Investor plant Seniorenzentrum im Garten des Hermeskeiler Franziskanerklosters

Gesellschaft : Im Hermeskeiler Klostergarten wohnen vielleicht bald Senioren

Das Geheimnis ist gelüftet: Ein Investor will auf dem Gelände des Hermeskeiler Klösterchens ein Seniorenheim bauen. Der Stadtrat hat nichts dagegen. Aber Nachbarn haben Bedenken.

Der Franziskanerorden hat sein Kloster in Hermeskeil im Herbst 2016 aufgegeben. Inzwischen ist dort, auch dank des Einsatzes eines neuen Fördervereins, wieder Leben eingekehrt. Seit September wohnen dort drei Schwestern aus verschiedenen Franziskaner-Orden. Das Kloster dient als geistliches Zentrum, es gibt weiterhin Gottesdienste, Konzerte und spirituelle Angebote.

Offen war bislang, was aus dem Gelände rund um das Gotteshaus werden soll. Im Hermeskeiler Stadtrat wurde dieses Geheimnis vor kurzem gelüftet: Ein Investor möchte einen Teil des Klostergartens kaufen, um dort ein Seniorenzentrum zu bauen. Im Rat wurde die vorläufige Planung vorgestellt. „Es geht darum, ob wir uns eine solche Nutzung grundsätzlich vorstellen könnten“, sagte Stadtbürgermeister Mathias Queck (CDU).

Anwesend war auch Berater Christian Vogdt, der nach eigener Aussage seit vielen Jahren den Franziskanern dabei hilft, für ihre aufgegebenen Objekte eine „sinnvolle Nachnutzung“ zu finden. „Wir haben deshalb bei den Vorgesprächen genau hingehört, was die Stadt sich hier vorstellen kann“, sagte Vogdt. Für altersgerechtes Wohnen habe man einen Bedarf ermittelt und einen Interessenten gefunden, der solche Projekte überregional umsetze. Diese nicht näher benannte Investorengruppe vertrat Rainer Koppers, die Planung für den „Senioren-Wohnpark“ stellte Architekt Rainer Hiemisch aus Saarbrücken vor. Demnach soll der Neubau im südlichen Teil des Klostergartens entstehen. Ost- und Westflügel, beide dreigeschossig, sind wie ein geöffnetes V angeordnet, wobei der Westflügel parallel zum Kloster verlaufen soll. In dem Gebäudekomplex sind unter anderem 80 Einzelzimmer mit raumhohen Fenstern, behütete Bereiche für Demenzkranke sowie Therapie- und Aufenthaltsräume vorgesehen.

Ein Teil des Gartens soll laut Architekt als „Garten der Sinne“ den Bewohnern vorbehalten sein. Es bleibe aber nach wie vor eine große Fläche für das Kloster und dessen Besucher nutzbar. Ein „wichtiges Anliegen“ sei gewesen, den alten Baumbestand „so weit wie möglich“ zu erhalten. Zwischen Kloster und Neubau sind laut Hiemisch zehn Meter Abstand vorgesehen. Als Zufahrt soll eine vorhandene Anliegerstraße genutzt werden.

Für die Stadt sei wichtig, ob sich das Vorhaben „ins Stadtbild einfüge“, sagte Queck und erkundigte sich nach den „Auswirkungen für die Nachbarn“. Zu den nächsten Wohnhäusern bestehe ein Abstand von 25 bis 30 Metern, erklärte der Planer. Der Neubau werde insgesamt nicht höher als die zweigeschossigen Häuser mit Satteldach im benachbarten Wohngebiet. Ein anwesender Nachbar kritisierte, drei Geschosse seien eine „Zumutung“, weil diese den Anwohnern das Licht nähmen. Mehrere Ratsmitglieder regten an, den Schattenwurf durch den Neubau genau zu untersuchen.

„Der Stadt liegt viel daran, dass wir weiterhin ein lebendiges Klosterleben haben“, sagte der Stadtchef. Um die Meinung des Fördervereins zu erfahren, bat Queck die Vorsitzende, Kerstin Schmitz-Stuhlträger, ans Mikrofon. Sie sagte: „Die Idee des Seniorenprojekts begrüßen wir ausdrücklich.“ Es müsse jedoch ein Konzept des „Miteinanders“ geben, das die Bedürfnisse des Klosters einbeziehe. Den Abstand zum Neubau von nur zehn Metern halte sie für „zu gering“.

Deutlicher wurde Schwester Christina Mülling aus dem Vorstand der Interfranziskanischen Arbeitsgemeinschaft (Infag), die Träger des neuen geistlichen Zentrums im Hermeskeiler Kloster ist. „Optisch ist es kein Miteinander, sondern eine Abgrenzung“, sagte sie mit Blick auf den V-förmigen Bau, der sich vom Kloster abwende. Bei Umsetzung der aktuellen Planung sehe sie die Existenz des geistlichen Zentrums gefährdet. Das Zentrum bietet Gästen die Möglichkeit, eine Zeit lang im Kloster zu leben und dort Ruhe zu finden. Durch die Nähe des Neubaus würden die Zimmer „so dunkel, dass wir sie dafür nicht mehr nutzen könnten“, sagte die Ordensfrau. Bedenken habe sie auch wegen des zu erwartenden Lieferverkehrs direkt vor dem Klostergebäude. Beide Frauen baten darum, „über die Anordnung der Gebäude noch einmal nachzudenken“.

Der Stadtrat stimmte dem Vorhaben grundsätzlich zu. Nun muss ein Bebauungsplan für das Gebiet Klostergarten erstellt werden. „Dabei werden wir alle Fragen, auch zum Nachbarschaftsschutz, angehen“, kündigte Queck an.

Auf TV-Anfrage nach der Sitzung erklärte Rainer Koppers von der Investorengruppe, dass der Architekt nun die Planung daraufhin „ernsthaft prüfen“ werde, „ob es andere Möglichkeiten gibt, die wirtschaftlich zu betreiben sind“. Auch Kerstin Schmitz-Stuhlträger ist inzwischen zuversichtlich. Nach der Sitzung habe es vor dem Saal noch ein ausführliches Gespräch mit dem Planer und seinen Begleitern gegeben: „Alle Seiten sind guten Willens, eine Lösung zu finden.“