Jeden Tag ein bisschen besser Deutsch
Hermeskeil · Schnell Deutsch lernen: Das ist der wichtigste Schlüssel zur Integration. Deshalb gibt es an der Hermeskeiler Grundschule seit September einen Intensivsprachkurs für 22 Kinder aus Flüchtlingsfamilien oder aus ausländischen Familien. Sie leben nicht nur in Hermeskeil, sondern auch in umliegenden Orten. Der TV war in einer Unterrichtsstunde dabei.
Hermeskeil. Die Tafel im Klassenraum der Hermeskeiler Grundschule ist voll geschrieben mit Begriffen, die alle zum Thema Advent passen. "Kerze", "Kugel", "Baum" oder "Geschenke" steht dort. "Die Kinder haben sie alle selbst gesammelt. Jetzt malen wir dazu passende Bilder", sagt Lehrerin Carina Kläser. An den Tischen sitzen zwölf Jungen und Mädchen, die entweder in die dritte oder vierte Klasse gehen. In den ersten beiden Unterrichtsstunden eines jeden Tags besuchen sie aber - getrennt von ihrer normalen Klasse - einen speziellen Intensivkurs. Denn alle Kinder haben eins gemeinsam: Ihre Eltern sind entweder aus ihren Heimatländern wie Syrien oder Afghanistan geflohen und bewerben sich nun in Deutschland um Asyl oder ihre Familien sind aus anderen europäischen Staaten - zum Beispiel aus Russland, Rumänien oder Mazedonien - hierhin gezogen.
Hohe Lernbereitschaft
Damit diese Kinder schnell Anschluss in ihrer Klasse bekommen und den Unterrichtsstoff begreifen, ist eins entscheidend: Sie müssen möglichst rasch verstehen, was die Mitschüler und die Lehrer sagen, und mit ihnen reden können. Deshalb gibt es an der Hermeskeiler Grundschule seit Schuljahresbeginn den Kurs "Deutsch als Zweitsprache", bei dem Kläser ehrenamtliche Hilfe von Monika Haag bekommt.
Eine zweite Gruppe mit zehn Kindern, die in die erste oder zweite Klasse gehen, lernt jeden Tag in der dritten Unterrichtsstunde Deutsch.
Der Intensiv-Sprachkurs wird in dieser Form nur in Hermeskeil angeboten. Deshalb besuchen nun nicht nur - wie vorher üblich - Jungen und Mächen aus Hermeskeil und Damflos die Grundschule, sondern auch Migrantenkinder aus umliegenden Orten wie Mandern oder Züsch.
Dort lebt seit einigen Monaten Ali Atai mit seinen Eltern. Der Junge aus Afghanistan hat schon große Fortschritte gemacht. Er ist voll konzentriert bei der Sache und hat deshalb nur wenig Zeit, um zu sagen, dass ihm der Unterricht gut gefällt.
Was Kläser und Rektorin Sabine Mitrenga besonders hervorheben: "Die Kinder haben eine hohe Lernbereitschaft. Das springt auch auf andere Schüler über", betonen die Pädagoginnen. Sie seien ein "Gewinn für die Schule", macht Mitrenga klar. Sie tritt unmissverständlich auch Aussagen entgegen, die sie ab und zu von Außenstehenden gehört hat. "Es stimmt absolut nicht, dass die Flüchtlingskinder eine Belastung für den normalen Schulbetrieb wären", sagt die Rektorin.
Sie verschweigt aber auch nicht, dass es bei Kindern, die aus anderen Kulturen kommen, nötig gewesen ist, gewisse Spielregeln zu vermitteln. Exemplarisch erzählt sie von einen Jungen und dessen Vater, "denen wir klargemacht haben, dass bei uns auch Frauen das Sagen haben."
Kläser berichtet, dass manchmal der Unterricht für sie anstrengend ist, weil es nun einmal die Sprachbarriere und damit Verständigungsprobleme gibt. "Wenn ich etwas erklären will, komme ich dann einfach nicht so weiter, wie ich mir das wünschen würde", sagt die Lehrerin.
Sie hebt aber vor allem die positiven Seiten des Unterrichts mit "ihrer" Sprachklasse hervor. "Ich lerne sehr viel von den Kindern und bekomme durch sie auch einen ganz anderen Blickwinkel. Früher habe ich oft nur daran gedacht, wie ich den Stoff vermitteln kann. Jetzt lerne ich es, ganz andere Dinge wertzuschätzen. Ich fühle eine große Verantwortung, dass sich die Kinder an unserer Schule auch wohlfühlen und ich ihre Sprachbegeisterung wecken kann", sagt Carina Kläser.