Integration steht über allem

Dank eines gemeinsamen Pilotprojekts der Kooperationspartner Rektor-Bach-Hauptschule Hermeskeil, der Cusanus-Trägergesellschaft Trier (CTT) und des Kreises Hermeskeils können 17 bisher in einer externen Tagesgruppe betreute Jugendliche schon bald die "Schule als Lebenswelt" entdecken.

Hermeskeil. (urs) Es ist ungewöhnlich, wenn sich Schüler freuen, länger in der Schule bleiben zu dürfen. Insgesamt 17 Jugendliche, die derzeit in einer Hermeskeiler Tagesgruppe betreut werden, haben dafür aber gute Gründe. Denn die Cusanus-Trägergesellschaft Trier (bisher Caritas-Trägergesellschaft) verfügt im "CTT-Haus auf dem Wehrborn" nur über 20 Quadratmeter Fläche. Obendrein fehlt es in der Koblenzerstraße 20 an Bewegungsmöglichkeiten. Sie hätten nur ein kleines Fußball- und Basketballfeld, erzählt Benjamin, der bei der Hausaufgabenbetreuung oft das eigene Wort nicht versteht. Kevin freut sich zudem auf den kürzeren Weg zur Nachmittagsbetreuung, der mehr Zeit lasse zum Lernen - und zum Austoben. Denn die täglich bis 18 Uhr betreuten Jugendlichen ziehen demnächst in eigens renovierte Räume der Rektor-Bach-Hauptschule um.

Im Untergeschoss wird für das Pilotprojekt ein mit den Außenflächen 400 Quadratmeter großer Trakt hergerichtet - mit Duschen, Teeküche, Hausaufgabenräumen und Schwimmbad und Sportanlagen gleich nebenan. Daher werden dort auch Grundschüler betreut sowie Reinsfelder Förderschüler.

Laut Projektleiter Carlos Graf investiert die CTT 160 000 Euro aus Eigenmitteln. Eine Förderung Dritter gebe es nicht. Voraussetzung sei die Zusage des Kreises gewesen, dass die Räume in der künftigen Integrierten Gesamtschule nicht benötigt würden. Zumindest nicht in den nächsten fünf bis zehn Jahren, so dass es da Sicherheit gebe.

Für Hauptschulrektor Klaus Paulus steht bei dem Projekt die Integration über allem. Junge Menschen sollten Chancen erhalten und diese auch nutzen können. Daher sei er zuversichtlich, dass sich das Konzept auch in der künftigen Schule bewähre.

Die Erfolge der seit zehn Jahren in der Stadt ansässigen Tagesgruppe sprechen laut Leiterin Elisabeth Paulus für sich. Sie trage dazu bei, dass Schüler und Eltern "Schule als Lebenswelt erleben und den Wert von Bildung und Ausbildung für sich selbst entdecken".

Oberstes Ziel sei, die Kinder in ihren Familien zu lassen. Die Entscheidung für Hermeskeil als Pilotprojekt führt sie zurück auf das Netzwerk mit guten Kontakten zum Jugendamt, das die Erweiterung angeregt hatte, sowie Psychologen, Ärzten, Pädagogen, Lebensberatung und Vereinen.

Für Landrat Günther Schartz ist das investierte Geld "gut angelegt". Zumal auch eine Vernetzung gegeben sei mit Schulsozialarbeit und Ganztagsschule. Und die Angebote des Mehrgenerationenhauses passten da auch rein, bezeichnet er die Kooperation als guten "Multiplikator".

Michael Hülpes, Bürgermeister des Hausherrn Verbandsgemeinde, hält die ausgewählten Räume für ideal. Je nach Bedarf ließen sie sich abtrennen oder öffnen, so dass sie langfristig vielfältig nutzbar seien.