Keine Chance für Rebläuse

KONZ-KRETTNACH. Brach liegende Weinbergsparzellen - so genannte Drieschen - innerhalb bewirtschafteter Rebflächen sind vielen Winzern ein Dorn im Auge. In einer Pilot-Aktion wollen sich Winzer und Grundstückbesitzer im Tälchen um die Rodung dieser Flächen kümmern.

"Eine super Sache", freute sich der Ortsvorsteher des Konzer Tälchens, Dieter Klever,, nach einer Versammlung von Grundstücksbesitzern, deren Flächen innerhalb von Weinbergen liegen. Soeben hatten die gut 70 Anwesenden einstimmig beschlossen, sich zukünftig gemeinsam um die Rodung und Pflege der Brachflächen zu kümmern. Dem Beschluss war die ultimative Aufforderung der Landwirtschaftskammer (LWK) vorangegangen, die Drieschen zu roden.Bei Brachen wird Roden bald Pflicht

Die Brachflächen sind den Winzern seit langem ein Dorn im Auge. Wilde Hecken verunstalten die Landschaft, die Parzellen werden teilweise als Müllkippen missbraucht. Zudem bildet sich in den Drieschen die für Rebanlagen gefährliche Schwarzfäule, und Rebläuse finden hier ideale Bedingungen. "Drieschen passen nicht in das Bild eines gepflegten Ortes. Wir wollen eine Kulturlandschaft und keine Wildlandschaft", brachte es Dieter Klever auf den Punkt, der gemeinsam mit Bürgermeister Winfried Manns und dem Bauern- und Winzerverband zu der Informationsveranstaltung eingeladen hatte. Zwar gibt es seit 1997 eine Landesverordnung zum Schutz bewirtschafteter Rebflächen. Danach müssen Besitzer von "Rebflächen, auf denen innerhalb zweier aufeinanderfolgender Kalenderjahre die ordnungsgemäße Bewirtschaftung unterblieben ist", diese Flächen roden. Aber: "Oftmals sind die Grundstückseigentümer nur schwer zu ermitteln oder nicht in der Lage, die hohen Kosten der Rodungsmaßnahmen zu tragen", erläuterte Claus Piedmont vom Weinbauamt der LWK. Aus diesem Grund seien Drieschenbesitzer bisher nur sporadisch zum Roden aufgefordert worden. Kontrollen und Konsequenzen des Nichtbefolgens unterblieben gänzlich. Damit soll jetzt Schluss sein. In den nächsten Tagen werden die Eigentümer ultimativ aufgefordert, ihre Flächen in Ordnung zu bringen. Im Tälchen sind 40 Flurstücke mit einer Gesamtgröße von vier Hektar betroffen. "Sollten diese Flächen bis Februar nicht gerodet worden sein, ergeht eine Rodungsanordnung mit Androhung von Zwangsmaßnahmen", erläuterte Piedmont. "Wenn nach weiteren zwei Wochen immer noch nichts passiert ist, wird ein Gerichtsvollzieher einen Euro pro Quadratmeter Driesche beim Besitzer pfänden, um mit diesem Geld die Rodung vornehmen zu lassen." Um dieser "ultimativen Drohung" zu entgehen, kam aus den Reihen der Winzer ein Vorschlag, der einhellige Zustimmung erfuhr. "Wenn sich die Drieschenbesitzer zusammen tun, wird es für jeden Einzelnen erheblich billiger", erläuterte Winzer Bernhard Faber. Schon für 1600 Euro könne man einen Hektar maschinell roden lassen.Tälchen wird zur Pilotgemeinde

Nach der Rodung sollten sich alle Rebflächenbesitzer zusammenschließen, um die brach liegenden Flächen auch in Zukunft zu pflegen und so Wildwuchs zu verhindern. "Wenn alle mitmachen, könnten wir mit zehn Euro pro Hektar und Jahr die Drieschen sauber halten." Einstimmig nahmen die Veranstaltungsteilnehmer diesen Vorschlag an und verabredeten, dass sich die Wiederaufbaugemeinschaft des Tälchens um die Regularien kümmern soll. Damit dürfte das Tälchen eine "Pilotgemeinde" sein, wie Bürgermeister Winfried Manns formulierte. Denn eine solche Aktion sei in der Region einmalig. "Voraussetzung ist allerdings, dass die Drieschenbesitzer ihre Grundstücke in eigener Verantwortung roden", sagte Klever. Allerdings ist der Ortsvorsteher optimistisch, dass das nach dieser Veranstaltung auch gelingen dürfte.

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