Kein Fall für Adam Riese

Wie schön wäre es, wenn die Politik einfach mit dem Rechenschieber operieren könnte! Nach dem Prinzip: 5000 Quadratmeter Verkaufsflächen-Bedarf minus 2000 Quadratmeter Leerstände ergibt Neubauten von 3000 Quadratmetern.

Wie schön wäre es, wenn die Politik einfach mit dem Rechenschieber operieren könnte! Nach dem Prinzip: 5000 Quadratmeter Verkaufsflächen-Bedarf minus 2000 Quadratmeter Leerstände ergibt Neubauten von 3000 Quadratmetern.Leider ist das schöne Rechenexempel zu einfach. Denn selbst wenn sie es selber beklagen: Viele, vor allem junge Kunden, wollen nicht mehr von Laden zu Laden laufen, sondern im Supermarkt aus einem möglichst reichhaltigen Angebot auswählen und dazu noch ein bisschen im Sortiment stöbern - konsumieren macht nun mal Spaß. Dass sie die kleinen Läden links liegen lassen, mag man, je nach Position, als problematisch, verderblich oder als marktgerecht und fortschrittlich ansehen, aber es ist nun einmal so. Und in einer freien Gesellschaft wird jede Politik versagen, die versucht, Konsumentenströme zu steuern oder sonstwie zu beeinflussen.

Das Problem der Leerstände ist damit allerdings nicht gelöst, und da fängt die Aufgabe der Politik an. Die alte, städtebaupolitisch erwünschte Durchmischung von Wohn-, Arbeits- und Geschäftswelt ist in Konz nämlich schon längst verloren gegangen. Oben in Roscheid hat sich eine Schlafstadt etabliert, deren Bewohner sich meist nach Trier orientieren, in Karthaus mehren sich die Sozialfälle, und im Zentrum dominieren die Geschäfte. Da verstärken Leerstände die allgemeine Unwirtlichkeit mit der Folge, dass noch mehr Wohlhabende ins Umland flüchten.

Fazit: Die maßvolle Ausweisung neuer Verkaufsflächen vor den Toren zu verhindern, ist nicht möglich und noch nicht einmal wünschenswert. Der Stadt angesichts des Ladensterbens ein neues Aussehen zu geben und den leer stehenden Läden eine andere Funktion, muss dagegen vordringliche Aufgabe der Politik werden. Leerstände über eine Agentur zu vermarkten, kann dazu ein Schritt sein. Allerdings nur ein erster.

m.moeller@volksfreund .de