Jetzt geht Straßenmeisterei-Chef Arnold Eiden in den Ruhestand.

Kostenpflichtiger Inhalt: Porträt : Zwischen Kyrill und Jahrhundert-Hochwasser – Straßenmeisterei-Chef Arnold Eiden aus Hermeskeil geht in den Ruhestand

38 Jahre lang hat er sich um sanierungsbedürftige, verschneite und überflutete Straßen gekümmert. Jetzt geht Straßenmeisterei-Chef Arnold Eiden in den Ruhestand.

„Im Winter sind alle froh mit uns, im Sommer verflucht uns so mancher Autofahrer. Aber man gewöhnt sich dran.“ Arnold Eiden hat sich im Laufe von fast vier Jahrzehnten das zugelegt, was man im Allgemeinen ein „dickes Fell!“ nennt. Denn er und sein Team sorgen für schneefreie Straßen, aber auch für einen reibungslosen Ablauf von Baustellen.

Der 65-jährige Baurat war zuletzt Leiter von drei Straßenmeistereien: Hermeskeil, Thalfang und Saarburg. 700 Meter Höhenunterscheid seien es vom Erbeskopf als höchstem Punkt von Rheinland-Pfalz bis hinunter an die Mosel und in den Saargau. „Das gibt es sonst nirgendwo im Land.“ Am heutigen Mittwoch hat der Bauingenieur aus Hermeskeil seinen letzten Arbeitstag. Und schlägt ein Buch mit vielen Kapiteln voller wechselnder Herausforderungen, aber auch Verbundenheit mit den Menschen in der Region zu. Um ein neues aufzuschlagen.

Viel Zeit blieb ihm im Jahr 1981 nicht, um kurz nach dem Studium ein Angebot anzunehmen, das es ohne einen familiären Schicksalsschlag nicht gegeben hätte. Mit 27 Jahren trat er, frisch von der Hochschule gekommen, die Nachfolge seines plötzlich verstorbenen Vaters als Leiter der Straßenmeisterei Thalfang an.

Was ihm zugute kam, war seine Ausbildung „von der Pike“ auf. Arnold Eiden  konnte niemand etwas vormachen: Vor dem Studium hatte er das Maurerhandwerk erlernt. Da kam kein theoretisierender Schlipsträger in die Kolonnen, der vom Schreibtisch aus die Leute bei Wind und Wetter rausscheuchte. Eiden war von Beginn an einer unter vielen mit einem gleichen Ziel. Aber er hatte „den Hut auf“, sagte, wo es langging, traf  Entscheidungen und hielt dafür  auch den Kopf hin.

Im Zuge von Verwaltungsreformen wechselte Arnold Eiden 1997 an die Straßenmeisterei Hermeskeil. Vor elf Jahren wurde er dann Chef einer sogenannten Master-Straßenmeisterei und war damit zusätzlich zuständig für Thalfang, Hermeskeil  und Saarburg. Das heißt: drei Büros, 80 Mitarbeiter, Kolonnenführer auf der einen und Baulastträger auf der anderen Seite. Bund, Land und Kreise geben das Geld für den Winterdienst, aber auch um Straßen und Brücken zu reparieren und zu unterhalten.

Eiden war Ansprechpartner für viele: für seine Mitarbeiter, für die Dienststellen, aber auch für Polizei, Feuerwehr, Nothelfer.  „Heute haben wir eine Rufbereitschaft. Früher passierte es häufig, dass ich nachts nach einem schweren Unfall oder bei Unwettern rausgerufen wurde.“

Das hieß, Entscheidungen im Minutentakt treffen. Dann, wenn es darauf ankam. Das Jahrhundert-Hochwasser an der Mosel 1993, oder Kyrill, den „Monstersturm“ 1990, wird er nicht vergessen. „Wenn vor dir und hinter dir ein Baum umkracht und du dein eigenes Wort nicht mehr verstehst, dann ist das nicht mehr egal.“

Heute, am Ende des vierten Jahrzehnts seiner beruflichen Laufbahn, gibt es viele digitale Helfer, zum Beispiel bei der Wettervorhersage. „Im Winter  ging es bei uns schon oft wüst durcheinander an einem einzigen Tag.“ Ohne exakte Planung, Erfahrung, aber auch ohne sprichwörtlich „ruhige Hand“ ging da früher nichts. Mentale und körperliche Beanspruchung bis zur Erschöpfung. Für ihn und seine Leute.

Trotz allem, sagt er, habe ihm seine Tätigkeit Spaß gemacht. „Es kam mir nie auf eine Stunde an. Es ging mir vor allem um die Sicherheit der Menschen.“ Oft sah ihn seine Frau Anne erst am nächsten Tag wieder, wenn es nachts im Winterdienst oder bei Sturm ohne ihn nicht ging.

Eiden ist ein kommunikativer und sozialer Mensch. Ein Stück Hermeskeil. Auch als Mitglied im Förderverein der freiwilligen Feuerwehr. Seit 43 Jahren ist er Mitglied der Wehr. Ohne seinen sanften, aber beharrlichen Druck gäbe es das rheinland-pfälzische Feuerwehr-Erlebnismuseum in Hermeskeil in dieser Form nicht.

Und jetzt, was kommt jetzt? Das befürchtete „schwarze Loch“ werde sich nicht auftun. Eiden hat vorgesorgt. Er gibt seine Erfahrungen als Verkehrsberater für den ADAC weiter. Und macht etwas ganz anderes. Etwas, was auch seine soziale Ader zeigt. Er engagiert sich im Verein „Nestwärme e.V.“ in Trier, der sich um schwerkranke und behinderte Kinder und deren Eltern kümmert.

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