Kein Ausweg am Mühlenweg

KLÜSSERATH. Das holländische Ehepaar van B. hatte sich vor etwa sechs Jahren ein altes Anwesen am Klüsserather Mühlenweg im Tal der Salm gekauft und war dort eingezogen. Zunächst schienen sich die Neubürger harmonisch im Dorfleben einzurichten. Doch dann geschah ein schweres Unglück: Der 20 Monate alte Junge der Familie starb bei einem Unfall - seither ist alles anders.

Über den Tod des Kindes, und in der Folge über den nachfolgenden Streit des holländischen Ex-Zahnarztes mit der örtlichen Kirchengemeinde, hatte der TV seinerzeit berichtet. Auch die Ortsbevölkerung zeigte starken Anteil an der Tragödie. Dann trat zunächst Stille ein. Die Familie - im Haus lebt noch die kleine Tochter - betreibt auf dem Gelände hinter dem Haus einen Streichelzoo mit einheimischen und einigen exotischen Tieren. Diese Idylle täuscht jedoch: Nichts stimmt mehr zwischen dem Ehepaar van B. und seinem alteingesessenen Klüsserather Umfeld. Die Situation ist angespannt. Es kam zu "Entladungen" - zum Teil auch handgreiflicher Art. Der Fall "van B. kontra Klüsserath" ist inzwischen ein Dauerthema für das Amtsgericht Trier, die Trierer Staatsanwaltschaft, für Ortsbürgermeister Norbert Friedrich und für die Verbandsgemeinde Schweich.Dem Ortsbürgermeister Dorfmobbing vorgeworfen

Ehepaar van B. bezichtigt Ortsbürgermeister Friedrich, örtliche Vereine inklusive Feuerwehr und fast die gesamte Klüsserather Bevölkerung des "Dorfmobbings". Das Gros der Ortsbevölkerung fühlt sich indessen selbst als Opfer ständiger Angriffe, Beleidigungen und Verleumdungen durch die Zugezogenen. Die Recherchen des TV im Ort offenbarten eine total festgefahrene Situation mit völlig verhärteten Fronten. Alle Vorfälle der jüngsten Zeit aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Als Beispiel genannt sei der Mühlenweg, der nach übereinstimmenden Aussagen im Ort von den Klüsserathern schon seit Generationen als Nebenweg nach Hetzerath und für die Landwirtschaft genutzt wird. Nun fordert Familie seine Umwandlung in eine Sackgasse, was wiederum Bevölkerung, Ortsgemeinde und VG Schweich ablehnen, da die Straße von landwirtschaftlicher Bedeutung sei. Für den Klüsserather Helmut Herres (71) endete die Vorbeifahrt am Anwesen van B. mit einem Schlag in Gesicht, ausgeführt von Anlieger van B. Vom Trierer Amtsgericht wurde der dafür zu einer Geldstrafe verurteilt, ging aber in Berufung. Nun erhielt Herres den Bescheid, dass mit 600 Euro Buße für den Holländer "alles erledigt" sei. Der 71-Jährige: "Da kommen einem doch Zweifel am Rechtsstaat. Ich verlange ein ordentliches Verfahren. Ich habe mich noch nie mit jemandem geprügelt. Soll ich mich nun im eigenen Ort ungestraft schlagen lassen müssen." Zum Streitfall wurde auch die Salm, die durch das Anwesen van B. fließt: Dem Angelverein wird der Zugang zum Bach verwehrt. Auch Ärger mit der Feuerwehr gab es dort schon, als die bei einer Übung Wasser aufnehmen wollte. "Wir nehmen jeden freundlich in Klüsserath auf. Das war auch bei diesen Leuten der Fall. Doch leider kennen die nur Rechte, aber keine Pflichten", sagt Ortsbürgermeister Friedrich, gegen den das Ehepaar schon Dienstaufsichtsbeschwerden eingereicht und Strafanzeigen gestellt hat. Hinzu kommen weitere Strafanzeigen gegen andere Klüsserather. Andere im Ort werfen ihm schon vor, dass er "Angst vor den Holländern" habe - um im selben Atemzug zu gestehen, dass sie "inzwischen lieber auf die Fahrt durch die Mühlengasse verzichten". Besonders verschärft wurde die Lage durch eine "humorige Aktion" von Klüsserathern mit dem Schild: "Wir sind Holländer - holt uns hier raus!" Das in Anlehnung an eine RTL-Serie gebastelte und auf einer Wiese aufgebaute Pamphlet verschaffte Friedrich eine Anzeige wegen Volksverhetzung - laut van B. soll er der Drahtzieher gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft hat die Sache zwar eingestellt, doch immerhin musste sich der Ortsbürgermeister einer peinlichen Befragung unterziehen. "Der Friedrich und seine Freunde stellen uns nach, verleumden und hetzen", sagt aber Ehepaar B. Kommentar von Norbert Friedrich: "Das wäre für mich das Letzte, als Ortsbürgermeister so etwas zu inszenieren."

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