Jingle Bells und ein kurzer Blick in die Vergangenheit

Saarburg · Zwei Weihnachtswelten haben Saarburg zum Anziehungspunkt für Erlebnishungrige und Marktliebhaber gemacht: Waren, wie sie vor 100 Jahren modern waren, fanden in der historischen Glockengießerei Mabilon Käufer, während liebevoll gefertigtes Kunsthandwerk in der Saarburger Innenstadt die Kassen klingeln ließ.

Kuscheln mit der Künstlerin: Anett Lind hat die extravagante Steampunk-Maske geschaffen, hinter der sich ihr Freund Dr. Klaiber versteckt.

Foto: Regina Lüders (rcl) ("TV-Upload L?ders"

Saarburg. Viele Besucher des Christkindlmarkts in der Saarburger Innenstadt scheinen Mehrfachtäter zu sein und Weihnachtsmärkte zu lieben. Mit Sätzen wie "Wir waren eben schon in Trier" und "Wir wollen gleich noch zum Motto-Weihnachtsmarkt in die Glockengießerei" entlarven sie sich selbst.
Am Glühweinstand neben dem Leukbach tummelten sich am Samstag die Unternehmungslustigen. Ausstellerin Bebly Flores de Balzer ist zufrieden: "Heute verkaufe ich prima. Viele Leute nehmen ohne lange zu zögern etwas Schönes mit", freut sich die Konzerin, die mit handgenähten Baby- und Kleinkindaccessoires an allen drei Wochenenden auf dem Christkindlmarkt vertreten war. Besucherin Birgit Thömmes freut sich allerdings darüber, dass "man immer etwas Neues entdecken kann, weil die meisten Aussteller über die drei Wochenenden wechseln". Diesmal in der "Rotation", ein italienischer Mandelbäcker. Giovanni Lamentola hat seinen Stand auf dem Trierer Weihnachtsmarkt gegen die Bude am Leukbach getauscht und ist sich sicher: "Ich komme wieder in diese historische, wunderschöne Stadt. Meine Edelprodukte haben hier ihr Publikum gefunden."
Ein Kollege, der lieber anonym bleiben will, hat da schlechtere Erfahrungen gemacht: "Der Geschäftserfolg hätte besser sein können", sagt ein Händler. Neben dem teils nass-feuchten Wetter sieht er ein Problem in der mangelhaften Ausschilderung: "Wer durch Saarburg fährt, sieht den Markt nicht. Es hängen kaum Plakate und der Fußweg ist überhaupt nicht beschildert." Dabei scheinen ihm etliche auffällige Marktbesucher entgangen zu sein: Herren mit Gehrock und Zylinder, Damen in Roben und auffälligen Hüten im Stil des 19. Jahrhunderts sind vom Viktorianischen Weihnachtsmarkt "Jingle Bells" in der ehemaligen Glockengießerei Mabilon in die City spaziert. Am Staden ist Hausherrin Annette Barth, stilecht gewandet, schon am Samstagnachmittag sehr zufrieden: "Wenn im vergangenen Jahr etwa 2000 Besucher zu unserem Markt gekommen sind, scheinen es deutlich mehr zu werden."
Wie aus dem 19. Jahrhundert



Keramik, Seifen, Schneider- und Lederwaren, Hüte und Dekorationen: Alle Aussteller bieten Produkte an, die aus den Auslagen eines Geschäftes aus dem 19. Jahrhundert stammen könnten.
Iris Jahnke und Marc Herbort aus Püttlingen passen da mit Gehstock und Brillen genau in dieses Bild: "Wir sind viel unterwegs, um unser Hobby, den retro-futuristischen Steampunk, zu leben. Hier sind wir zum ersten Mal, treffen viele Bekannte aus der Szene und es ist wirklich schnuckelig." Aussteller Jürgen Ensch aus Mannebach ist seit drei Jahren dabei, bietet geröstete Maronen, kandierte Orangenschalen, handgesponnene Wolle, Korbwaren, Leuchter und Laternen an: "Die Leute, die hierher kommen, haben Lust zu kaufen", freut er sich. Gesänge, Tänze und szenische Lesungen sorgen auf der Bühne für Abwechslung, Tombola, Glühwein- und Essensverkauf für Einnahmen: "Möglich macht das die Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro Ars et Cultura und die Mitarbeit vieler junger Flüchtlinge." Gewinne sollen an die Flüchtlingsarbeit des Saarburger Mehrgenerationenhauses gehen.