Kein Durchblick mit der Schickerbrille

Kein Durchblick mit der Schickerbrille

Zu hohe Geschwindigkeit, Drogen und Alkohol verschärfen die Gefahren im Straßenverkehr. Wie hoch das Gefahrenpotenzial ist, erklärt die Polizei in Schulen mit vielen Fahranfängern wie den Schülern von der Geschwister-Scholl-Schule in Beurig. 120 von ihnen konnten am Fahrsimulator üben, sahen ein beeindruckendes Video und fühlten sich mit einer sogenannten Rauschbrille, als seien sie betrunken.

Saarburg. "Da sieht man ja kaum was. Das ist mir echt eine Warnung", stellt Martin Hennen fest, als er die Rauschbrille absetzt, die eine Sehkraft simuliert, über die man verfügt, wenn man 0,8 Promille Alkohol im Blut hat. Der 17-Jährige ist Schüler an der Berufsbildenden Schule (BBS) in Saarburg. Die Jugendlichen bekamen am Dienstag Besuch von der Polizei. Die Beamten unter der Leitung des Verkehrsschutzbeauftragten der Polizeiinspektion Saarburg, Wolfgang Hein, klärten über die Gefahren von zu hoher Geschwindigkeit sowie Drogen und Alkohol am Steuer auf.
Für den Verkehrsobmann der Schule, Holger Härtel, steht wie für die Polizei die Prävention an oberster Stelle. "Welcher Lehrer geht schon gerne zur Beerdigung eines Schülers?", fragt Härtel. Gerade in dieser Schule seien in der Altersgruppe von 17 bis 20 Jahren besonders viele Fahranfänger in den Klassen. In der jüngsten Vergangenheit sind keine Schüler der BBS von schweren Unfällen betroffen gewesen. "Vor vielen Jahren ist ein Schüler zu Tode gekommen. Seitdem ist glücklicherweise nichts Gravierendes mehr passiert", sagt Schulleiter Gerhard Faß.
120 Schüler nutzten nun das Angebot der Polizei. Die Beamten hatten einen Fahrsimulator im Gepäck, den sie so programmieren können, dass der Fahrer auf eine Trunkenheitsfahrt mit bis zu 1,6 Promille im Blut gehen kann. Svenja Lehmann (19) aus Saarburg ist diese Erfahrung eine Lehre. Sie rät ihren Schulkollegen: "Leute, bloß nichts trinken, wenn ihr euch ans Steuer setzt."
Neben den Rauschbrillen und dem Fahrsimulator hatten die Beamten noch ein Video dabei. "Darin erzählen Betroffene, die Angehörige verloren haben oder selbst Unfälle verursachten, was das für sie bedeutet", erklärt Wolfgang Hein.
Seit 1997 arbeiten Polizei und Schule in Sachen Unfallprävention zusammen. In den vergangenen Jahren habe er einen Trend festgestellt, sagt Härtel: "Wenn unsere Schüler von der Polizei erwischt werden, sind sie keine Helden mehr. Sie handeln sich den Spott der Mitschüler ein." Das treffe oft härter als Geldbußen und Punkte in Flensburg.
Am Anfang gilt: null Promille


Polizeioberkommissar Wolfgang Hein hat eine einfache Strategie: "Wir wollen die Vernünftigen erreichen, damit diese die Unbelehrbaren positiv beeinflussen." Immerhin 86 Prozent der Fahranfänger hätten keine Punkte auf dem Flensburger Konto gesammelt. In den ersten beiden Jahre gilt eine Null-Promille-Grenze.
Heins Kollege Anton Perius sagt: "Ab 1,1 Promille ist die Fahrt eine Straftat." Ab 1,6 Promille gelte ein Fahrer als alkoholabhängig und werde, bevor er den Führerschein wiederbekommt, zur Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) geschickt, die im Volksmund auch Idiotentest genannt wird.
Perius gibt auch zu bedenken: "Wer im Polizeicomputer erst mal gespeichert ist, den spuckt das Gerät bei Kontrollen immer wieder als Verdächtigen aus."
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Der 17-jährige Jason Thayaparan aus Konz findet die Aufklärungsaktion der Polizei gut: "Da erfährt man ganz ohne Gefahr, wo bei der Reaktionszeit die Grenzen sind." Die 17-jährige Natalie Werner aus Konz sagt: "Ich kenne Leute, die sich schon mal betrunken ans Steuer gesetzt haben. Von denen halte ich nicht viel, denn sie gefährden im Straßenverkehr sich und andere." Marina Mayer (16) aus Tawern setzt sich grundsätzlich nicht zu jemandem ins Auto, der Alkohol getrunken hat: "Da fahre ich einfach nicht mit und lasse mich lieber von meinen Eltern abholen." Julian Paulus (17) aus Irsch weiß: "Nach Discobesuchen geben junge Leute mit ihrem Auto schon mal gern an und wollen die Mädels beeindrucken. Wenn da Alkohol dazukommt, ist das ein mulmiges Gefühl." dothExtra

Tendenziell gehen die Unfälle mit Beteiligung von 18- bis 24-Jährigen seit 2003 zurück. Das teilt die Polizei Saarburg mit. 2012 allerdings registrierten die Beamten wieder einen deutlichen Anstieg um 26 auf 262 Unfälle. Dabei wurden 63 Menschen verletzt, darunter 19 schwer (zwei mehr als 2011). Tote waren nicht zu beklagen. Die Polizei registriert während der Karnevalszeit immer wieder Fahrer, die sich mit Alkohol ans Steuer setzen. Das betrifft Jugendliche und ältere Erwachsene gleichermaßen. Deswegen wird die Polizei in der Fastnachtszeit öfter kontrollieren. "Ein Fahrer sollte nüchtern bleiben, um seine Freunde nach der Feier nach Hause zu bringen. Man sollte sich nicht von Angetrunkenen heimbringen lassen", sagt der Verkehrssicherheitsberater der Polizei, Wolfgang Hein. Fahrer, die an der Aktion "Bob - Nüchtern ist cool" teilnehmen, bekommen zudem alkoholfreie Getränke günstiger oder gratis. Der TV ist Medienpartner der Verkehrssicherheitskampagne.doth/thieExtra

Was passieren kann, wenn Autofahrer sich trotz Alkoholkonsums hinters Steuer setzen, zeigt der Unfall auf der L 138, bei dem am Mittwochabend zwei Menschen verletzt worden sind (der TV berichtete). Der 43-jährige Fahrer musste von der Feuerwehr aus dem Auto, das sich überschlagen hatte, befreit werden und wurde mit schweren Verletzungen in ein Trierer Krankenhaus gebracht. Da er Alkohol getrunken hatte, wurde gegen ihn ein Strafverfahren eingeleitet. Sein Beifahrer, ein 18-Jähriger, erlitt leichte Verletzungen. red Die Polizei Saarburg sucht Zeugen. Hinweise unter Telefon 06581/9155-0.

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