Jugendnetzwerk am Ende

Jahrelang haben Jugendliche aus Wincheringen, Palzem und Wormeldange einen Teil ihrer Freizeit gemeinsam verbracht, auch weil die Europäische Union das Jugendnetzwerk "Grenzenlos leben" finanziell unterstützte. Nun haben die Beteiligten angekündigt, dass sie sich nicht um eine Verlängerung bemühen wollen. Der Verwaltungsaufwand sei zu groß geworden.

Wincheringen/Wormeldange. Das deutsch-luxemburgische Jugendprojekt "Grenzenlos leben", ein seit 2005 bestehendes Netzwerk zwischen Jugendlichen aus Wincheringen, Palzem und Wormeldange, wird Ende September beendet. Im Rahmen dieses Netzwerks haben sich die Jugendlichen regelmäßig getroffen, um gemeinsam Fußball zu spielen, zu klettern oder Ausflüge zu machen. Auch Sportturniere gehörten dazu. Zuletzt gab es einen Hiphop-Kurs in Wormeldange (siehe Extra).
Grund für das Aus ist der "unvertretbar hohe Verwaltungsaufwand", wie es in einer Stellungnahme des Ortsgemeinderats Wincheringen heißt.
Das Jugendnetzwerk wurde von Beginn an zur Hälfte aus Mitteln des Interreg-Fonds der Europäischen Union finanziert, für den Rest kommt die Verbandsgemeinde (VG) Saarburg auf. Eine abermalige Verlängerung des Projekts sei nicht mehr vorgesehen, teilte der Ortsgemeinderat Wincheringen mit. Darauf habe sich die Gemeinde in mehreren Gesprächen mit der VG-Verwaltung verständigt, sagt Wincheringens Ortsbürgermeister Leo Holbach dem TV.
Der Entschluss kam für viele Außenstehende überraschend, weil das Projekt im Herbst 2008 verlängert worden war. Die VG-Verwaltung (VGV) hatte sich zuvor für eine Verlängerung der Förderung durch die EU eingesetzt. "Es wäre aufgrund der erfolgreichen Arbeit denkbar ungünstig, das Projekt zu befristen. Dies bedeutete für die Jugendlichen einen Abriss der bisher aufgebauten Angebote und Beziehungen. Vielmehr empfehlen die beteiligten Sozialpädagogen einen Ausbau des grenzübergreifenden Jugendnetzwerks", heißt es in einem Zwischenbericht der VGV im September 2007.
Ihre Position hat sich zwischenzeitlich geändert. "Der Aufwand der EU-Förderung ist größer als der Nutzen", sagt Verwaltungsmitarbeiter Thomas Wallrich, der den Zwischenbericht im Herbst 2007 verfasst hat. Grund seien Veränderungen beim Interreg-Programm. Mit dem Wechsel von Interreg-III zum Nachfolger Interreg-IV gelten striktere Fristen, um Fördergeld abzurufen. Außerdem seien halbjährlich ausführliche Berichte zu übermitteln sowie der Fortschritt des Programms alle drei Monate vor einem Ausschuss zu präsentieren, sagt Wallrich. Darüber hinaus hätten sich die Verbindungen zwischen den Jugendlichen der drei grenznahen Dörfer zwischenzeitlich so sehr vertieft, dass gemeinsame Aktivitäten nicht mehr mit gleichem Aufwand von außen gesteuert werden müssten.
Dieser Einschätzung widerspricht Beatrix Leuk-Rauen, die Leiterin der Saarburger Fachstelle für Kinder- und Jugendpastoral des Bistums Trier. Zusammen mit dem Roten Kreuz in Luxemburg ist sie für die Ausgestaltung des Jugendnetzwerks verantwortlich. "Ich bin skeptisch, ob sich die Jugendlichen selbst organisieren können", sagt sie.
In der zweiten Förderperiode hat das Projekt 50 000 Euro von der EU erhalten; den gleichen Anteil bringt die VG auf. Daraus wurde in beiden Einrichtungen, dem Trierer Bistum und dem Roten Kreuz in Luxemburg, je eine halbe Stelle zur Betreuung der Jugendlichen geschaffen. Diese Stellen fallen mit dem Ende der Förderung weg.
Dennoch sollen die Bande zwischen den Jugendlichen nicht abreißen, fordert Leuk-Rauen. "Die Jugendprojekte könnten beispielsweise von einer 400-Euro-Kraft koordiniert werden", sagt sie. Wer diese Stelle finanzieren könne - die VG, die beteiligten Ortsgemeinden oder die beiden sozialen Einrichtungen - ließ sie offen.
"Natürlich wäre es schade, wenn es keine organisierten Treffen mehr gäbe", sagt Tamara Reinert (19), die Vorsitzende des Wincheringer Jugendvereins "Kellerchaoten". Allerdings hätten sich immer nur vereinzelt Jugendliche des Vereins an dem Interreg-Projekt beteiligt. Auf deutscher Seite, ist aus dem Umfeld des Projektes zu hören, soll etwa ein Dutzend Jugendliche regelmäßig an den Treffen teilgenommen haben.
Extra: Tanzprojekt in Wormeldange


Was sagen die Beteiligten auf Luxemburger Seite? Der TV hat mit zwei Organisatoren eines gemeinsamen Hiphop-Tanzprojektes in Wormeldange gesprochen, das im Rahmen von "Grenzenlos leben" angeboten wurde. Andreas Adam, Leiter der Jugendhäuser in Wormeldange, Wasserbillig und Mertert: "Unser neues Tanzprojekt mit Jugendlichen aus der VG Saarburg und von der luxemburgischen Mosel machen wir auf jeden Fall - auch ohne Interreg-Mittel. Der hohe Verwaltungsaufwand hat leider viel Zeit, die sonst für die Jugendarbeit genutzt werden könnte, in Anspruch genommen." Heike Zimmer, Mitarbeiterin im Jugendhaus Wormeldange: "Ich habe bislang zehn Stunden pro Woche über das Interreg-Programm bezahlt bekommen. Das fällt jetzt weg, aber ich hoffe sehr, dass es andere Finanzierungsmöglichkeiten gibt, denn Arbeit gibt es in den Jugendhäusern mehr als genug." jbo