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Saarburg-Kell: Kastration von Katzen wird ab Juni 2022 zur Pflicht

Katzenschutz-Verordnung : Ab Juni: Katzenhalter im Raum Saarburg-Kell müssen ihre Tiere kastrieren lassen

In der Verbandsgemeinde Saarburg-Kell wird die Kastration von Katzen ab Juni 2022 zur Pflicht. Warum die Verwaltung das macht und was es die Halter kostet.

Ab 1. Juni gilt eine neue Verordnung zum Schutz frei lebender Katzen in der Verbandsgemeinde (VG) Saarburg-Kell. Damit ist festgelegt, dass Katzenhalter ihr Tier kastrieren lassen müssen, wenn sie frei herumlaufen. Wir haben dazu Fragen beantwortet.

Im Kreis Trier-Saarburg ist Saarburg-Kell übrigens die erste VG, die sich eine solche Verordnung gibt. In der Region Trier hat dies die Verbandsgemeinde Gerolstein Mitte 2021 ebenfalls getan.

Was schreibt die Verordnung Katzenhaltern vor?

Katzenhalterinnen und -halter sind laut Verordnung verpflichtet, ihre Tiere, die frei herumlaufen, von einem Tierarzt oder einer -ärztin kastrieren zu lassen. Zudem müssen die frei laufenden Tiere mit Hilfe eines Mikrochips gekennzeichnet sowie registriert werden. Zur Registrierung stehen zwei kostenfreie Haustierregister zur Verfügung: das Register des Vereins Tasso und das des Deutschen Tierschutzbunds (Findefix).

Gibt es Ausnahmen von der Kastrationspflicht?

Ja, auf Antrag können Ausnahmen von der Kastrationspflicht zugelassen werden, wenn ein „berechtigtes Interesse an der Fortpflanzungsfähigkeit besteht“ – also zum Beispiel, wenn jemand Katzen züchten möchte – und glaubhaft dargelegt werden kann, dass der Nachwuchs versorgt wird.

Wie sieht es mit frei lebenden Katzen aus?

Frei lebende Katzen, also solche, die nicht (mehr) von einem Menschen gehalten werden, kann die Verwaltung laut Verordnung kennzeichnen, registrieren und kastrieren lassen. Nach der Kastration kann das Tier wieder in Freiheit entlassen werden und zwar dort, wo es aufgegriffen wurde.

Was ist das Ziel der Verordnung?

Frei lebende Katzen sollen vor erheblichen Schmerzen und Schäden geschützt werden. Dieses Leid entsteht in der Regel dort, wo sich die Tiere unkontrolliert vermehren und große Populationen bilden, was immer wieder vorkommt.

Wieso führen große Populationen frei lebender Katzen in der Regel dazu, dass die Tiere leiden?

Das Nahrungsangebot wird in der großen Population für die einzelne Katze knapp, der soziale Stress steigt. Beides begünstigt eine erhöhte Krankheitsanfälligkeit. In großen Populationen erhöht sich aber ohnehin die Gefahr, dass sich Katzenkrankheiten wie die Immunschwäche Katzenaids (FIV), Leukose (bösartige Tumore) und FIP (Bauchfellentzündung) ausbreiten. Die kranken Tiere leiden an erheblichen Schmerzen und sterben meist einen qualvollen Tod.

Wenn das Ziel ist, frei lebende Katzen zu schützen, warum sollen dann auch Katzen, die von Menschen gehalten werden, kastriert werden?

Der Bestand frei lebender Katzen ergänzt sich ständig aus den frei laufenden Halter-Katzen, deren Nachkommen nicht in menschliche Obhut genommen werden.

Wo im Kreis Trier-Saarburg haben sich frei lebende Katzen verstärkt vermehrt?

Laut Carola Heiner vom Verein Freunde herrenloser Katzen haben sich frei lebende Katzen in Schömerich vergangenes Jahr erneut stark vermehrt, nachdem es dort 2020 bereits große Probleme gab. Zu den Katzen-Hot-Spots zählten außerdem Vierherrenborn (18 Tiere), Ollmuth (26 Katzen), Wintersdorf, Föhren, Bekond, Beuren, Quint, Schweich, Naurath und Trier. Besonders tragisch war es laut Heiner in Konz. Dort wurden 35 herrenlose Tiere eingefangen. Sieben Tiere waren so krank, dass sie eingeschläfert werden mussten. Die anderen wurden (abgesehen von drei Vermittlungen) wieder ausgesetzt. Zwei Wochen später seien die Tiere verschwunden gewesen. Heiner befürchtet Schlimmes.

Was hat der Verwaltung den Anstoß dafür gegeben, die Verordnung zu erlassen?

Laut Pressesprecher Frank Weilerswist hat der Verein Freunde herrenloser Katzen im Oktober 2020 die Verordnung angeregt. Er hat auf die Probleme mit den frei lebenden Katzen hingewiesen. Der Verein hat zudem 500 Unterschriften für die Verordnung sowie befürwortende Stellungnahmen von Tierärzten in der Verbandsgemeinde gesammelt. Auch das Veterinäramt der Kreisverwaltung hat den Erlass einer Katzenschutzverordnung zur Eindämmung der Katzenpopulation befürwortet.

Wie wird die Verordnung umgesetzt?

Der Verein Freunde herrenloser Katzen hat seine Unterstützung bei der Umsetzung zugesagt. „Wir beabsichtigen, die Kooperation mit diesem Verein zu nutzen und auszubauen“, teilt Verwaltungssprecher Frank Weilerswist mit. Der Verein hat bereits zuvor frei lebende Katzen dort, wo es Probleme gab, eingefangen, kastrieren lassen, vermittelt oder wieder ausgesetzt. Vereinsmitglied Carola Heiner weist daraufhin, dass Bauern, die beklagen, dass sie aufgrund der Kastration nicht genügend Mäusefänger haben, sich beim Verein melden sollen. Heiner: „Wir siedeln kastrierte Tier dort wieder an.“

Werden Verstöße gegen die Verordnung geahndet?

Es werde zunächst eine einvernehmliche Lösung angestrebt, erklärt der Pressesprecher der VG. Es sei auch möglich, ein Zwangsgeld zu verhängen. Die Einhaltung der Verordnung soll anlassbezogen kontrolliert werden.

Was kostet eine Kastration?

Bei der Kastration werden die Keimdrüsen der Katzen entfernt, also die Eierstöcke bei den Weibchen, die Hoden bei den Männchen. Laut einer Tierärztin aus der Region kostet eine Kastration je nach Aufwand bei Katern 70 bis 100 Euro und bei Katzen 130 bis 200 Euro.