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Junge Schäferin sucht nach Tierquäler

Junge Schäferin sucht nach Tierquäler

Eine Schäferin hat vor kurzem in Konz ein schwer verletztes Lamm in ihrer Herde entdeckt. Wahrscheinlich hat ein Unbekannter erfolglos versucht, das Tier vor Ort mit einem Bolzenschussgerät zu töten. Die Schäferin hat jetzt eine Belohnung für Hinweise auf den Täter ausgesetzt.

Konz. Lisa Vesely hütet die 1000 Schafe der Wanderschäferei Steines und Vesely. Zurzeit weiden die Tiere zwischen der Wiltinger Kupp und dem Konzer Wohnviertel Berendsborn. Die Wiesen dort nutzt die Familienschäferei aus Deuselbach im Hunsrück schon seit etwa 20 Jahren.
Der Großvater der 25-Jährigen betreibt seit 60 Jahren eine Schäferei, ihre Mutter ist seit 38 Jahren dabei. Doch jetzt ist etwas passiert, was die junge Schäferin in dieser Form noch nicht erlebt hat. Vor anderthalb Wochen hat Lisa Vesely ein schwer verletztes Lamm entdeckt, als sie ihre Herde für die Nacht in einen eingezäunten Bereich treiben wollte.Drei Löcher im Schädel



"Das Lamm war total benommen und wusste nicht, wo es hinlaufen sollte", schildert die 25-Jährige, die vor einem Jahr ihre Meisterprüfung als Schäferin absolviert hat. Erst am nächsten Tag, als es wieder hell wurde, habe sie die schweren Verletzungen an dem 25 Kilogramm schweren Tier entdeckt. Drei kreisrunde Löcher mit einem Durchmesser von einigen Millimetern hat Vesely in der Schädeldecke des Schafs ausgemacht (der TV berichtete).
"Jeder, der die Löcher sieht, fragt sich, warum das Lamm überhaupt noch lebt", erzählt die junge Schäferin. Ihre Familie hat das verletzte Schaf zurück in einen Stall gebracht. Das Lamm fresse normal, es sei aber noch nicht absehbar, ob es Folgeschäden davongetragen habe. "Es ist immer noch möglich, dass das Tier eingeschläfert werden muss", sagt Vesely.
Die Schäferin vermutet, dass die Verletzungen absichtlich mit einem Bolzenschussgerät verursacht worden sind, das normalerweise zum Schlachten von Kaninchen benutzt wird. Die junge Frau geht sogar davon aus, dass es sich um einen misslungenen Schlachtversuch handelt. Und dass Schafe verschwinden, komme häufiger vor. Manchmal würden Schaffelle gefunden, die Tierdiebe zurückgelassen hätten, machdem sie die Lämmer noch vor Ort geschlachtet hätten.
"Im Prinzip passiert das alle paar Monate", sagt Manuel Maucher, der Lebensgefährte der Schäferin. Vor zwei Jahren, Ende März 2012, sind der Familienschäferei Steines und Vesely 35 Tiere abhandengekommen, die nie wieder aufgetaucht sind. Ein ähnlicher Fall ereignete sich ebenfalls 2012 in Konz-Krettnach. Dort sind der Schäferei Hölzemer 23 Tiere gestohlen worden. 2007 waren es an gleicher Stelle sogar 118 gestohlene Lämmer (siehe Extra).
Beim aktuellen Fall hofft Lisa Vesely auf Zeugen - zum Beispiel Spaziergänger, die beobachtet haben, wie der mutmaßliche Tierquäler das Lamm mit dem Bolzenschussgerät traktiert hat. Die Schäfer setzen sogar eine Belohnung von 150 Euro aus. "Das ist mehr, als das Tier im Verkauf eingebracht hätte", sagt Vesely.
Die 25-Jährige ist sauer, dass jemand den Tieren so etwas antut. Auch wenn man sich um so viele Tiere kümmere, liege einem jedes einzelne Schaf nahe, sagt die Schäferin. "Wenn man die Tiere nicht mag, braucht man erst gar nicht mit dem Beruf anzufangen."
Zeugen, die vermutlich den gesuchten Tierquäler gesehen haben, werden gebeten, sich zu melden unter Telefon 0651/9779-2245 oder 9779-2290.Extra

Lisa Vesely steht auf der Weide in Berendsborn im Kreise ihrer Tiere (Foto oben). Das Lamm wurde unter anderem zwischen den Augen verletzt, dort wo im Bild unten links die Mücken zu sehen sind. Die Schäfer vermuten, dass das Tier mit einem Bolzenschussgerät (unten rechts) verletzt wurde, das zum Schlachten von Kaninchen genutzt wird. Foto: Christian Kremer (2)/Christian Berndt (1)

Juristisch betrachtet handelt es sich bei dem Fall mit dem Konzer Lamm um einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. 2013 wurden im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Trier 78 solcher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz angezeigt. Der Bereich erstreckt sich von der französischen Grenze nahe Palzem bis nach Birkenfeld im Osten und zum Nürburgring im Norden. Die Aufklärungsquote liegt bei 46,2 Prozent. Zuständig für die Ermittlungen ist immer die Kriminalpolizei in Trier. Wie viele Tiere gestohlen worden sind, kann die Polizei in ihrer Statistik nicht ermitteln. Tierdiebstahl werde statistisch nicht extra erfasst, sondern falle unter die normalen Diebstahldelikte, sagt Polizeisprecherin Monika Peters. Ein besonders schwerer Fall von Tierquälerei ereignete sich Ende Mai 2013 in Konz-Kommlingen. Dort haben Unbekannte eine Kuh getötet, indem sie ihr das halbe Gesicht weggeschnitten haben. Laut Polizei ist der Fall noch nicht aufgeklärt. cmk