"Kein Ikebana auf dem Teller"

SAARBURG. Einst Gastwirtschaft, in der die Bauern aus der Umgebung ihre Lyoner gegessen und ihr Bier getrunken haben, hat sich der "Saarburger Hof" in Saarburg längst zur Adresse entwickelt, die in Feinschmeckerführern auftaucht. Am Wochenende feiert der Betrieb 100-jähriges Bestehen – gemeinsam mit der Stadt Saarburg, die den 100. Geburtstag des Rathauses feiert.

Am 1. Oktober 1906 legte Nikolaus Diewald, Urgroßvater des heutigen Inhabers, den Grundstein für den "Saarburger Hof". Für beachtliche 60 000 Goldmark kaufte der aus dem bergischen Gummersbach stammende Mann das Gasthaus am Fruchtmarkt. Das war bis zu diesem Zeitpunkt in den Händen der Saarburger Familie Reitemeyer und trug den Namen "Gasthaus Emmerich". Gasthaus und Bierverlag erworben

Mit dem Kauf hatte Nikolaus Diewald gewissermaßen zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Nicht allein das Wirtshaus war Bestandteil des Kaufvertrags, sondern darüber hinaus hatte die Familie auch den Bierverlag der Eichbaum-Werger Brauerei Worms erworben. Dementsprechend sei auch die Kundschaft im "Bürgerlichen Gasthaus Diewald", so der neue Name, gewesen, erzählt der heutige Inhaber Klaus Diewald. "Im Umkreis von 100 Metern gab es damals fünf Gastwirtschaften, die wir alle mit Bier beliefert haben. Das Verhältnis unter den Wirten muss sehr gut gewesen sein, man hat sich gegenseitig besucht und unterstützt." Dennoch sei klar gewesen: "Das damalige Aushängeschild für Saarburg war das ,Hotel zur Post'. Dort stiegen die feinen Leute ab. Bei uns waren deren Chauffeure, die Kutscher und Bauern, aßen ihre Lyoner und tranken ihr Bier." 1928 machte das Haus einen größeren Schritt in Richtung Weiterentwicklung. Aus dem bisherigen Festsaal, den nach Auskunft Diewalds damals alle Gastwirtschaften hatten, wurden fünf Fremdenzimmer - es ging stetig bergauf. Einen Rückschlag erlitt die Familie - wie so viele andere auch - während der Kriegsjahre. 1943 sei die Familie nach Hamburg evakuiert worden, kehrte erst 1948 zurück nach Saarburg. "Die Franzosen hatten unser Haus annektiert", berichtet Diewald. 1955 schließlich eröffnete die Familie unter der Regie des Großvaters den Restaurant-Trakt, der sich bis heute als - von einer einfacher ausgelegten Gaststube - abgetrennter Bereich gehalten hat. Klaus Diewalds Vater hingegen war für die Erweiterung des Hotelbetriebs verantwortlich: Zehn Zimmer zählte das Haus 1961. Dabei gibt der damalige Preis Anlass zum Schmunzeln: 1963 zahlten Übernachtungsgäste 6,50 Mark für ihr Zimmer. Mit Klaus Diewald, dem "Junior", wechselte 1990 die vierte Generation in die Führung des Familienunternehmens. Vor dem Einstieg in das elterliche Unternehmen schaute der heute 44 Jahre alte Saarburger über den heimischen Tellerrand hinaus und sammelte nach seiner Koch-Lehre im Trierer "Holiday Inn" Erfahrungen an einigen Herden renommierter Küchen. Mit seiner letzten Station vor der endgültigen Rückkehr nach Saarburg (1984) bei Eckart Witzigmann in München erfüllte sich der dreifache Vater einen Kindheitstraum, wie er erzählt. "Das hatte ich irgendwie von klein auf in der Nase", sagt Diewald. Genau wie das Koch-Handwerk, das er neben zwei weiteren Köchen nach wie vor "höchstselbst" in seiner Küche ausübt. "Wir sind unserem traditionellen Koch-Stil treu geblieben. Ich mag kein Ikebana auf dem Teller." Eine bodenständige Küche möchte er bieten, "gut zubereitet, mit regionalen Produkten und Gerichten, die mit den regionalen Weinen harmonieren". Honoriert wird dieses Bemühen - sowie der von Ehefrau Eli geleitete Service - mit Einträgen in Feinschmecker-"Bibeln" wie dem "Schlemmeratlas" und dem "Varta"-Führer. Dass der "Saarburger Hof" vor einigen Jahren aus dem "Gault Millau" herausgeflogen ist, schmerze heute nicht mehr. "Wir haben uns eben mit unserem Küchen-Stil nicht den aktuellen Trends angepasst, sondern sind der traditionellen Richtung treu geblieben." Ohnehin gilt für Diewald: "Die wichtigste Resonanz gibt einem der tägliche Gast." Von Freitag, 20. Oktober, bis Sonntag, 22. Oktober, feiern "Saarburger Hof" und das Rathaus auf dem Fruchtmarkt ihr 100-Jähriges. Los geht es am Freitag, 19 Uhr, mit Live-Musik von "Applepie".