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Kein moralischer Zeigefinger, sondern Spaß am Spiel

Kein moralischer Zeigefinger, sondern Spaß am Spiel

WILTINGEN. Kinder und Erwachsene aufgepasst: Wie schön Märchentheater sein kann, ist derzeit in Wiltingen zu sehen: Die "kleine bühne" führt die Gebrüder-Grimm-Geschichte vom "Froschkönig" als Weihnachtsstück auf.

Ein junges Fräulein beißt noch einmal in ihr Wiener Würstchen, nimmt dann einen kräftigen Schluck aus der Limoflasche, deponiert beides bei der Mama und verschwindet in den Theatersaal. Denn es heißt: "Schnell hinsetzen. Es geht los." Auf einmal ist alles mucksmäuschenstill. Der Vorhang öffnet sich. Es zischt und blitzt. Ein altes Kräuterweib (Christina Feilen) sitzt am Lagerfeuer und beginnt zu zaubern. Flehende Mama-Rufe sind vereinzelt zu hören, die aber schnell verstummen, als wenig später der Froschkönig (Iris Seer/Stefan Weber) und Schnüffelchen (Patrizia Kohl), ein Hase, mit den Kindern sprechen. Beide singen sogar ein Lied mit den Kleinen. Es bleibt bei der einen etwas schummrigen Szene. Die Wiltinger Laiendarsteller legen sich stets mächtig ins Zeug, spielen nicht nur einmal, sondern geben insgesamt sechs Vorstellungen zum Besten. Eine Mammut-Angelegenheit, die bedeutet, dass am Schluss mehr als 2000 Zuschauer das Stück im Bürgerhaus gesehen haben. Die Nachfrage zieht weite Kreise in den gesamten Kreis Trier-Saarburg und nach Trier. Mittlerweile ist die Bühne hell erleuchtet. Küchenmeister Pumpernickel (Johannes Selders) und Küchenjunge Brutzel (Matthias Ring) hantieren an dem schön gedeckten Tisch. Alle sind gekommen, um mit König Waldemar (Rainer Jakobs) fein zu speisen. Prinzessin Iris (Daniela Plunien) braust auf, als der Froschkönig um Einlass bittet. Vorhin noch hat er ihren Ball aus dem Brunnen geholt, und nun möchte er das Versprechen der Prinzessin einlösen. Die schöne Prinzessin jedoch ziert sich. Igittegitt. Mit dem klitschigen Frosch möchte das Königskind nichts zu tun haben. Dabei hatte sie versprochen, dass er neben ihr am Tischlein sitzen, von ihrem gold'nen Tellerlein essen, aus ihrem Becherlein trinken und in ihrem Bettlein schlafen könne. Der König zornig: "Was du versprochen hast, musst du auch halten." Widerwillig nimmt sie den Froschkönig mit. Alles wird gut, als der verzauberte Frosch in einen schönen Prinzen zurückverwandelt wird. Da ist auch die Prinzessin glücklich, und alles endet wie immer beim Wiltinger Weihnachtsmärchen an Weihnachten. Auch die Schauspieler (Claudia Bepperling, Helmut Kramp, Jutta Dallevedove, Hanne Ring, Christoph Schmitz) auf der Bühne waren froh, dass alles prima geklappt hatte. Also kamen sie zu den Kindern und sangen mit ihnen "Alle Jahre wieder…." "Mit dem Stück geht es uns nicht um den pädagogischen Zeigefinger. Der bleibt versteckt. Wir wollen vielmehr, dass die Kinder Spaß haben", betont Hermann Kramp. Der Hofmarschall Redeschnell (Lothar Rommelfanger) ist so einer, über den die Kinder lachen müssen. Rommelfanger, im "Nebenamt" Wiltinger Ortsbürgermeister, spielt gerne für die Kinder - wie die übrigen Darsteller auch. Seine "Schauspielkarriere" begann vor 14 Jahren. "Keine Vorstellung ist wie die andere", sagt begeistert Iris Seer: "Die Kinder reagieren sehr spontan." Luisa Grüger (11) durfte als Statist mitwirken und will später eine große Rolle spielen - wie Stefan Weber als Prinz Eberhard. Ein Stab von Helferinnen und Helfern, angefangen von Guido Blau bis Monika Weber, kümmerte sich um Maske und Technik. Weitere Aufführungen: Freitag, Samstag und Sonntag, 10., 11., 12. Dezember. Beginn 16.30 Uhr, Freitag 18 Uhr.