Kahren feiert 100 Jahre zentrale Wasserversorgung des Saargaus
Saarburg-Kahren · Der Hosteturm auf dem Hostenberg in Saarburg-Kahren ist vor 100 Jahren gebaut worden. Der Bau besiegelte das Ende der Dorfbrunnen für 40 Gemeinden, denn seitdem sichert der Turm die Wasserversorgung des Saargaus. Den Geburtstag feiern die Kahrener am ersten Augustwochenende - eine Gelegenheit, Hostenberg und Dorfkern zusammenzubringen.
Saarburg-Kahren. Der Hosteturm ist vom ganzen Saargau aus zu sehen, markiert er doch mit 435 Metern über dem Meeresspiegel den höchsten Punkt zwischen Obermosel und Saar. Wobei nicht ganz klar ist, ob die Erhebung hier Hoste- oder Hostenberg heißt. In alten Karten heißt die Gemarkung "upp hosten", was eher für Hostenberg spricht. Regional durchgesetzt hat sich aber die Bezeichnung Hosteberg.
Die geografischen Gegebenheiten des Bergs nutzte vor 100 Jahren die preußische Provinzialregierung. Mit dem Bau des Turms, der wahrscheinlich auf eine Initiative des Geheimrats Karl Brügmann zurückgeht, wurden in 41 Gemeinden die Brunnen abgestellt. Der Wasserhochbehälter stellt seither die Wasserversorgung sicher, bietet von seiner Aussichtsplattform aber auch einen fantastischen Blick auf den Gau. Heute lagern hier 600 Kubikmeter Wasser, mit denen die Haushalte in 19 Gemeinden versorgt werden.
"Der Hochbehälter ist keine architektonische Glanzleistung", sagt Reiner Glosse, bis vor kurzem noch Ortsvorsteher von Kahren und früher als Kunstlehrer tätig. "Aber die sozialen und ökonomischen Auswirkungen dieser Ingenieursleistung waren weitreichend." So mussten Frauen und Kinder ab 1911 nicht mehr zum Dorfbrunnen laufen, um Frischwasser nach Hause zu holen. "Der letzte Dorfbrunnen in Saarburg, der an diese Zeit erinnert, ist noch in Kahren zu sehen", ergänzt Glosse.
Als vor einem Jahr direkt neben dem Hosteturm ein Sender für den digitalen Rettungsfunk errichtet wurde (der TV berichtete), stieß man auf Spuren aus der Nachkriegszeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte eine amerikanische Abhöreinheit neben dem Turm ihr Lager. "Von diesen Militärbaracken haben wir aber keine Pläne gehabt", berichtet Glosse. Deshalb seien Sondierungsbohrungen nötig gewesen, bevor mit dem Bau des Funkturms begonnen werden konnte.
Der ehemalige Ortsvorsteher ist vom Zweitturm wenig begeistert: "War schon der Baustil des Hostenturms antiquiert, so ist dieser Funkturm geradezu albern." Aber den Bau dieses Senders direkt neben dem Wasserturm habe der Ortsbeirat nicht verhindern können. Denn der Digitalfunk ist ein bundesweites Projekt, der Mastbau ist Landessache.
Die Vorbereitungen zur Geburtstagsfeier des Turms haben dafür gesorgt, dass die Ortsteile Kahren und Hosteberg einander nähergekommen sind, meint Glosse. Früher war auf dem Berg ein Ferienpark. Seit es den nicht mehr gibt, wohnen laut Glosse in der alten Ferienparkanlage Familien, die aber keinen Bezug zum Dorf hätten. Oft arbeiteten die Bewohner in Luxemburg und kämen aus aller Welt nur für kurze Zeit hierher. "Die Überlegungen, hier oben ein Fest zu feiern, sind in beiden Ortsteilen auf große Resonanz gestoßen."
Trotz der Sperrung der K 124 zwischen Kahren und Fisch-Alterhof ist die Jubiläumsfeier gut über örtlich eingerichtete Umleitungen zu erreichen.
Extra: Hosteturm
Mit dem Bau des Hochbehälters wurde am 1. Juni 1911 begonnen. Fertiggestellt und ans Netz ging er im Dezember des gleichen Jahres. Die Baukosten betrugen 1 200 000 Mark. Am 13. Januar 1912 wurde Wasser in zehn Gemeinden, darunter Kahren und Niederleuken, gepumpt. Zwei Jahre später wurden 41 Gemeiden bis ins heutige Saarland versorgt. Das Wasser kam zunächst aus dem Kreiswasserwerk bei Wawern; inzwischen kommt es über eine 4,5 Kilometer lange Förderleitung aus dem Mannebachtal. Jährlich fließen rund 240 000 Kubikmeter Wasser durch den Hochbehälter. Der Turm ist heute Eigentum der Wasserversorgung Saar-Obermosel. itz
Extra: 100-Jahr-Feier
Samstag, 6. August: Eröffnung der 100-Jahr-Feier um 20 Uhr, ab 20.30 Uhr spielt die Concordia Live Band; Sonntag, 7. August: Festhochamt um 9.30 Uhr, ab 10.30 Uhr spielt der Musikverein Lyra-Klub aus Körrig, die saarländischen Fallschirmspringer landen ab 14 Uhr auf dem Hosteberg, um 15 Uhr tritt der Euro-Chor aus Tawern auf. Am Nachmittag gibt es Hüpfburgen, Bastelaktionen und Geocaching-Touren für die Kinder. Außerdem gibt es eine Ausstellung rund um die Wasserversorgung. Das ganze Festwochenende bietet John Geerdink in seinem Restaurant Le-Mouton-Hosteberg ein Menü zur 100-Jahr-Feier an. itz