Kahren ist ein Stadtteil mit Zukunft - Saargau-Gemeinde gewinnt den Dorfwettbewerb

Saarburg-Kahren/Trier · Das Dorf Kahren, das zur Stadt Saarburg gehört, hat den Sieg im Gebietsentscheid des Wettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft" gewonnen. Die Jury lobt in ihrer Begründung die hervorragende Dorfgemeinschaft, die sich seit Jahren für den Ort engagiert.

Die Freude in Kahren ist groß: Jetzt hoffen die Einwohner des Dorfes, dass sie auch im Landesentscheid Sieger bleiben und nach Berlin fahren. TV-Foto: Alexander Schumitz

Foto: (g_pol3 )

Saarburg-Kahren/Trier. Ortsvorsteher Reinhardt Paulus ist zurzeit im Urlaub. Trotzdem freut er sich sehr, als er an der Ostsee erfährt, dass "sein" Dorf den Gebietsentscheid im Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" für die Region Trier gewonnen hat. Seine Amtshandlung, nachdem er von dem Sieg erfahren hat, ist, seinen Stellvertreter Johannes Hirt zu bitten, eine Feier zu organisieren. "Aber für ein Foto fahre ich jetzt keine 1000 Kilometer. Das geht auch sehr gut ohne mich. Die Sektkorken werden trotzdem knallen", sagte Paulus am Telefon.
Gestern Nachmittag war es im Ort noch ruhig. Landwirt Hirt war auf einem der Felder unterwegs, um eine Wasserleitung zu reparieren. In einem kurzen Telefonat sagte er nur, "dass ich mich sehr über die Entscheidung der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion freue, Kahren zum Sieger des Gebietsentscheids zu küren".
Groß war gestern auch die Freude der Seniorinnen, die sich einmal im Monat im Bürgerhaus treffen. Die Damen können sich noch zu gut daran erinnern, wie es im Dorf früher aussah. "Als ich 1993 mit meiner Familie nach Kahren zog, gab es an der Hauptstraße keinen Bürgersteig. Wenn ich mit meinen drei Kindern unterwegs war, habe ich oft Angst gehabt, dass etwas passieren könnte, berichtet Margit Kaufmann. Maria Paulus erinnert sich, dass es 40 Jahre gebraucht habe, bis endlich der Kinderspielplatz realisiert wurde. "Erst mein Sohn war hartnäckig genug, um das Projekt endlich umzusetzen", sagt die Mutter des Ortsvorstehers.
Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) lobt, dass der im Saargau gelegene landwirtschaftlich geprägte Saarburger Stadtteil mit derzeit 266 Einwohnern seit fast 30 Jahren als aktive Dorferneuerungsgemeinde auftritt. Eine vorbildliche Umsetzung der entwickelten Konzepte habe beispielsweise dazu geführt, dass mehr als 25 Prozent der Einwohner jünger als 20 Jahre sind.
"Bereichert wird das Dorf von den beiden eng kooperierenden landwirtschaftlichen Betrieben, der Käserei Altfuchshof und dem Saargauhof", sagt Dagmar Barzen, Präsidentin der ADD, in einer Presseerklärung. Außerdem seien im Ort 25 Gewerbebetriebe mit 30 Arbeitsplätzen ansässig.
Überzeugt hat die Jury aber auch, dass die Gemeinde im Einklang mit dem Denkmalschutz die ehemalige Schule in ein Bürgerhaus umgebaut hat. Auch die Filialkirche St. Matthias habe die Dorfgemeinschaft mit viel Engagement und Eigenleistung vorbildlich restauriert.
Auch Saarburgs Stadtbürgermeister Jürgen Dixius freut sich über Kahrens Sieg : "Mit Ideen und Tatkraft ziehen die Kahrener an einem Strang und setzen sich konsequent für Projekte in ihrem Umfeld ein." Aus einem Ort, durch den man früher nur durchgefahren sei, habe sich das Dorf zu einer lebens- und liebenswerten Gemeinde entwickelt. Die Stadt habe das für diesen Weg benötigte Geld gerne in den Haushalt eingestellt. "Es war absehbar, dass Kahren dadurch nachhaltig profitieren würde."Extra

Der Saarburger Stadtteil Kahren hat beim Dorfwettbewerb in der Hauptklasse Platz eins erzielt, die Ortsgemeinden Reil (Landkreis Bernkastel-Wittlich) und Schmißberg (Landkreis Birkenfeld) die Plätze zwei und drei. In dieser Klasse treten Gemeinden an, die erstmalig an dem Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" teilnehmen. Wolsfeld (Eifelkreis Bitburg-Prüm) und Schwollen (Landkreis Birkenfeld) belegten in der Sonderklasse die ersten Plätze. In diesem Teil des Wettbewerbs werden die Gemeinden zusammengefasst, die bereits einmal erfolgreich am Gebietsentscheid teilgenommen haben. Alle fünf Orte nehmen am Landesentscheid teil. itz