Integration beginnt mit Spätzle und Spielen

Integration beginnt mit Spätzle und Spielen

Menschen vieler Kulturen, engagierte Neubürger und neugierige Hermeskeiler haben am Multi-Kulti-Fest in Hermeskeil teilgenommen. Die Stimmung war ausgezeichnet.

Hermeskeil. Sauerampfersalat und gefüllte Auberginen aus Syrien, Weinblatt-Röllchen und Kartoffel-Lauch-Pfanne aus der Türkei, an Spätzle erinnernde Honigleckereien aus Russland: Wer sich auch kulinarisch auf Entdeckungstour begeben wollte, wurde beim Mulit-Kulti-Fest in Hermeskeil nicht enttäuscht.
Den Charme des kleinen Festivals machen jedoch die Menschen selbst aus. Dank des abwechslungsreichen Bühnenprogramms, von den Gästen selbst mitgestaltet, rückt rasch in den Hintergrund, dass an die 20 verschiedene Nationalitäten vertreten sind, darunter Länder wie Australien, Indien, Finnland oder Aserbaidschan. Die lebensfrohen polnischen Gitarrenklänge, zu denen die Besucher aus der Partnergemeinde Hel spontan tanzen, begeistern alle im Saal. Ebenso ernten Lieder aus Palästina, vorgetragen von drei kleinen Mädchen, oder französische Chansons riesigen Applaus.
Inmitten einer solchen Stimmung ist es einfach, miteinander ins Gespräch zu kommen. Elizabeth Kamara, die vor vier Jahren aus dem Bürgerkriegsland Sierra Leone nach Hermeskeil kam, bringt es auf den Punkt: "Hier bin ich nicht die einzige Ausländerin. Ich drehe mich um, sehe Leute aus vielen Ländern und lerne verschiedene Kulturen kennen."
Bis drei Uhr nachts gekocht


Das sei ein schönes Fest, versichert auch die vor fünf Jahren aus Russland zuwanderte Aliya Engel: "Das Programm ist anspruchsvoll, die Gäste aus Polen sind spitze, und die Kinder freuen sich über die Hüpfburg." Dorota Romero aus Hel war schon bei einem früheren Multi-Kulti-Fest in Hermeskeil dabei. Auch damals boten die Gäste aus der Danziger Bucht feine Stickarbeiten aus der Kaschubischen Schweiz an. Dieses Mal seien wieder ganz andere Sachen und Traditionen zu sehen, freut sich Romero. Das Tolle an dem Fest sei die Kombination aus Spiel und Tanz: "Die Leute treffen sich und lernen sich kennen." Besonders anrührend fand sie den Auftritt von Kindern verschiedener Nationalitäten mit ihrer Botschaft "Wir wollen keinen Krieg mehr." Günay Sümbiel beweist ihre Verbundenheit mit ihrer neuen Heimat mit türkischen Spezialitäten. Bis drei Uhr nachts hat sie mit Freundinnen gekocht - und das nur, um möglichst viele Spezialitäten kostenlos anbieten zu können.
Deutschstämmige Besucher probieren aber auch an den anderen Tischen, wo sich jeder für einen Euro satt essen kann. Das gehöre für sie einfach mit dazu, sagt Monika Detemple, die das Fest nicht nur wegen des leckeren Essens genießt: "Alles, was hier geboten wird, ist gut", sagt sie und nennt als Beispiel die afrikanische Trommelgruppe.
Eingestimmt auf das Fest hatte das Jugendorchester der Stadtkapelle. Manfred Meyer, der für die ökumenische Laienbewegung Aktion 365 vor Ort war, lobt die lebendigen Beiträge - auch von Kindern. Da seien viel Spontaneität, Gespräche und Wiedersehensfreude: "Das ist eine gute Sache."
Katja Ludes von der Kindertagesstätte Adolph Kolping und Christoph Eiffler (MGH) freuen sich über die mit etwa 300 Gästen erfreulich gute Resonanz. Es sei ein richtig gelungenes Fest. "Es ist so viel Begegnung möglich - auch ohne große Sprachkenntnisse", sagt Ludes. Menschen aller Nationen und mit den verschiedensten Berufen würden an den Tischen beisammen sitzen, zusammen tanzen und aufeinander zugehen: "Das ist ein Anfang von Integration."
Extra

Schon mehrmals fanden in Hermeskeil Multi-Kulti-Feste statt. In einer Stadt, in der Menschen mit Wurzeln in mehr als 20 verschiedenen Ländern leben, liegt das nur nahe. Bis auf zwei Feste der Jugendinitiative Madhouse 2005 und 2006 waren es aber kleinere Veranstaltungen auf Initiative der Kindertagesstätte Adolph Kolping. Nun war erstmals das Mehrgenerationenhaus Johanneshaus (MGH) als Veranstalter mit im Boot. Unterstützt wurden das Duo von den Freundschaftskreisen St. Fargeau (Frankreich) und Hel (Polen), dem Heimatverein und der Kolpingsfamilie Hermeskeil sowie der Aktion 365, dem Caritas-Jugendmigrationsdienst, der auch Erwachsene berät, und einem Eine-Welt-Laden. urs

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