"Jetzt reicht's mir"

TAWERN. Es hätte eine harmonische Gemeinderatssitzung bleiben können, hätte es unter dem Beratungspunkt Rechnungslegung 2005 nicht verbale Ausrutscher gegeben. So ging es stellenweise drunter und drüber – von sachlichem Austausch gegenteiliger Argumente keine Spur.

Dem Gemeinderat Tawern liefen gegen Ende der jüngsten Ratssitzung im Gasthaus Werner Schons nach und nach die Zuhörer weg. Die Reaktion der Bürger beim Verlassen des Saals, der kurzerhand in eine Arena für verbale Attacken auf den politischen Gegner umfunktioniert worden war: Kopfschütteln. Auch fiel beim Publikum das Wort von der Politik(er)verdrossenheit. Bis zu Punkt sieben der Ratsversammlung verlief alles völlig geordnet (TV vom 20. Oktober). Selten bietet ein Beratungspunkt "Jahresrechnung" (2005) Zündstoff, denn das Zahlenwerk wird in der Regel vom gemeindlichen Prüfungsausschuss auf Herz und Nieren geprüft. Der Grund, weshalb die Diskussion - einem Gewitter aus heiterem Himmel gleich - völlig aus den Fugen geriet, war die Anschuldigung "hinterfotzig", die SPD-Fraktionschef Egon Sommer für den politischen Gegner in den Raum geworfen hatte, als er die Kosten von 895 Euro für ein von der Verwaltung beauftragtes Gutachten bemängelte und weiter eine Honorarrechnung für eine Architektenleistung aus älterer Zeit hervorkramte, die ohne Ratsbeschluss bezahlt worden sei. Da riss Ortsbürgermeister Josef Weirich der Geduldsfaden, und er konstatierte: "Welcher Hass muss hier herrschen! - Jetzt reicht's mir." Bürgermeister Winfried Manns (VG Konz) versuchte, die Wogen zu glätten, was ihm nicht ganz gelang. Dem ältesten Ratsmitglied Egon Sommer, verantwortlich für den Vorsitz bei der Abnahme der Jahresrechnung, falle besondere Verantwortung zu, mahnte Manns. Wenn er jemandem zu nahe getreten sei, wolle er sich dafür entschuldigen, meldete sich Egon Sommer zu Wort, an seiner Kritik aber halte er fest. Er habe weniger als Vorsitzender, sondern mehr als Ratsmitglied gesprochen. Mehrheitlich - sieben Ja-, drei Nein-Stimmen, zwei Enthaltungen - wurde die Jahresrechnung abgenommen und Entlastung erteilt. Die Abschluss-Zahlen: Verwaltungshaushalt mit Einnahmen von 1 268 745,75 Euro und Ausgaben von 1 648 109,24 Euro, und somit 379 363,49 Euro Fehlbedarf. Der Vermögenshaushalt schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 1 185 285,16 Euro ab.