Ernährung : Kochen mit Gemüse aus dem Brutschelgarten

Dank einer Vereinsinitiative können nun in Beuren alle Bürger gärtnern – oder einfach nur ernten im neu angelegten Bauerngarten.

Morgens war da noch eine Wiese auf dem Eckgrundstück im Beurener Wohngebiet. Wenige Stunden später ist daraus ein Garten geworden: mit einer Kräuterschnecke und modernen Hochbeeten, einem extra für Kinder. Denn auch die sind hoch motiviert und packen wie Sebastian tüchtig mit an. In die Beete hätten sie „erst ein bisschen Erde getan, dann Äste, wieder Erde, Laub und Holzsplitter – und ein oder zwei Regenwürmer“, erzählt er. Die Würmer seien wichtig, „damit das Gemüse besser wächst“, zeigt er stolz auf bereits gepflanzte Möhren und Rote Bete sowie Pflücksalat-, Kohlrabi- und Brokkoli-Pflänzchen. Ausgewachsen mag er die zwar nicht so gern. Er isst lieber Kartoffeln. Doch vielleicht probiert er ja doch mal von dem selbst gezogenen Gemüse. Und das wäre dann ein weiterer positiver Nebeneffekt der Initiative Beurener Bauerngarten.

Die Idee hatten Bürger, die im vorigen Jahr den Verein Beuren brutschelt gründeten. Mit ihm wollten sie das gemeinsame Kirmesessenkochen, eine ebenfalls noch junge Initiative, auf solide Füße stellen. Wer selbst kocht, macht sich aber auch Gedanken über Zutaten und traditionelle Zubereitungen. Daher war es nur ein kleiner Schritt bis zu der Idee, mit selbst gepflanztem Gemüse zu kochen und mit eigenen Kräutern zu würzen.

Die Chance dafür bot sich mit einem vor Jahren aufgegebenen kleinen Garten. „Das Grundstück gehört meiner Großmutter“, erklärt Vereinsvorsitzende Christina Nellinger. Die 86-Jährige freue sich, „dass hier etwas passiert“.

Doch nicht nur sie begrüßt es, dass junge Familien als Selbstversorger aktiv werden und Gemüse und Kräuter selbst pflanzen, pflegen und ernten möchten. Laut Nellinger ist die Resonanz auf „unseren Brutschelgarten“ allgemein sehr positiv. Der über Zeitungen und Internet verbreitete Vereinsappell „Wir suchen dich!“ motivierte Helfer und Spender. Auch zur ersten Gemeinschaftsaktion schauten immer wieder Leute vorbei, die fragten, was noch gebraucht werde. Abgesehen davon motiviert die Vereinsmitglieder das europäische Leader-Programm. Ihr Garten wird als „ehrenamtliches Bürgerprojekt“ der LAG-Erbeskopf mit bis zu 2000 Euro gefördert.

Denn die Initiative hat sehr viel mehr im Blick als die rein praktischen offensichtlichen Überlegungen. Sie will einen „Ort der Begegnung für Jung und Alt“ in Beuren schaffen, einen Ort, an dem sich Menschen wohl und „mit der Natur verbunden“ fühlen. Deshalb kann im Garten auch jeder Bürger mitanpacken oder, falls er das nicht möchte, dort einfach nur ernten. „Pflanzen und Ernten für jedermann“, lautet eines der erklärten Ziele des Vereins, dem laut seiner Satzung Brauchtum, Heimatpflege und Dorfleben am Herzen liegen.

Wer das unterstützen möchte, kann auch künftig spenden. Neben Mutterboden und Gartengeräten sind beispielsweise auch Stauden willkommen – und natürlich finanzielle Hilfe.

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