Jetzt sind 2000 Bürger gefragt

2000 zufällig ausgewählte Haushalte im Hochwald und im Raum Saarburg bekommen diese Woche Post vom Kreis. Der Inhalt: ein Bogen mit 36 Fragen zur ärztlichen Versorgung in der Region. Denn mit Hilfe der Bürger wird nach Rezepten gesucht, um wirksam gegen den drohenden Medizinermangel vorzugehen.

Hermeskeil/Saarburg. "Wie viele Minuten brauchen Sie, um zu Ihrem Hausarzt zu kommen?" - "Wie kommen Sie dorthin?" und "Wie bewerten Sie nach Schulnoten die hausärztliche Versorgung in Ihrer Region insgesamt?" Das sind drei von 36 Fragen, die die Menschen in 2000 Haushalten der Verbandsgemeinden (VG) Hermeskeil, Kell und Saarburg beantworten sollen. Absender der Post ist der Kreis Trier-Saarburg, der die Adressen per Zufallsauswahl über die Einwohnermeldeämter der drei VG gezogen hat.
Derzeit 75 Ärzte


Die nun in Zusammenarbeit mit der Uni Trier gestartete Bürgerumfrage ist Bestandteil einer großangelegten Studie. Im Rahmen des bundesweiten Forschungsprogramms "Modellvorhaben der Raumordnung" (Moro) will der Kreis eine "Regionalstrategie für die Daseinsvorsorge" erstellen (der TV berichtete mehrfach).
Die medizinische Versorgung ist dabei ein elementarer Baustein. Sie soll auch in Zukunft wohnortnah sichergestellt werden. Die Studie soll helfen, wirksame Rezepte gegen den sich anbahnenden Ärztemangel auf dem Land zu finden. Exemplarisch wird für das Moro-Gesundheitsprojekt die Situation in der Versorgungsregion Hochwald-Saar genau unter die Lupe genommen. Ein Grund für diese Auswahl: Dort befinden sich die zwei Krankenhäuser im Kreisgebiet (Hermeskeil und Saarburg). Und - was noch schwerer wiegt: Gerade in diesem Raum droht ein Ärztemangel, woraus sich laut Kreis "dringender Handlungsbedarf" ergibt.
Die Standesorganisation der Mediziner ist die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz. Deren Sprecher Rainer Sauerwein beziffert die aktuelle Zahl der niedergelassenen Ärzte in den drei VG auf TV-Anfrage auf ingesamt 75 (Hermeskeil 35, Kell 7, Saarburg 33).
Das große Problem: Fast die Hälfte der niedergelassenen Ärzte wird bis 2022 das Ruhestandsalter erreichen. Die Nachfolgeregelung sei aber in vielen Fällen noch ungeklärt, so der Kreis. Allerdings ist dessen Sprecherin Martina Bosch folgender Hinweis wichtig: "Das ist eine Worst-Case-Annahme". Wenn ein Arzt nämlich 65 Jahre alt wird, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass er dann auch mit seinem Beruf aufhört und die Praxis schließt.
Angesichts der sich abzeichnenden Entwicklung sei es aber wichtig, gemeinsame Konzepte für die Zukunft zu finden", betont der Kreis (siehe Extra).
Auch die Ärzteschaft selbst sei daran interessiert und habe das bei mehreren Treffen in größerer Runde auch so bekundet.
Bei der Bürgerumfrage ist nun die Meinung der Bevölkerung gefragt. Etwa 20 Minuten Zeit nehme das Ausfüllen des Fragebogens in Anspruch. Der Kreis bittet darum, ihn bis 14. Dezember per Freiumschlag zurückzuschicken. Eine Rücklaufquote von etwa 50 Prozent sei wünschenswert, so Bosch: "Dann hätten wir repräsentative Aussagen."
Die Ergebnisse der Befragung sollen bis zum Frühjahr 2015 ausgewertet werden. "Wir wissen dann, was sich einerseits die Ärzte vorstellen können und was andererseits die Bürger wollen. Die Schnittmenge daraus ist die Basis, auf der wir das Projekt weiterverfolgen können", sagt Bosch.Extra

Der Inhalt des Fragebogens macht deutlich, dass den Machern der Studie die Meinung der Bürger zu drei Zukunftsansätzen für die medizinische Versorgung in der Region wichtig ist. Erstens: Die Bürger werden gefragt, welche Kriterien ihnen wichtig wären, damit sie eine Behandlung in einer Gemeinschaftspraxis oder einem Medizinischen Versorgungszentrum(MVZ) in Anspruch nehmen würden. Dort arbeiten Ärzte verschiedener Fachrichtungen zusammen und betreuen einen gemeinsamen Patientenstamm. Die Bürger können beispielsweise ankreuzen, ob sie ein MVZ nur deshalb aufsuchen, weil es möglicherweise "keine Alternative gibt" oder weil dort "leichter die Meinung eines zweiten Arztes eingeholt werden kann." Zweitens: Die Bürger werden gefragt, was sie davon halten, dass die Mitarbeiterinnen von Medizinern so fortgebildet werden, dass sie als "Versorgungsassistentinnen" den Hausarzt entlasten können und für ihn beispielsweise Kontrolluntersuchungen übernehmen oder - wie die Schwestern in Kliniken es schon tun - Wunden versorgen. Drittens: Die Bürger werden gefragt, wie sie zu Telemonitoring stehen, mit dem in manchen Fällen der Weg in die Praxis entfallen würde. Zum Beispiel könnte diese Methode beim täglichen Messen des Blutdrucks angewendet werden. Das Gerät würde die Werte des Patienten an den Arzt schicken und der könnte bei Auffälligkeiten eine medizinische Behandlung einleiten. ax