Kein Interesse mehr

KONZ. Jahrelang stritten sich Stadtrat, Bürgerinitiative und Bauherren um einen Bebauungsplan auf dem Berendsborn. Seit gut einem Jahr gibt es einen - aber den Bauherren ist die Lust am Bauen vergangen.

"Was lange währt, wird vielleicht gut" könnte in Abwandlung des Sprichwortes die Überschrift über dem Kapitel "Bebauung im Schwalbennest" lauten. Über Jahre hinweg stritten sich Stadtratsfraktionen, Bürgerinitiative und Bauinteressenten über die Bebauung des Geländes auf dem Konzer Berendsborn. Zwar entstehen in der Wiltinger Straße jetzt fünf neue Häuser. Die Bebauung zweier Grundstücke in der Straße "Am Berendsborn" scheint allerdings ad acta gelegt worden zu sein, weil die Grundstückseigentümer "keine Lust mehr haben zu bauen". Zur Erinnerung: 1998 erwarb der Konzer Architekt Rudolf Trierweiler das Grundstück der ehemaligen Gärtnerei Faber, um gemeinsam mit einem benachbarten Grundstückseigentümer mehrere Ein- und Mehrfamilienhäuser zu errichten. Die Bebauung war im Stadtrat höchst umstritten. Eine Bürgerinitiative legte 600 Unterschriften gegen die Bebauung der "ökologisch wertvollen grünen Lunge" vor. Nach jahrelangen Verhandlungen, Rechtsgutachten und klimatologischen Expertisen beschloss der Stadtrat einen Bebauungsplan, der auf dem ehemaligen Grundstück Faber und dem darunter liegenden Grundstück insgesamt drei Reihenhäuser und fünf weitere Baustellen für Doppel- oder Einzelhäuser sowie eine Erschließungsstraße vorsieht. Wer dachte, der ansonsten so umtriebige Architekt würde sogleich mit dem Bauen beginnen, täuschte sich gewaltig. Bisher geschah nichts. Das Grundstück der ehemaligen Gärtnerei Faber macht mittlerweile einen recht heruntergekommenen Eindruck. Wo ehedem ein gepflegter Rasen und fein säuberlich bepflanzte Blumenbeete waren, wuchert heute meterhohes Unkraut. Ein mit Bauabfall gefüllter Container steht halboffen in der Garageneinfahrt, dahinter liegen Holz und Müll. Von den Gewächshäusern im hinteren Teil des Grundstückes stehen nur noch die Eisengerippe. Die Glasscheiben sind zerschlagen. Der Eingang zum Wohnhaus ist von stacheligen Hecken versperrt. Das Glas der Eingangstüre fehlt, kaputte Rollläden baumeln im Wind. Architekt Rudolf Trierweiler hat "ganz wenig Lust, in Konz noch etwas zu machen". Nachdem er mit Bürgermeister Manns und Vertretern der Verwaltung sein ursprüngliches Bauvorhaben besprochen habe, hätten die Herren zugestimmt. Daraufhin habe er für 600 000 Mark das Gärtnereigrundstück gekauft. "Für mich war nach diesen Gesprächen alles klar", sagt Rudolf Trierweiler im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund . "Als das Bauvorhaben zur Genehmigung anstand, galten die vorher gemachten Zusagen plötzlich nicht mehr. Es ist eine Frechheit, wie hier mit mir verfahren wurde." Jetzt will er das rund 3500 Quadratmeter große Gelände liegen lassen und "vielleicht im nächsten Jahr verkaufen". Bürgermeister Winfried Manns ist erstaunt ob dieser Wendung im Kapitel "Bebauung Schwalbennest". "Es liegt ein gültiger Bebauungsplan vor, nach dem die Grundstücke bebaut werden können", sagt der Verwaltungschef. Eine Zusage zum ursprünglichen Bauvorhaben des Architekten habe es nicht gegeben. Manns: "In dem Gespräch wurde lediglich gesagt, dass die vorgeschlagene Bebauung aus unserer Sicht machbar sei. Sie ist auch so in den Stadtrat eingebracht worden, wie Herr Trierweiler es wollte." Der Stadtrat habe dies aber mehrheitlich abgelehnt und eine reduzierte Bebauung beschlossen. Die reicht Rudolf Trierweiler jetzt offenbar nicht mehr aus. Er hat jedenfalls "kein Interesse mehr" zu bauen. Da Architekt Trierweiler und sein Grundstücknachbar unter anderem wegen der Erschließungsstraße auf gegenseitiges Einvernehmen angewiesen sind, dürften auch auf dem Nachbargrundstück bis auf weiteres keine Baumaschinen anrollen. Somit dürfte der "Schandfleck für den Berendsborn", wie eine Passantin die Grundstücke nennt, auch in nächster Zeit den ansonsten ansehnlichen Eindruck des Wohngebiets stören.