Investor weckt Konzer Bahnhof aus langem Schlaf

Konz · Die Firma Ifa - Gesellschaft für Immobilien saniert das Konzer Bahnhofsgebäude für zwei Millionen Euro. Geplant ist ein Restaurationsbetrieb mit Biergarten und Tagungssälen.

Nur noch wenig erinnert daran, dass das Bahnhofsgebäude in der Konzer Bahnhofstraße vor knapp 160 Jahren (siehe Info) das größte zwischen Trier und Saarbrücken war. Schon vor vielen Jahren schlossen die Schalter, und nachdem die Stadt Konz die Immobilie vor etwa zehn Jahren erworben hatte, schlummerte es einen Dornröschenschlaf. Doch jetzt will die IFA - Gesellschaft für Immobilien mbH aus Schillingen (Verbandsgemeinde Kell am See) das Gebäude wachküssen. Etwa zehn Jahre lang haben Stadtbürgermeister Karl-Heinz Frieden und der Geschäftsführer der Ifa, Wolfgang Schäfer, Konzepte und Pläne entwickelt, wie die denkmalgeschützte Immobilie genutzt werden kann.

Am Ende der Überlegungen hat sich die Idee, das Bahnhofsgebäude in einen Gastronomiebetrieb umzubauen, durchgesetzt. "Mit der denkmalgerechten Sanierung der Villa Keller in Saarburg, in der sich ein Restaurant befindet, haben wir vor 17 Jahren bewiesen, dass wir das können", sagte Schäfer gestern bei der Präsentation der Pläne für das Konzer Bahnhofsgebäude.

Die Sanierungsarbeiten starteten Ende Mai. Zurzeit werden das Dach neu gedeckt und die Sandsteinfassade saniert. Schäfer legt Wert darauf, dass alle Arbeiten mit dem Denkmalschutz abgestimmt sind. Schäfer: "Das macht die Restaurierung der Immobilie nicht billiger und sorgt für manche Überraschung." So müssen etwa die beiden Flachdächer der Seitenanbauten komplett erneuert werden. "Und das alles nur, weil die Bahn zu träge war, einen Klempner zu beauftragen, die Flachdächer abzudichten", ärgert sich der Ifa-Geschäftsführer. Er will nicht verstehen, wieso das bundeseigene Unternehmen seine historischen Immobilien so wenig pflegt.

Das Unternehmen aus Schillingen will in die Sanierung des ehemaligen Bahnhofsgebäudes bis Juni 2018 rund zwei Millionen Euro investieren. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) fördert die denkmalgerechte Sanierung mit rund 100 000 Euro. Um dieses Investment zu tätigen, sei auch eine gehörige Portion Idealismus nötig, sagt Schäfer. Denn, da ist er sich sicher: "Mit dieser Immobilie wird nicht das große Geld verdient." Daniela Schäfer-Anell, Wolfgang Schäfers Tochter, stellte in der gestrigen Präsentation das Gastronomieprojekt vor, das sie für die künftige Nutzung des Gebäudes entwickelt hat. Im Erdgeschoss soll es Platz für insgesamt 200 Gäste geben. Die drei Räume lassen sich separat nutzen, "beispielsweise für geschlossene Gesellschaften".

Im Obergeschoss entstehen vier Tagungsräume, die zwischen zehn und 40 Sitzungsteilnehmern Platz bieten. Das Dachgeschoss wird zu einem Bankettsaal ausgebaut. Hier kommen etwa 100 Menschen unter. Der Platz vor dem Gebäude soll künftig als Biergarten genutzt werden.

"Wir wollen möglichst viele historische Details beim Umbau wahren", sagte Schäfer-Anell weiter. Dazu gehören etwa die Rundfenster, verschiedene Kapitelle und Friese. Mit historischen Fotografien wollen die Investoren die Geschichte des für den Eisenbahnknoten Konz wichtigen Baus nachzeichnen.

Viel von dem künftigen Flair soll an die große Zeit des Gebäudes erinnern. Der an die italienische Renaissance angelehnte Bau diente einst als Grenzstation repräsentativen Zwecken, ging es von hier doch weiter Richtung Luxemburg und Belgien.

Für Stadtbürgermeister Karl-Heinz Frieden ist der Start der Sanierungsarbeiten am früheren Bahnhof ein Grund zu feiern. "Über den Erhalt der Immobilie ist in Konz in jüngster Vergangenheit immer wieder viel diskutiert worden", sagte Frieden. Es ist der Schlusspunkt einer seit etwa zweieinhalb Jahren laufenden Sanierung der Bahnhofstraße. Wenn dann auch bis Ende 2018 der Lokschuppen fachgerecht saniert werde, sei dieses vor zehn Jahren begonnene Großprojekt endlich abgeschlossen. Damit wären dann drei der insgesamt vier Konzer Bahnhöfe saniert und umgebaut.

Sorgenkind bleibt weiter der Bahnhof Karthaus. "Hier werden aktuell verschiedene Konzepte diskutiert und entwickelt", sagte Frieden. Nähere Angaben wollte er jedoch nicht machen. Es scheint so, dass die Karthäuser hier noch eine Weile warten müssen, bis der Prinz kommt, um auch dieses Gebäude wachzuküssen.Extra: Einst ein wichtiger Knotenpunkt

Die Saarstrecke von Trier nach Saarbrücken wurde am 26. Mai 1860 in Betrieb genommen. Bereits am Vortag war der spätere deutsche Kaiser Wilhelm I. auf der Strecke unterwegs. Die Eröffnung der Eisenbahnlinie verzögerte sich, weil erst noch ein Tunnel bei Mettlach fertiggestellt werden musste. Die Baukosten betrugen rund 5,6 Millionen Taler. Aufgabe der 88 Kilometer langen Strecke war es, die Wirtschaftsräume Trier, Mettlach, Völklingen, Saarbrücken und das weitere Saargebiet mit der Steinkohlen- und Eisenindustrie im Ruhrgebiet und an der Nordsee zu verknüpfen.