Jedes Tier muss aufs Papier

Das Amtsgericht Prüm hat einen Bauern aus der Verbandsgemeinde (VG) zu einem Bußgeld von 400 Euro verurteilt, weil er den Erhebungsbogen für die Landwirtschaftszählung nicht ausfüllte (siehe weiteren Beitrag auf dieser Seite). Der 50-Jährige will den Richterspruch nicht hinnehmen.

Prüm. Langweilige Statistik? Nicht beim Amtsgericht Prüm: Dort hat die aktuelle Landwirtschaftszählung zu einer lebhaften Verhandlung geführt. Auf der Sünderbank: ein 50-jähriger Landwirt aus der VG.

Der Vorwurf: "Trotz mehrfacher Aufforderung" seitens der Verbandsgemeinde, sagt Amtsrichter Franz-Josef Triendl, habe der Bauer sich bislang nicht an der Zählung beteiligt, in deren Rahmen zurzeit europaweit bei Land- und Forstwirten statistische Daten erhoben werden.

Ergebnis: 300 Euro Bußgeld - die der Bauer nicht zahlen will, er legte Einspruch ein. Zumal er beteuert, den im Februar versandten Fragebogen nie erhalten zu haben. Stattdessen sei im März gleich der Bußgeldbescheid ins Haus geflattert.

Erst im April wiederum sei der eigentliche Erhebungsbogen bei ihm eingetroffen -den er aber dann auch nicht ausfüllte. Stattdessen verfasste er einen Brief an den zuständigen VG-Beauftragten Georg Geimer, weil er "mit der Komplexität der Fragen" nicht klargekommen sei. Er habe deshalb Geimer darum gebeten, ihm beim Ausfüllen behilflich zu sein. Dazu sei dieser schließlich verpflichtet.

Geimer hingegen, als Zeuge geladen, dachte nicht daran. Das Angebot des Milchbauern für ein klärendes Gespräch am Telefon habe er als Provokation empfunden. Was wiederum nicht unbedingt überrascht, denn der Landwirt hatte Geimer im gleichen Brief mitgeteilt, er sei praktisch den ganzen Tag bei der Arbeit und dort nicht erreichbar. Das gehe nur zwischen 21.30 Uhr und 24 Uhr. Auch sonntags sei nichts zu machen - da dürfe er aus religiösen Gründen nicht arbeiten.

"Veräppelung", sagt Triendl. Außerdem: "Das sind doch ganz einfache Fragen. Bis auf wenige Dinge, die vielleicht kompliziert erscheinen." Selbst ein lückenhaft ausgefüllter Bogen hätte es fürs Erste getan. So wie es offenbar auch andere machten: Alle Landwirte in der VG, von Geimer auf etwa 1000 geschätzt, hätten die Fragebögen zurückgesandt, wenn auch nicht immer mit sämtlichen Antworten.

Außerdem erinnert Triendl den Landwirt daran, dass er Subventionen erhalte - da sei es doch seine bürgerliche Pflicht, sich im Gegenzug an der statistischen Erhebung zu beteiligen.

Auch der Richter spricht von Provokation, von Rechthaberei und von Veralberung der VG-Mitarbeiter. Fazit: "Hier bekommen sie kein Recht." Antwort: "Das habe ich mir gedacht." Finales Angebot des Vorsitzenden: Einspruch zurückziehen, Bußgeld entrichten, ansonsten müsse er ein Urteil sprechen - und das könne noch teurer werden.

Reaktion des Landwirts: "Urteil!" Triendl gibt ihm seinen Willen - und erhöht die Strafe auf 400 Euro. Der Bauer kündigt an, dagegen Beschwerde einzulegen.