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"Keine Anzeichen für Fremdverschulden"

"Keine Anzeichen für Fremdverschulden"

Wie konnte es zum Absturz im Keller Hochseilgarten kommen, bei dem am Mittwoch ein 13-jähriges Mädchen schwer verletzt wurde? Die Frage nach der Unglücksursache stand gestern im Mittelpunkt der Ermittlungen. Die Polizei sieht im Moment "keine Anzeichen für Fremdverschulden". Der Betreiber beteuert: "Unsere Anlage ist sicher. Wir haben keinen Fehler gemacht."

Kell am See. Für viele ist es unbegreiflich: Aus acht Metern Höhe stürzt am Mittwoch eine 13-Jährige im Keller Hochseilgarten in die Tiefe, schlägt auf dem Boden auf und wird schwer verletzt (der Trierische Volksfreund berichtete). Doch welche Gründe haben zu diesem folgenschweren Unfall geführt?Ortsbürgermeister Lehnen: ein "tragischer Unglücksfall"

Siegfried Agostini, Leiter der Polizeiinspektion Hermeskeil, kann am Donnerstag die ersten Erkenntnisse der Beamten direkt nach dem Unglück bestätigen: "Das Mädchen war beim Sturz nicht abgesichert." Nach Aussage ihrer Freundin habe das Unfallopfer allerdings selbst auf einer der Ausgangsplattformen, die an den Bäumen angebracht sind, die Karabinerhaken für die beiden Sicherungsseile abgeschnallt, mit denen die Kletterer auf dem Parcours unterwegs sind. Entgegen der ersten Annahme ist die 13-Jährige auch nicht beim Balancieren über ein Seil ins Leere getreten, sondern von einer der Plattformen gestürzt. Wie es genau dazu kommen konnte, sei aber noch offen. "Wir stehen noch am Anfang der Ermittlungen. Noch haben wir den Fall nicht an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Im Moment gibt es aber keine Anzeichen dafür, dass es ein Fremdverschulden gegeben hat", sagt Agostini dem TV."Dieser Unfall macht uns sehr betroffen", erklärt Peter Goerke. Der Chef der Firma "Natur & Freizeit", die den Hochseilgarten betreibt, versichert, dass die 13-Jährige und ihre Freundin erst nach der Einweisung durch einen Trainer - den Vater der Freundin - nach oben auf die Plattform gegangen sind. Goerke weist ausdrücklich darauf hin, dass die Anlage vor der Eröffnung vom Tüv abgenommen wurde und ein Sicherheitssystem aufweise, "das sich bewährt hat und das es in fast allen Hochseilgärten gibt". Die Besucher lernen demnach bei der Einweisung, wie sie sich im Kletterpark verhalten müssen. "Im Parcours müssen sich die Teilnehmer danach selbstständig ein- und umhaken können", sagt er weiter. Um im hohen Bereich klettern zu können, gebe es eine Altersbegrenzung. "Wir lassen dorthin nur Kinder ab elf Jahre rauf", betont Goerke. Er beteuert, dass seine ausgebildeten Trainer keinen Fehler gemacht oder Sicherheits-Vorschriften missachtet hätten. "Wir müssen davon ausgehen, dass die Leute nach der Einweisung ihre Übungen oben im Parcours ohne Kontrollperson absolvieren können. Dass jemand beide Sicherungsseile aushängt, ist ein Fall, den wir nicht wünschen. Dies lässt sich aber nicht verhindern, wenn der oder die Kletterer leichtsinnig werden oder sich nicht an die Einweisungs-Regeln halten", sagt Goerke, der seit 2004 einen ähnlichen Parcours auch in Baumholder betreibt. Als erste Konsequenz aus dem Unglück werde man aber auf dem Waldboden eine zusätzliche Schicht Rindenmulch aufbringen, die bei eventuellen Stürzen die Wucht des Aufpralls abdämpft. "Außerdem werden wir bei der Einweisung noch intensiver vorgehen", kündigt Goerke an. Ortsbürgermeister Markus Lehnen spricht von einem "tragischen Unglücksfall" im Hochseilgarten, der als neues Freizeitangebot in Kell bisher "sehr gut angelaufen ist und von den Besuchern stark frequentiert wird". Nach seinem Kenntnisstand sei das Geschehen aber wohl nicht auf "ein Fehlverhalten des Betreibers, sondern auf einen sehr bedauerlichen individuellen Fehler zurückzuführen".Gleichwohl haben die Bauabteilung der Kreisverwaltung und das Gewerbeaufsichtsamt am Donnerstag die Anlage im "Arensbruch" ncch einmal überprüft. Das Ergebnis dieser Kontrolle liegt inzwischen vor: "Es konnten keine baulichen Mängel oder Veränderungen festgestellt werden. Die Anlage wurde im Herbst 2007 fertiggestellt und alle erforderlichen Abnahmen durch Sachverständige durchgeführt. Auch durch die Vertreter der Gewerbeaufsicht konnten keine sicherheitstechnischen Mängel festgestellt werden", teilt Kreis-Pressesprecher Thomas Müller dem TV mit.