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Jahreseinkommen von 638 Euro und trotzdem fröhlich

Jahreseinkommen von 638 Euro und trotzdem fröhlich

Mit einem Film von Harald Gerardy hat Abbé Zoé den Gästen des Tawerner Felsenfestes sein Heimatland nähergebracht. Der Geistliche, der in Trier promoviert hat, arbeitete zuletzt als Kooperator in der Pfarreiengemeinschaft. Er will in Benin mit Schulen für mehr Bildung der jungen Generation sorgen.

Tawern/ Nikki. Benin ist eines der ärmsten Länder der Welt. Von dort kommt Abbé Zoé, der in Trier in Sozialethik promovierte und bis vor kurzem als Geistlicher in der Pfarreiengemeinschaft Saar-Mosel mithalf. Beim Tawerner Felsenfest stellte er seine Heimat und seine Bildungsprojekte in einem Film von Harald Gerardy vor, der dreimal gezeigt werden musste, weil so viele Festgäste ihn sehen wollten.
"Ich will hier auf keinen Fall als Bittsteller auftreten", darauf legt Zoé großen Wert. Er kommt aus einem Land, das zwischen Nigeria und Togo liegt, das 42 ethnische Gruppen beheimatet, in dem mehr als die Hälfte der knapp zehn Millionen Einwohner Analphabeten sind, die mit einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 638 Euro auskommen müssen.
Bildung ist deshalb das große Thema in Benin. In Nikki, knapp 30 Kilometer von der nigerianischen Grenze, steht die achtklassige Schule, die durch die finanzielle Unterstützung der Pfarreiengemeinschaft Saar-Mosel gebaut werden konnte. "Christliche und muslimische Kinder werden hier gemeinsam unterrichtet", betont Zoé. Auch Menschen jüdischen Glaubens gibt es, und: "Es ruft der Muezzin und es läuten Glocken."
Benin ist ein friedliches Land. "Bei uns gab es noch nie Krieg", sagt der Geistliche. Deshalb gebe es auch keine Flüchtlinge. Auch vor muslimischen Rebellen im Nachbarland Nigeria habe man keine Angst.
Kindergarten aus Wellblech



Doch die Armut wird im Film sehr deutlich, als ein Kindergarten in einem kleinen Dorf gezeigt wird. Er besteht nur aus einem Wellblechverschlag. In einem Waisenhaus leben Kinder, die von ihren Eltern verstoßen wurden, was in einigen Kulturen immer noch praktiziert wird. "Ohne solche Einrichtungen würden die Kinder verhungern", sagt Zoé.
Immer wieder sind fröhliche, lachende Menschen zu sehen, trotz der Armut, die in der Trockenzeit auch in eine Hungersnot umschlagen kann. Eine Ursache für die Not sieht der Abbé darin, dass Baumwolle als Monokultur produziert wird, statt Nahrung anzubauen, die von den Menschen vor Ort gebraucht wird: "Dadurch sind die Lebensmittelpreise sehr hoch."
Eine Besonderheit Benins ist Canvié, eine Stadt auf Stelzen, das Klein-Venedig von Benin. Der Hafen der Hauptstadt ,Porto Novo, in der Nähe der Hauptstadt Cotonou galt während der Kolonialzeit als "Tor ohne Wiederkehr". Hans Löber, Vorsitzender der Pfarreiengemeinschaft Saar-Mosel, erklärt: "Von hier aus wurden 30 Millionen Afrikaner als Ware in alle Welt verschifft."
Festbesucher Thomas Erz zeigte sich nach dem Film tief beeindruckt: "Wenn man diese Bilder sieht, kann man sich das als Europäer gar nicht vorstellen." Gut, dass Menschen wie Abbé Zoé versuchen, die Lebensverhältnisse zu verbessern. doth
Wer sich an den Projekten von Abbé Zoé beteiligen möchte, kann sich mit Mathilde Braun unter Telefon 06501/937910 in Verbindung setzen.