(K)ein Herz für Tiere?

KONZ-KARTHAUS. Postkarten-Idylle – Fehlanzeige: Eine junge Schwanenfamilie mit sieben Küken musste ihr erstes Nest am Moselufer verlassen, weil Unbekannte Steine darauf geworfen haben. Auch nach einem Umzug und trotz Sicherungsmaßnahmen durch Vertreter der Stadt und Mitarbeiter des Vereins Umwelt- und Katastrophenschutz Trier können die Tiere nicht in Frieden leben.

Solange sie im Wasser ist, ist die Idylle einer Schwanenfamilie in Konz-Karthaus augenscheinlich perfekt. Vater und Mutter schwimmen voraus, sieben rund vier Wochen alte Küken paddeln gelassen hinterher. Doch so friedvoll können sie nicht überall leben. Einmal sind sie bereits aus einem Nest am Radweg entlang der Mosel auf Höhe des Klosters Karthaus vertrieben worden. Mit schweren Steinen haben Unbekannte nach den Tieren im Nest geworfen. Mitarbeiter der Stadt sowie des Trierer Vereins für Umwelt- und Katastrophenschutz hatten damals bereits Zäune am Nest aufgestellt. Die Betonfüße dieser Absperrung hatten Unbekannte umfunktioniert und damit nach den Schwänen geworfen. Der Zaun dient dazu, die Schwäne vor Radfahrern zu schützen, aber auch, um Passanten vor den Schwänen zu schützen. "Hat der Schwanenvater nämlich den Eindruck, dass der Nachwuchs bedroht wird, versucht er, diesen mit aller Kraft zu schützen", erklärt ein Mitarbeiter des Vereins. Mitarbeiter des Umwelt und Katastrophenschutzes haben den Schwänen daraufhin an der Mosel ein neues Nest gebaut, damit die Tiere nicht obdachlos werden. Nun leben diese hinter noch mehr Absperrungen, rot-weiße Schutzplanken und Absperrbänder sollen der Schwanenfamilie Schutz bieten. Bereits einige Meter vor dem Nest stehen Warnschilder, Radfahrer werden gebeten, langsam zu fahren, Fußgänger, ihre Hunde anzuleinen. Viele Radfahrer halten sich an die Bitte, schieben ihr Rad ein paar Meter oder fahren so langsam durch die Absperrung, dass den Tieren keinerlei Gefahr droht. Doch das sei nicht immer so, berichten die Mitarbeiter des Vereins sowie Augenzeugen: Mehrmals am Tag müssten die Barrieren neu aufgestellt werden. "Es passieren kuriose Unfälle durch Radfahrer", sagt ein Mitarbeiter des Vereins. Er hat besonders die Radrennfahrer im Verdacht, dass sie die Schutzvorrichtung möglicherweise absichtlich entfernen. "Die sehen wohl nicht ein, dass man hier langsam fahren sollte", sagt er. Auch Markus Boden aus Trier, der täglich auf dem Radweg unterwegs ist, bestätigt diesen Verdacht: "Die fahren unmöglich", wettert er über die Fahrer, die keine Rücksicht auf die Schwäne und die Sicherungsmaßnahmen nähmen. Passanten, Anwohner und Mitarbeiter des Trierer Vereins richten die Schutzvorrichtung mehrmals täglich. An einem Wochenende habe er sie elf Mal neu aufbauen müssen, berichtet eins der Vereinsmitglieder. "Die Karthäuser kümmern sich sehr gut um die Tiere, und die Stadt unterstützt uns", freut sich ein Vereinsmitarbeiter über die Hilfe. Doch lieber wäre es ihm, wenn die Schwanenfamilie dort in Frieden leben könnte, ohne Gefahr zu laufen, verletzt oder getötet zu werden.

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