Kein Frieden rund um die Kirche

KONZ-KÖNEN. Der Frieden im rund 2300 Einwohner-Stadtteil Könen ist derzeit leicht gestört: Eine im Kirchturm installierte Mobilfunkanlage sowie zwei weitere Antennen am benachbarten Privathaus erhitzen einige Gemüter. Zu einem Info-Abend hatte deshalb der Pfarrverwaltungs-Rat am Dienstagabend ins Jugendheim eingeladen.

"Wir möchten heute Abend versuchen, Sie mit Informationen zu versorgen und Vorbehalte und Ängste gegenüber der installierten Anlage abzubauen", eröffnete Gerd Baumann, stellvertretender Vorsitzender des Pfarr-Verwaltungs-Rates, die öffentliche Veranstaltung. Ortsvorsteher Peter Wincheringer, der neben Pfarrer Christoph Bretz sowie Karl-Michael Kopp von der Bauaufsicht Konz und zwei Referenten des Betreibers e-plus auf dem Podium Platz genommen hatte, stellte schmunzelnd fest: "Ich sitze zwar hier vorne, fühle mich aber keineswegs auf die Anklagebank verbannt."Eingeladen hatten Baumann und seine "Kirchen-Kollegen", nachdem sich vor wenigen Wochen aus den Reihen der Anwohner eine Bürgerinitiative (BI) gegründet hat, die sich gegen die im Turm installierte Anlage sowie vor allem auch gegen die zwei Antennen auf dem Dach des benachbarten Wohnhauses wehrt. Letztere waren während des Info-Abends der Kirche freilich kein Thema.Gerd Baumann schilderte den gerade mal 20 Besuchern das Procedere. So sei die Initiative von e-plus ausgegangen. Das Unternehmen hatte Anfang November 2001 eine Anfrage an die Kirchengemeinde gerichtet. "Ein übliches Verfahren", kommentierte e-plus-Mitarbeiter Volkmar Albrecht. "Wir suchen bundesweit permanent nach geeigneten Standorten." Erst ein Jahr später habe der Netzanbieter wieder mit den Könenern Kontakt aufgenommen. Der Pfarr-Verwaltungsrat, dessen Mitglieder sich zwischenzeitlich mehrheitlich für die Installation entschieden hatten, leitete daraufhin die Anfrage an die zuständige Rechtsabteilung des Generalvikariats weiter. "Im August 2003 kam von dort die endgültige Zusage", so Baumann.Am 20. Oktober vergangenen Jahres sei die Anlage in Betrieb genommen worden. Rund 4600 Euro mehr pro Jahr sind der Kirchengemeinde durch die Pacht mittelfristig sicher: Der Vertrag läuft auf zehn Jahre.Karl-Michael Kopp von der Bauaufsicht Konz erläuterte, dass für Anlagen dieser Größenordnung (die unter zehn Meter Höhe bleiben) keine baurechtliche Genehmigung erforderlich sei. Auch Ortsvorsteher und Pfarr-Verwaltungsrat-Mitglied Wincheringer betonte, dass zur Einrichtung der Anlage "alle gesetzlichen Regelungen eingehalten worden sind". "Eben weil alles nach den bestehenden Vorschriften gelaufen ist, haben wir auch nicht in Erwägung gezogen, im Vorfeld einen solchen Info-Abend anzubieten", beantwortete Gerd Baumann eine Nachfrage aus der Zuhörerschaft. "Wir haben nicht damit gerechnet, dass sich ein solcher Widerstand bildet, möchten gesundheitliche Bedenken aber nicht einfach vom Tisch wischen."Keineswegs beruhigt

Sehr ins technische Detail und damit auch auf die Grenzwert-Diskussion ging e-plus Mitarbeiter Albrecht ein. So sei die Sendeleistung nicht so hoch, als dass sie an den bundesweit geltenden Grenzwert von 59 Volt pro Meter stoße. Bei 28 Watt maximal liege die Leistung. Zum Vergleich: Rundfunkanlagen erbringen mehrere 1000 Watt.Den Biologen Detlef Müller-Greis, Mitbegründer der BI, beruhigte dies indes nicht. Im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund stellte er klar: "Wir sind nicht grundsätzlich gegen Mobilfunkanlagen. Die Frage ist jedoch, wo sie aufgestellt werden." Statt inmitten eines Wohngebietes sähe die BI die Antennen lieber an der Ortsrandlage. Vor allem die räumliche Nähe zu Grundschule (rund 180 Meter vom Turm entfernt) und Kindergarten (rund 210 Meter entfernt) stößt Familienvätern wie Müller-Greis oder seinem Mitstreiter Werner Kiefer auf.Müller-Greis: "Als Biologe weiß ich, dass es etwas anderes ist, ob Erwachsene oder Kinder einer solchen Strahlenbelastung ausgesetzt sind. Wir haben in Könen im Umkreis von 30 Metern mit der Anlage im Turm und den beiden Antennen auf dem Privathaus von Dr. Martin Weber eine geballte Belastung, die wir so nicht hinnehmen möchten." Aus diesem Grund hat die BI gleich nach der Installation eine Unterschriften-Aktion zur Kirche gestartet. "Von 51 Befragten haben 50 unterschrieben", berichtet Kiefer. Auch wenn die BI weiß, juristisch nichts gegen die Anlagen ausrichten zu können, macht sie nach ihrer Flugblatt-Aktion weiter mobil: Am Montag, 19. Januar, 19 Uhr, lädt sie zu einem Info-Abend ins Gasthaus Greif-Deutschen ein. Mathias Engelbrecht, Umweltbeauftragter des Dekanates Alzey, wird referieren .