Jürgen Meyer vom Wildtierzentrum Saarburg rettet Biber

Kostenpflichtiger Inhalt: Tiere : Tierfreund rettet Biber vorm Ertrinken

Fast hätte ein Nager in einem Wasserbauwerk an der Saar den Tod gefunden. Doch Jürgen Meyer vom Wildtierzentrum Saarburg hat ihn da rausgelotst. Als der TV beim zuständigen Amt  wegen des Bauwerks nachhakt, kommt Bewegung in die Sache.

Bei Wawern an der Saar befindet sich ein seltsames Bauwerk. Über mehrere Stufen, die durch Betonwände voneinander abgetrennt sind, leitet es Wasser aus einem Bach in die Saar. Doch nicht nur das.

Die Notlage Das Bauwerk kann auch für Biber zu einer Tierfalle werden. Ein Radfahrer hatte vor einigen Wochen einen Biber in der obersten Stufe des Bauwerks gefunden. Der Nager befand sich in einer hilflosen Lage: Er kam aus dem kleinen Becken mit den senkrechten Betonwänden nicht mehr heraus. Der Radler wusste offensichtlich nicht, wie er dem Biber helfen konnte. Deshalb wandte er sich an Feuerwehr und Polizei. Von dort wurde er weiterverwiesen an Jürgen Meyer vom Wildtierzentrum Saarburg/Wiltingen.

Die Rettung Meyer schaute sich die Lage vor Ort an und hatte eine Idee: „Wir wollten dem Tier eine Fangaktion ersparen. Da habe ich ihm eine Brücke gebaut.“ Dafür nahm der 56-Jährige das Material, das in der Umgebung herumlag, darunter ein Brett. Darauf streute er ein paar „Leckerlis“, also alles, was ein Biber gerne frisst wie Haselnussäste, Löwenzahn und Klee. Das sollte dem pelzigen Gesellen helfen, seinen Weg zurück ins oberhalb gelegene Teichbiotop zu finden. Und es wirkte. Eine Stunde später war das Tier aus dem Schacht heraus- in Richtung Freiheit geklettert. Eine Rettungsaktion mit glücklichem Ende. Die Ausstiegshilfe hat Meyer vorsichtshalber liegen lassen.

Doch der Wildtierkenner fragt: „Warum werden solche Bauwerke, die zu Todesfallen für Tiere werden können, mitten in die Natur gesetzt? Wären da nicht aufmerksame Leute gewesen, wäre der Biber höchstwahrscheinlich ganz jämmerlich gestorben – verhungert oder unterkühlt.“ Er wolle gar nicht wissen, wie viele Tiere, gefangen in dem Bauwerk, gestorben seien, Igel beispielsweise.

Das Bauwerk Die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord kümmert sich um Gewässer- und Naturschutz. Auf TV-Anfrage teilt Pressesprecherin Sandra Hansen-Spurzem zur ungeplanten Biberfalle mit: „Das Bauwerk wurde im Rahmen des Saarausbaus in den 1970er Jahren angelegt.“ Der aus Wawern kommende Weyerbach werde über die Kaskaden des Bauwerks in die Saar eingeleitet.“ Für die Unterhaltung des Bauwerks sei das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Saarbrücken (seit Juni 2019 im WSA Mosel-Saar-Lahn aufgegangen) zuständig. Rolf Bürner, Leiter des Fachgebiets Wasserstraßen beim WSA Saarbücken, erklärt zum Zweck des Bauwerks: „Die Geländeneigung ist dort so stark, dass ein natürlicher Bachlauf zur Erosion des Bachbettes und infolge dessen auch zu Schäden an den unmittelbar angrenzenden Wegen führen würde. Für die Wege besteht gesetzliche Verkehrssicherungspflicht. Ein Absturzbauwerk ist daher zwingend erforderlich.“ Es könne nicht entfernt werden. Ob bei der Planung Alternativen untersucht worden seien, wisse er nicht. Bürner weist daraufhin, dass es einem gewissen Wandel unterliege, was unter Naturschutz verstanden werde, und meint: „Es ist nicht möglich oder finanzierbar, entsprechend des jeweils vorherrschenden Zeitgeists alle 20 Jahre die komplette Infrastruktur umzubauen.“

Die Lösung Doch offensichtlich hat die TV-Nachfrage dann doch noch etwas bewirkt. Ein paar Tage nach Bürners Mail zum Kaskadeneinlauf teilt dieser mit, dass seine Kollegen vom Außenbezirk in Saarburg eine Möglichkeit gefunden hätten, die Situation zu verbessern – und die ähnelt sehr der von Tierfreund Jürgen Meyer. Bürner: „Sie haben – ohne den genehmigten Zustand des Bauwerks zu verändern – eine kleine Steighilfe in das obere Becken der Kaskade eingebaut.“ (siehe Foto).

Einer der Kollegen ist Wasserbaumeister Alfred Heiser. Er sagt: „Wir haben drei Baumstämme ins Wasser gelegt und mit Ästen verflochten, so dass das Teil ein bisschen natürlich aussieht.“ Heiser sieht auch nur das obere Becken des Wasserbauwerks als Problem an. Nur dort liege der Ausfluss so hoch, dass Tiere bei Niedrigwasser Probleme haben könnten. Er berichtet, dass er rund um das Bauwerk überall Spuren des Bibers gesichtet habe. Durch den breiten Biberschwanz sähen sie aus wie Schleifspuren, das Gras sei plattgedrückt. Er erklärt, dass er noch kein Tier in einem der Becken gesehen habe, das dort nicht mehr rausgekommen sei, und versichert: „Wir sind etwa alle 14 Tage dort. Wir werden künftig ein Auge auf das Bauwerk halten. Durch so einen Zwischenfall wird man ja auch sensibler.“

Bauwerk an der Saar bei Wawern. Foto: Wildtierzentrum Saarburg/Wiltingen
Bauwerk an der Saar bei Wawern. Foto: Wildtierzentrum Saarburg/Wiltingen
Wildbrücke mal anders: Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamts haben eine Ausstiegshilfe für Tiere gebaut, die es nicht mehr aus dem oberen Becken des Wasserbauwerks herausschaffen. Foto: Wasser- und Schifffahrtsamt Saarbrücken
Jürgen Meyer vom Wildtierzentrum. Foto: Picasa

Jürgen Meyer vom Wildtierzentrum freut das. Er sagt: „Prima, das ist doch schon mal was! Und gut, wenn sie nach dem Bauwerk gucken!“

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