Kein Personal für dringende Sanierungen

Kein Personal für dringende Sanierungen

Obwohl Geld vorhanden wäre, kann die Verbandsgemeinde (VG) Konz die Wohnungen in ihrem Besitz nicht sanieren. Der Grund ist Personalmangel im Rathaus. Der VG-Rat hat bei seiner Haushaltssitzung das ursprünglich für die Sanierung vorgesehene Geld umgewidmet, um die Ortsgemeinden und die Stadt Konz zu entlasten.

Konz. Die kommunalen Gebäude in der Verbandsgemeinde Konz sind zum Teil in schlechtem Zustand. Darunter sind auch Wohnhäuser mit günstigen Mietwohnungen, die saniert werden müssten. Für die neun Wohnhäuser der VG (25 Wohnungen) und zehn Gebäude der Stadt Konz (46 Wohnungen) gibt es im Rathaus auch ein Sanierungskonzept ("Konz und seine Sanierungsfälle", TV vom 8. September 2016). Umgesetzt wird es wahrscheinlich auch 2017 nicht. Der Verbandsgemeinderat hat 230 000 Euro aus dem aktuellen Haushalt der VG gestrichen, den das Gremium bei seiner Sitzung am Dienstagabend mehrheitlich verabschiedet hat.

Zu wenig Mitarbeiter: Dabei waren laut dem Konzer Bürgermeister Karl-Heinz Frieden in dem ersten Haushaltsentwurf rund 700 000 Euro für die Sanierung verbandsgemeindeeigener Wohnungen eingeplant. Im Lauf der Haushaltsberatungen sei jedoch klar geworden, dass ohnehin noch 570 000 Euro aus dem Vorjahr übrig seien. Das Verbauen von so viel Geld in einem Jahr auf verschiedenen Baustellen sei bei der "augenblicklichen Personaldecke im Gebäudemanagement selbst bei voller Motivation und ständigen Überstunden der dort arbeitenden Mitarbeiter nicht zu schultern", begründet Frieden die Entscheidung gegen den Haushaltsposten für die Sanierung der Wohnungen. Konkret meint Frieden: Zurzeit sind nur drei von vier Stellen in der fürs Gebäudemanagement zuständigen Abteilung besetzt. Eine Neubesetzung ist laut der Verwaltung angesichts guter Aussichten für Bauingenieure und Architekten in der freien Wirtschaft nicht gerade einfach.
Schaffung einer Stelle abgelehnt: Wegen der Personalprobleme will die Verwaltung eigentlich eine neue Stelle fürs Gebäudemanagement schaffen. Eine Mehrheit findet der Vorschlag im VG-Rat nicht. 18 Gegner aus CDU und FWG überstimmen am Dienstag elf Befürworter der anderen Fraktionen. Vier Ratsmitglieder enthalten sich. CDU-Fraktionssprecher Josef Weirich plädiert dafür, die Sanierung der VG-eigenen Gebäude mit Ausschreibungen und Vergabe an freie Büros voranzutreiben: "Da diese Arbeiten nur über einen mittelfristigen Zeitraum von zwei oder drei Jahren anstehen, wäre darüber hinaus eine dauerhafte Einstellung eines neuen Mitarbeiters personalpolitisch wenig sinnvoll", argumentiert er.

Wo das Ersparte hinfließt: Von den eingesparten 230 000 Euro im Haushalt profitieren die Ortsgemeinden und die Stadt Konz. Sie müssen weniger Abgaben an die VG zahlen, weil der Rat die Umlage um einen Prozentpunkt gesenkt hat. Der Stadt Konz stehen 2017 somit 139 122 Euro mehr als erwartet zur Verfügung, der kleinsten Ortsgemeinde Onsdorf immerhin 1032 Euro mehr. Insgesamt wurde die Umlage in den vergangenen beiden Haushaltsjahren um sechs Prozentpunkte gesenkt. Auch im vergangenen Jahr ist der ursprünglich für die Sanierung VG-eigener Gebäude gedachte Haushaltsposten zusammengestrichen worden (der TV berichtete).

Die großen Investitionen: Am meisten Geld fließt in diesem Jahr in Schulen (425 600 Euro), Brandschutz (645 000 Euro), Landschaftspflege (637 000 Euro) und Sportförderung (319 500 Euro). Davon profitieren die Grundschulen in Wasserliesch (neuer Dachaufbau, energetische Sanierung), Pellingen (neuer Klassenraum), Nittel (Einrichtung einer Ganztagsschule) und Wiltingen (Einrichtungsgegenstände). Zudem bekommen die Feuerwehren in Nittel und Pellingen neue Fahrzeuge, die Konzer Wehr erhält ebenfalls neue Ausrüstung. Bäche werden in Konz, Könen, Tawern und Wasserliesch renaturiert. 252 000 Euro kostet ein neues Multifunktionsspielfeld, das im Jeuchental entstehen soll.

Schulden: Um die geplanten Projekte zu finanzieren, nimmt die Verbandsgemeinde voraussichtlich netto 813 570 Euro an Krediten auf. Somit steigt der Gesamtschuldenstand der VG auf 15,2 Millionen Euro. cmk
Meinung

Auslagern statt selber machen
Der öffentliche Dienst konkurriert bei der Suche nach gutem Personal mit der Privatwirtschaft. Das Problem in der Region Trier ist, dass sich die Verwaltungen nicht nur auf dem deutschen Arbeitsmarkt durchsetzen müssen. Die Fachkräfte streben wegen der hohen Netto-Gehälter auch nach Luxemburg - so auch ein Mitarbeiter des Gebäudemanagements im Konzer Rathaus. Die Stelle ist seitdem unbesetzt, ein Nachfolger wird händeringend gesucht. Dem Mitarbeiter kann man das nicht verübeln, die Verwaltungen und Räte müssen aber kreativ gegensteuern. Löhne können sie nicht einfach erhöhen. Sie müssen deshalb über Ausschreibungen Planungsaufgaben aus der Verwaltung ausgliedern. Freie Büros könnten als Planer in die Bresche springen, um Sanierung VG-eigener Wohnungen konkret zu planen und umzusetzen. c.kremer@volksfreund.de

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