Jobcenter setzt verstärkt auf Fachausbildung
Saarburg/Konz/Hermeskeil · Laut Rüdiger Schneider profitieren Langzeitarbeitslose vom wirtschaftlichen Aufschwung nur dann, wenn sie gezielt gefördert werden. Der TV sprach mit dem Geschäftsführer des Jobcenters im Landkreis Trier-Saarburg über den Markt für Arbeitslosengeld-II-Empfänger in der Region.
Saarburg/Konz/Hermeskeil. Die aktuelle Zuzugsdebatte über Rumänen und Bulgaren, die angeblich nach Deutschland ziehen, um die sozialen Systeme auszunutzen, ärgert Rüdiger Schneider. "Das ist eine Behauptung, die sich nicht anhand von Fakten belegen lässt", sagt der Geschäftsführer des Jobcenters Trier-Saarburg.Hohe Mieten in Trier
Er zitiert aus einer behördeninternen Statistik: "Im Landkreis Trier-Saarburg wohnen 10 000 Ausländer, davon kommen 2500 aus Luxemburg, etwa 1000 aus Polen und 800 aus Frankreich. Erst weit dahinter folgen Rumänen (500), Türken (330) und Bulgaren (125)." Im Februar seien 372 Ausländer arbeitslos gemeldet gewesen. Im Dezember hat das Jobcenter im Kreis Trier-Saarburg 1171 Arbeitslosengeld-II-Bezieher betreut. Im Vergleich zum Jahr 2012 sind das laut Schneider 124 Fälle mehr. Eine Erklärung, die der Jobcenter-Chef für diese Entwicklung hat, ist, dass sich immer mehr Arbeitslose die hohen Mieten in Trier nicht leisten könnten und deshalb ins Umland zögen. Diese These belege auch die Entwicklung in den beiden Verbandsgemeinden Saarburg und Konz, wo keine wesentlichen Veränderungen bei der Zahl der Leistungsempfänger zu erkennen seien.
Die Quote der Hartz-IV-Empfänger im Verhältnis zu allen Einwohnern liegt im Kreis Trier-Saarburg mit 2,8 Prozent deutlich unterhalb des Landes- (6,9 Prozent) und des Bundesdurchschnitts (9,5 Prozent).
Schneider beobachtet, dass der wirtschaftliche Aufschwung der Region kaum bei den Langzeitarbeitslosen ankommt. "Die finden oft keine Arbeit, weil sie nicht ausreichend oder falsch qualifiziert sind." Deshalb setze das Jobcenter vermehrt auf die Ausbildung von Fachkräften.
So lassen sich aktuell je fünf ehemalige Leistungsempfänger mit Unterstützung des Jobcenters zu Erziehern oder im Bereich der Altenpflege ausbilden. "Wir verwalten nicht die Arbeitslosigkeit, sondern wir suchen nach Stärken und schauen, dass wir die Menschen entsprechend schulen", sagt Schneider.
Dabei setzt der Geschäftsführer auf einen engen Kontakt zwischen Arbeitsvermittlern und Arbeitslosen. Zudem baut er auf Kooperationen mit Einrichtungen der Kommunen sowie den Unternehmen. Der Landkreis Trier-Saarburg ist aus Schneiders Sicht weiter auf den Zuzug von Fachkräften aus Deutschland und dem Ausland angewiesen, weil das wirtschaftliche Wachstum in der Region mit den Arbeitslosen, die hier leben, allein nicht zu stemmen ist. Das liege auch an dem Arbeitsmarkt, denn dieser sei - so Schneider - geprägt durch einen hohen Anteil an verarbeitendem Gewerbe und Kleinbetrieben sowie eine hohe Arbeitsplatzdichte. So wirbt er etwa für den Hochwald: "Dort gibt es gute berufliche Perspektiven in kleinen und mittleren Betrieben." itzMeinung
Die Politik ist gefordert
Dass die Zahl der Arbeitslosengeld-II-Empfänger in der Region steigt, ist kein Grund zur Panik. Denn sowohl im Bundes- wie im Landesvergleich steht der Landkreis Trier-Saarburg immer noch sehr gut da. Er profitiert dabei von einer heterogenen Wirtschaft sowie von der Nachbarschaft zum Großherzogtum Luxemburg, wo etwa 12 500 Menschen aus dem Kreis arbeiten. Die Nachfrage der regionalen Wirtschaft nach qualifizierten Arbeitskräften lässt sich nur befriedigen, wenn Menschen hier leben und arbeiten wollen. Hier ist auch die Politik gefordert. Sie muss die Bedingungen dafür schaffen - etwa indem sie die Betreuungsangebote für Familien weiter verbessert, oder indem sie darauf hinwirkt, dass Wohnungen in Trier und der Grenzregion zu bezahlbaren Mieten angeboten werden. saarburg@volksfreund.de