache. „Warum sollen die beiden Kommunen fusionieren?“, fragt Vatheuer. Dixius erklärt, es gehe darum, sich auch größenmäßig für die Zukunft aufzustellen. Handele die VG nicht jetzt, habe sie künftig keine Chancen mehr, sich zu vergrößern.

Denn die VG Kell am See müsse aktuell handeln und die übrigen Nachbarn, also Luxemburg, das Saarland und die VG Konz, die mit rund 33 000 Einwohnern derzeit größte Kommune im Kreis, kämen nicht in Frage. Die fusionierte VG Saarburg-Kell werde ebenso viele Einwohner haben. Der Verwaltungschef hält eine Fusion auch angesichts der derzeit diskutierten Kreisreform für wichtig. Kreise sollen demnach künftig bis zu 300 000 Einwohner haben. Aktuell leben im Kreis Trier-Saarburg 150 000 Menschen. „Warum Saarburg?“ lautet die Frage an Martin Alten. Der Bürgermeister der VG Kell am See erinnert daran, dass Teile seiner Kommune in der Vergangenheit zum Altkreis Saarburg gehört haben.

Zudem habe der Keller VG-Rat beschlossen, dass die Gemeinde als Ganzes fusionieren solle. Dies habe sich mit Hermeskeil schwieriger dargestellt, da dort auch ein Zusammenschluss mit der Verbandsgemeinde Thalfang diskutiert werde, sagt er später, als es um die Fusionskritiker geht.

Alten lobt die Ergebnisse der einjährigen Verhandlungen in der Lenkungsgruppe, zu der die  Bürgermeister, Beigeordneten, Fraktionsvertreter und Fachleute gehören. Letztendlich habe es überall Einvernehmen gegeben, sagt der Verwaltungschef. Der Verwaltungssitz in Kell  und die Touristinfo blieben erhalten, das Grundschulkonzept werde weiter verfolgt.

„Was wird sich für die Bürger ändern?“ Auf diese Frage sagt Dixius: „Die Bürger werden kaum etwas merken.“ Ansonsten nennt er ausschließlich positive Punkte. So werde mittelfristig die Umlage, die in der VG Kell höher liege, voraussichtlich gesenkt. Ähnlich äußert er sich zu den Wassergebühren. Generell könne die Verwaltungsarbeit effektiver gestaltet werden.

Ähnlich äußern sich die Werkleiter der beiden Verbandsgemeinden, die genauso wie die Leiter der Feuerwehren, die Büroleiter und die Chefinnen der Touristinfos zu Wort kommen. Sie alle sehen Vorteile in einer Fusion. So sei eine große Kommune besser im Wettbewerb um Mitarbeiter aufgestellt, weil sie mehr bieten könne. Bei doppelt besetzten Aufgaben werde längerfristig gespart, indem Stellen bei Ruhestand nicht wiederbesetzt würden. Ansonsten könnten sich die Mitarbeiter, die vor allem in Kell Generalisten seien, künftig eher spezialisieren. Auf neue Herausforderungen wie den Klimawandel könne mit größeren Wasservorräten besser reagiert werden. Eine erweiterte Feuerwehr biete gerade bei der Ausbildung Möglichkeiten zusammenzuarbeiten. Die Geschäftsführerinnen der Tourstinfos, Stefanie Koch (Saarburg) und Walburga Meyer (Kell am See), sehen in dem Zusammenschluss, der Flusstäler und Mittelgebirge sowie die Schwerpunkte Wein und Kulinarisches wie Fisch und Kartoffeln vereint, eine Bereicherung.

Zum Schluss der eineinhalbstündigen Veranstaltung sind die Zuhörer an der Reihe. Erst nachdem Moderator Vatheuer das Publikum motiviert, kommen Fragen. Ganze vier sind es. Ein Besucher will wissen, wofür die Hochzeitsprämie eingesetzt wird.

Im Gespräch bei der Infoveranstaltung zur geplanten Fusion der Verbandsgemeinden Saarburg und Kell am See in Saarburg: die Leiterinnen der Touristinformationen Waldburga Meyer (links) und Stefanie Koch (rechts) sowie Moderator Thomas Vatheuer. Foto: Marion Maier
Moderator Thomas Vatheuer und die Bürgermeister Jürgen Dixius und Martin Alten vor der Infoveranstaltung zur geplanten Fusion der Verbandsgemedinen Saarburg und Kell am See. Foto: Marion Maier

Dixius stellt klar, dass die zwei Millionen Euro dazu verwendet werden sollten, Kredite zu tilgen. Doch sieht er künftig bessere Fördermöglichkeiten auch für größere Vorhaben wie eine Schwimmbadsanierung. Projekte einer fusionierten VG landeten demnach oben auf dem Prüfstapel und würden nicht wie sonst unterdrunter geschoben. Nach eineinhalb Stunden ist die Infoveranstaltung vorbei. Ein kurzer Polterabend.