Dorfentwicklung: Kahren und Freudenburg umwerben Jury bei Dorfwettbewerb

Dorfentwicklung : Kahren und Freudenburg umwerben Jury bei Dorfwettbewerb

Die zwei Orte haben sich der Bewertung kommission des Dorfwettbewerbs präsentiert. Trotz vieler Projekte haben die beiden nicht ganz überzeugt.

Der Saarburger Stadtteil Kahren hat bereits eine, Freudenburg will sie noch haben: Eine obere Platzierung im Wettbewerb Unser Dorf hat Zukunft. Bis zum schönsten Dorf Deutschlands können es die Orte bringen.

Kahren und sein Wahrzeichen Kahren hat 2015 Silber im Landesentscheid errungen und will sich nicht auf diesen Lorbeeren ausruhen. Dies erklärt Ortsvorsteher Reinhardt Paulus dem Kommissionsvorsitzenden Joachim Maierhofer, beim Kreis Trier-Saarburg zuständig für Landesplanung und Kreisentwicklung. Das Schmuckstück auf dem Saargau, wie sich das Dorf jetzt selber nennt, will noch schöner glänzen.

Die 260 Einwohner, einschließlich Hosteberg, wollen weitere Projekte in Angriff nehmen, auch gerade wegen der 41 Kinder. Da lässt der Ortschef aufhorchen: „Wir wollen die Bergstraße ausbauen und ein Glasfaserkabel mit einer Übertragungsrate von bis zu 300 Megabit pro Sekunde in jedes Haus legen.“ Das Wanderwegenetz soll ausgebaut werden. Besucher sollen mit dem Wahrzeichnen, dem Turm auf dem Hosteberg, als Ortseingangsschild begrüßt werden.

Die Filialkirche St. Matthias wird gerade barrierefrei erschlossen. Auf den beiden Bauernhöfen im Ort werden Käse und Speiseeis produziert und jeweils direkt vermarktet. Wenn gefeiert wird, dann hilft das ganze Dorf.

Maierhofer ist erstaunt: „Hier wurde schon so viel geschafft, und es hört nicht auf.“ Aber gerade das sei ja der Anreiz, dass die Jungen aktiv würden und nicht abwanderten. Kommissionsmitglied Cornelia Strupp, zuständig für die Beurteilung der bürgerlichen Aktivitäten, findet: „Das ist das Wichtigste, gemeinsame Projekte angehen mit immer neuen Ideen.“

Doris Klauck-Schommer, Fachfrau für altes und neues Bauen, plädiert dafür, dass Hausbesitzer die Möglichkeiten zur Beratung nutzen und Zuschüsse in Anspruch nehmen, wenn es um Renovierungen geht. Auch Kleinigkeiten brächten einen Identifikationsfaktor.

Walter Oeffling ist für die Beurteilung der Grüngestaltung zuständig. Er findet die Landschaft um Kahren herum toll, aber: „Im Ortskern könnte es noch ein wenig grüner sein.“ Da solle das Dorf seine eigene Handschrift finden.

Freudenburg mit neuem Platz Im 1800 Einwohner zählenden Freudenburg wird die Kreisjury von rund 30 Bürgern und 45 fröhlichen Kindern auf dem neu gestalteten Mehrgenerationenplatz im Ortskern begrüßt, was irgendwie den Namen des Dorfes sogar akustisch unterstreicht.

„Hier haben wir endlich einen Platz zum Feiern im Zentrum“, erklärt Ortsbürgermeister Bernd Gödert den Gästen aus der Kreisverwaltung. Dem Reiz des nagelneuen Platzes kann sich die Jury nicht entziehen, und auch sonst gibt Freudenburg mit Burg und historischer Bausubstanz ein attraktives Bild ab.

Doch es gibt auch Probleme zu lösen. Für die ehemalige Gaststätte Tillmann wird für 40 000 Euro ein Plan erstellt, was damit passieren soll.

Und vor dem historischen Amtshaus von 1587, das unter Denkmalschutz steht, richtet Ortschef Gödert einen Hilferuf an die Kreisvertreter: „Mehrfach wechselte das Gebäude die Besitzer und verfällt zusehends.“

Maierhofer schlägt vor, Ideen zu entwickeln und sich dann zusammenzusetzen, um zu sehen, was machbar ist. Eigenleistung ist in Freudenburg ein ganz großes Thema. Beispiele sind der Kelterplatz und der Mühlenplatz im Ortsteil Kollesleuken, wo mit Wasserkraft sogar Strom gewonnen wird.

Bei einer Rundfahrt geht es vorbei am Vereinsheim, in das viel Geld gesteckt wurde. Zu sehen sind außerdem Schule und Kita, Sport- und Tennisplatz, das jüngste Neubaugebiet, das schon ausgebucht ist, und die Kollesleuker Schweiz mit dem Pilzfelsen, ein Stück Natur, das bei strahlendem Frühlingswetter besonders beeindruckt.

„Freudenburg imponiert mit seiner Infrastruktur“, stellt Jury-Chef Maierhofer fest. Es gebe jede Menge Arbeitsplätze. Zudem seien bereits einige Meilensteine dort erreicht worden. Nur die Außengestaltung der Grundschule findet er „grottenfurchtbar“.

Zur Begrüßung der Bewertungskommission auf dem neuen Freudenburger Dorfplatz kamen auch Schulkinder. Foto: Herbert Thormeyer

Cornelia Strupp ist beeindruckt, wie sich die Leute hier für ihr Dorf engagieren, und rät: „Eine Barrierefreiheit für die Burg wäre noch eine schöne Idee.“ Doris Klauck-Schommer vermisst im Ortskern einen einheitlicheren ortstypischen Stil, den roten Faden. Walter Oeffling sieht ein ähnliches Problem in der Grüngestaltung: „Da stehen beispielsweise Waschbetonkübel auf einer Sandsteinmauer.“ Er möchte, dass der Charme Freudenburgs wieder aufblüht.

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