Irmchens letzter Arbeitstag

Wenn am heutigen Donnerstagabend die letzten Besucher das Restaurant Zum Erbeskopf verlassen und Wirtin Irmtraud "Irmchen" Weber hinter ihnen die Tür zusperrt, dann ist damit das Aus für das traditionsreichste Gasthaus in Hermeskeil besiegelt. 106 Jahre lang war es im Familienbesitz. Jetzt macht das Irmchen aus Altersgründen Schluss. Sie hat das Haus verkauft, und die Gaststätte schließt für immer.

Hermeskeil. "Hier geht eine Legende zu Ende" - "Es ist für mich sehr bewegend. Hermeskeil verliert eine echte Institution" - "Das Irmchen ist nicht zu ersetzen." Diese drei beispielhaften Aussagen kommen von Stammgast Günther Gahler, Günter Weber, Vorsitzender des Hochwald-Gewerbeverbands, und von Stadtbürgermeister Udo Moser.
Denn der 31. Oktober 2013 wird der letzte Tag in der 106-jährigen Geschichte des Gasthauses "Zum Erbeskopf" sein. Diesen offiziellen Namen nimmt aber kaum ein Hermeskeiler in den Mund. Wer die Wirtschaft am oberen Ende der Fußgängerzone (Langer Markt) besucht, geht zum "Irmchen". Gemeint ist damit Irmtraud Weber, geborene Eiden.
Sie führt seit 1966 den Betrieb, der über drei Generationen in Familienbesitz war. Ihr Großvater hat 1907 das Gebäude gebaut. Der heutige Nebenraum der Gaststätte war ursprünglich eine Metzgerei. Vater Hermann führte die Gaststätte und das dazugehörige Hotel fort, ehe Irmchen die Regie übernahm. Fremdenzimmer werden schon seit etwa 20 Jahren nicht mehr vermietet. Aber die Gaststätte mit gut bürgerlicher Küche blieb ein beliebter Treffpunkt. Für fast alle Hermeskeiler Vereine war das Irmchen Vereinslokal und Versammlungsraum. Sie alle aufzuzählen, vermeidet das Irmchen tunlichst. "Ich könnte ja jemanden vergessen - und das will ich nicht", sagt die zierliche Frau, deren Markenzeichen ihr weißer Kittel ist. Überhaupt ist es Irmchen etwas unangenehm, dass wegen der Schließung des Gasthauses nun so viel Aufhebens gemacht wird. "Ich mag den ganzen Firlefanz nicht", sagt sie. Dass sie aufhört, hängt mit ihrem Alter zusammen: "Im November werde ich 74". Damit soll\'s im Gespräch mit dem TV eigentlich schon genug sein. Dann bekennt das Irmchen aber doch ganz offen: "Das alles ist nicht so leicht für mich. Ich wurde hier im Haus geboren und bin hier mit der Gaststätte groß- geworden. Ein Privatleben kannte ich fast nicht. Von morgens früh bis abends spät gab es praktisch nur die Gastronomie."
Das Haus hat sie verkauft. Der neue Besitzer wird die Gastsstätte dort nicht mehr fortführen. Irmchen selbst wird weiter in Hermeskeil wohnen bleiben.
Heimatforscher Kurt Bach sagt aus historischer Sicht zur Bedeutung der Gaststätte: "Das war die Wirtschaft in Hermeskeil schlechthin. Wenn früher die Leute von den Dörfern hierhin kamen, war es für viele von ihnen die Stammkneipe." Auch die Tanzveranstaltungen im Saal seien den älteren Hermeskeilern noch gut in Erinnerung. Heute befindet sich dort das große Hinterzimmer, das in ganz anderer Hinsicht eine wichtige Rolle für Hermeskeil spielte. Dort trafen sich über Generationen hinweg praktisch alle Parteien. Es wurden dort Programme aufgestellt, Bürgermeisterkandidaten gekürt und politische Strippen gezogen. "Beim Irmchen wurde die Stadt verändert", sagt Moser rückblickend. "Im Hinterzimmer und an der Theke wurde so manche Idee geboren, über die dann erst später im Stadtrat gesprochen und entschieden wurde."
Extra

Nicht nur in der Stadt Hermeskeil schließt am Monatsende ein traditionsreiches Gasthaus. Auch im benachbarten Damflos steht eine Zäsur an. Dort machte gestern die letzte Dorfkneipe, das Gasthaus Schu, dicht. Es wurde 1880 unter dem Namen Pink gegründet. Seit 1973 führte Friedhorst "Schmolli" Schu das Gasthaus, das nun aus gesundheitlichen Gründen geschlossen wird. Ortsbürgermeister Joachim Wellenberg betont, dass es der Gemeinde sehr wichtig ist, dafür zu sorgen, "dass es in Damflos auch weiter eine Gelegenheit geben soll, einen zu trinken." Dabei soll das Bürgerhaus, das zu einem "Kommunikationszentrum" ausgebaut werden soll, eine entscheidende Rolle spielen. "Wir sind in Zusammenarbeit mit den Vereinen dabei, ein Programm für die Nutzung aufzustellen, bei der auch der Aspekt der Geselligkeit nicht zu kurz kommen soll." Allerdings dürfe die Gemeinde nicht selbst eine Gaststätte im Bürgerhaus betreiben. ax

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