Justizfachwirte folgen den Franzosen

Justizfachwirte folgen den Franzosen

Der Präsident des Landgerichts Trier, Manfred Grüter, hat das neue landesweite Ausbildungszentrum für Justizfachwirte in Saarburg eröffnet. Nicht nur beruflich hat es den Absolventen neue Wege eröffnet, wie sich bei der Feier zeigte.

Saarburg Hunderte Justizfachwirte und zu Anfang auch Rechtsreferendare sind in den vergangenen 42 Jahren in Saarburg ausgebildet worden. Sie drückten im Blümchesfeld die Schulbank. Doch Ende 2016 war dort Schluss. Der Grund: Die Justiz war Mieter im Pädagogischen Landesinstitut. Dieses konzentrierte seine Ausbildung aber in Trier und gab deshalb das Blümchesfeld auf.
Keine zehn Monate später begrüßt Manfred Grüter, Präsident des Landgerichts Trier, eine Reihe von Gästen aus Justiz und Politik zur Eröffnung des neuen Justizausbildungszentrums im "schönen" Saarburg. Das ehemalige Hotel des französischen Militärs in der Schadallerstraße wurde in Windeseile dafür umgebaut.
Zur Eröffnung stellt Grüter fest, dass zur Ausbildung von qualifiziertem Nachwuchs nicht nur exzellente Ausbildungsmöglichkeiten gehören, sondern auch Räume, die ansprechend und hervorragend ausgestattet seien. Dies zeige auch die Wertschätzung gegenüber den Auszubildenden. Er dankt seinem Vorgänger im Amt, Ministerialdirigent Thomas Henrichs, für seinen hartnäckigen Einsatz für den Verbleib des Ausbildungszentrums in Saarburg. Zu Bürgermeister Jürgen Dixius sagt er: "Diese Räumlichkeiten wären nicht entstanden ohne den unermüdlichen Einsatz und Erfindungsgeist der Stadt Saarburg." Dixius habe früh erkannt, welche Bedeutung das Zentrum in wirtschaftlicher Hinsicht und als Aushängeschild für die Stadt habe. Martin Bauscher, Geschäftsführer der städtischen Gebäudegesellschaft Saarburg, nennt er die treibende Kraft, die das Projekt mit viel Herzblut und Ideen vorangebracht habe.
Amüsant wird es, als Justizstaatssekretär Philipp Fernis das Wort ergreift, denn er präsentiert sich als ein Produkt des Ausbildungszentrums. Seine Eltern haben sich just in dem Saarburger Zentrum kennengelernt. Fernis nennt es einen Vorteil Saarburgs gegenüber Großstädten, dass sich die Auszubildenden dort auf das Lernen fokussieren könnten. Es gebe nicht so viel Ablenkung, stellt der Staatssekretär fest und schickt lächelnd gleich eine Entschuldigung an die Adresse der Einheimischen dafür hinterher.
Siegfried Bielau, Leiter der fachtheoretischen Lehrgänge, sagt: "Ich finde es prima, dass der Standort Saarburg erhalten bleibt." Er macht keinen Hehl daraus, dass er froh ist, das Blümchesfeld gegen einen frisch renovierten Bau eingetauscht zu haben. Einen Aufzug, eine eigenständige Küche, einen klimatisierten Raum nennt er als neue Errungenschaften. Bielau weist daraufhin, dass die 59 Auszubildenden in wenigen Monaten jede Menge zu lernen hätten und ein gutes Umfeld auch motivieren könne.
Bürgermeister Jürgen Dixius erinnert daran, dass mit dem Ausbildungszentrum wieder ein ehemaliges Gebäude des Militärs zivil genutzt werde. Dixius: "2010 hat sich die französische Garnison hier verabschiedet. Alle haben den Kopf geschüttelt, als ich gesagt habe, in zehn Jahren werden wir die Konversion beenden. Aber wir haben es geschafft." Nun fehle nur noch die Kaserne, doch für die stehe das Konzept bereit. Schmunzelnd sagt der Verwaltungschef, er freue sich, dass die Justiz in Saarburg auf fruchtbaren Boden falle. Er erinnert daran, dass für den Fall, dass neue Familien entstünden, immer ein Standesamt in der Stadt zur Verfügung stehe.KommentarChapeau!

Von Marion Maier

Mit dem Justizausbildungszentrum ist die letzte Einrichtung des französischen Militärs in Saarburg für eine friedliche Nutzung vorbereitet. Nur das Kasernengelände muss noch bearbeitet werden. Die Planung steht. Klar, dass die Umsetzung des riesigen Vorhabens, das durch die Aufnahme ins Programm Nationale Projekte zum Premiumprojekt geadelt wurde, noch dauert. Angesichts der Fülle der Projekte, zu denen Cité Nord und Süd, das Stadion und die Kita St. Laurentius gehören, kann man nur sagen: Chapeau! m.maier@volksfreund.de
Extra: KOSTEN UND ÜBERNACHTUNGEN


Eine Million Euro haben Kauf und Umbau des Justizausbildungszentrum laut Martin Bauschert, Geschäftsführer der Gebäudegesellschaft Saarburg, gekostet. Der komplette Umbau hat vier Monate lang gedauert. Neben Schulungsräumen sind vier Einzel- und fünf Doppelzimmer in dem Gebäude untergebracht. 59 Auszubildende werden im kommenden Jahr dort fünf Monate lang geschult. Die Saarburger Verbandsgemeindeverwaltung rechnet mit 6000 bis 8000 Übernachtungen, die das Zentrum insgesamt pro Jahr bringt. Weitere Fortbildungen sollen in dem Gebäude stattfinden; es ist noch unklar, welche.Extra: WAS MACHT EIN JUSTIZFACHWIRT?

Foto: (h_sab )


Justizfachwirte sind bei Gerichten und Staatsanwaltschaften tätig. Dort sind sie Ansprechpartner für die Bürger. Außerdem verwalten sie die Akten, bearbeiten den Postein- und -ausgang, kontrollieren Fristen und führen Protokoll bei Gerichtsverhandlungen. Jedes Jahr stellen das Oberlandesgericht Koblenz und das Oberlandesgericht Zweibrücken Bewerber für den Vorbereitungsdienst ein. Mindestvoraussetzung ist ein qualifizierter Sekundarabschluss I (mittlere Reife) oder ein gleichwertiger Bildungsstand. Die duale Ausbildung im mittleren Dienst dauert 26 Monate.

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