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Junge Saarwinzer sind als Entdeckungen des Jahres ausgezeichnet worden

Weinbau : Junge Saarwinzer streben an die Spitze (Video)

Die Fachpresse handelt die Weingüter Weber Brüder aus Wiltingen und Stefan Müller aus Krettnach als Entdeckungen des Jahres. Sie beweisen, dass nicht nur der Wein, sondern auch der Zusammenhalt an der Saar richtig gut ist.

Die Jungwinzer haben Grund zur Freude: Stefan Müller (29) aus Konz Krettnach und die Weber-Brüder aus Wiltingen sind offiziell „Entdeckungen des Jahres 2018“. DieBrüder Stephan (35) und Michael Weber (34) im Vinum Weinguide 2018, der Krettnacher Stefan Müller im Gault Millau 2018. Und das sind nicht irgendwelche Veröffentlichungen, sondern zwei der wichtigsten Branchenblätter für Winzer. Entsprechend gut gelaunt trudeln die aufstrebenden Sterne am Winzerhimmel zum Termin mit dem TV ein. „Wir sind sehr stolz“, sagt Michael Weber stellvertretend für alle drei.

Für sie ist ein gemeinsamer Termin selbstverständlich. Konkurrenzdenken untereinander spiele für sie keine Rolle. Im Gegenteil: „Die Hilfsbereitschaft untereinander ist groß“, sagt Michael Weber. „Wenn wir den gewünschten Wein nicht anbieten, schicken wir die Kunden zu den anderen Winzern.“ Auch Müller freut sich über die gute Zusammenarbeit: „Jeder hilft jedem, und ich hoffe, dass das immer so weitergeht auf diese lockere schöne Art.“ Ein Produkt der kollegialen, fast freundschaftlichen Zusammenarbeit der Jungwinzer ist das Klang-und-Glanz-Festival. Ein modernes Weinfest mit DJs und Liveband, das 2017 am letzten August-Wochenende 1000 Besucher ans Wiltinger Saar­ufer gezogen hat. Die zweite Auflage steht schon fest im Terminplan. Einige Verbesserungen sind geplant (siehe Info).

  Der Titel „Entdeckung des Jahres“ wirke schon jetzt. „Ich bin überrascht, dass so viele Leute das lesen“, sagt Stefan Müller. Auf solch ein Prädikat habe er hingearbeitet, sagt der 29-Jährige selbstbewusst. Er wurde zum Beispiel schon 2016 beim Konzer Heimat- und Weinfest als Jungwinzer des Jahres an der Saar ausgezeichnet. Die Redaktion des Gault Millau prophezeit ihm eine große Zukunft: „Dieser junge Winzer wird in zehn Jahren zu den Großen gehören“, heißt es über den Krettnacher. Er bewirtschaftet zehn Hektar und befüllt rund 35 000 Flaschen im Jahr mit seinen Weinen. Die Nachfrage danach sei nach der Erwähnung im Weinguide explodiert, sagt Müller. Er sei baff wegen der vielen Anfragen aus Skandinavien. Aber auch das deutsche Endkunden-Geschäft boome.

Auch die Weber-Brüder erzählen davon, dass seit der Erwähnung im Vinum Weinguide kein Tag ohne Anfragen vergangen sei. Für das Bruderpaar aus Wiltingen ist der eigene Betrieb eine besondere Herausforderung. Während Stefan Müller Haupterwerbswinzer ist, bewirtschaften die Weber-Brüder ihre drei Hektar Anbaufläche nebenbei. Beide haben 100-Prozent-Stellen in anderen Weinbaubetrieben – Stephan als Betriebsleiter in der Domaine Henri Ruppert in Schengen und Michael in der Geschäftsführung des Weinguts Reichsgraf von Kesselstatt. „Bei sämtlichen Arbeitsschritten, bei denen Manpower (englisch: Manneskraft) gefragt ist, spannen wir unsere Freunde und unsere Eltern ein“, sagt Michael Weber. Das sei meist eine bunte Truppe, in der Hamburger auf Moselaner und Deutsche auf Italiener treffen. „Da kann es passieren, dass die Lese um drei Uhr nachts mit Akustikgitarre und Trommeln am Kelter endet“, sagt Stephan Weber. „Wir bezahlen mit einem schönen Erlebnis – und Wein.“  So können sie 10 000 Flaschen im Jahr abfüllen. Vorerst wollen die Brüder so weitermachen, doch Michael Weber sagt: „Wir kommen an einen Punkt, wo das nebenbei grenzwertig wird.“

Jungwinzer von der Saar sind Entdeckungen des Jahres

Zusammengerechnet produzieren die Jungwinzer aus Wiltingen und Krettnach nicht einmal ein Zehntel des Weines des größten Saarweinguts Van Volxem in Wiltingen. Vorzeigewinzer Roman Niewodniczanski befüllt rund 500 000 Flaschen jährlich. Neidisch blicken die Jungwinzer aber nicht auf den Branchenprimus. „Wir profitieren total davon“, sagt Müller über das große Engagement Niewodniczanskis, den Saarwein voranzubringen. Die Weber-Brüder stimmen ihm zu. Fürs gemeinsame Foto geht es noch in den Keller des Weinguts Müller in Konz-Krettnach. Danach löst sich die gut gelaunte Runde auf.