"Keine Gefahr von einstürzenden Stollen"

"Keine Gefahr von einstürzenden Stollen"

Sind die Bauarbeiten am umstrittenen Windpark Judenkopf bei Losheim-Britten ins Stocken geraten, weil sich unter einem der fünf Räder möglicherweise alte Bergwerksstollen befinden? Diese Frage stellt sich für die Gegner des Projekts aus Greimerath. Die Investoren sagen, dass "diese Vermutungen unzutreffend sind" und betonen: "Die Tiefbauarbeiten an den einzelnen Anlagen verlaufen optimal."

Greimerath/Losheim. Die Gemeinde Greimerath und die Bürgerinitiative (BI) wehren sich weiter gegen die Errichtung von fünf Windrädern auf dem Judenkopf. Sie haben vor Gericht Widerspruch eingelegt, weil saarländische Behörden den Bau der Anlagen genehmigt haben. Über den Widerspruch ist noch nicht entschieden. Die Arbeiten am Windpark sind im Gange. "Doch es gibt eine neue Entwicklung am Judenkopf", so Bernhard Schmitt von der BI. Sie hänge mit der Bergwerksproblematik zusammen. Wie im TV berichtet, wurden auf Greimerather Gebiet Erdspalten entdeckt, bei denen es sich um eingestürzte Stollen des einstigen Eisenerzbergwerkes Louise handelt.

Das sagt die BI: Die Greimerather gehen davon aus, dass es auch auf saarländischer Seite unterirdische Stollensysteme gibt, die um 1850 von Britten aus in den Berg getrieben wurden. Ein Beleg dafür sei eine alte Karte, die in digitalisierter Form durch ein Projekt des Deutschen Bergbaumuseums vorliegt. Dort sind im Bereich der geplanten Windräder Konzessionsfelder für das Grubenfeld Saarhölzbach II eingezeichnet. Schmitt räumt zwar ein, "dass uns keine Erkenntnisse vorliegen, wann und in welchem Umfang hier Abbau stattgefunden hat".
Jürgen Witt verweist aber auf ein Gutachten aus dem Jahr 1944, das für die BI die Vermutung nahelegt, dass auch auf saarländischer Seite Eisenerz abgebaut wurde. Rainer Schmitt sagt daher drastisch: "Wir gehen davon aus, dass der Berg löchrig wie ein Schweizer Käse ist."
Die BI glaubt zudem, dass bei den Aushubarbeiten für die Anlage (WKA) 5 - "schwerwiegende Probleme aufgetreten sind, die aller Wahrscheinlichkeit nach mit dort befindlichen Bergwerksanlagen in Zusammenhang stehen".
Nach ihrer Beobachtung sind daher die Arbeiten dort ins Stocken geraten. Im Umfeld hat die BI auf Absenkungen im Waldboden entdeckt. Dabei handele es sich um Pingen, so die BI. Per Definition sind das Vertiefungen, die meist durch den Einsturz alter Gruben entstehen.
Das sagen die Investoren: "Wir schließen definitiv aus, dass es sich bei dieser Vertiefung um eine Absenkung infolge einer früheren bergbaulichen Aktivität handelt", betont Marie-Elisabeth Denzer, Sprecherin der VSE, nachdem ihr das Foto vom TV zugesandt wurde.
Die Investoren verweisen darauf, dass es in der Planungsphase des Windparks umfangreiche geologische Untersuchungen gegeben habe. "Diese haben keinen Hinweis darauf erbracht, dass sich unter diesem Gelände Hohlräume - zum Beispiel durch Stollenanlagen - befinden. Das sind die wissenschaftlichen Fakten, ohne die es keine Baugenehmigung gegeben hätte", betont Denzer.
Das gelte auch für WKA 1 und WKA 2, die nach den Unterlagen des Oberbergamts für den Zeitraum 1840 bis 1938 den dokumentierten historischen Stollen am nächsten liegen. WKA 5 befindet sich davon noch einmal 1500 Meter entfernt und liege somit "weit außerhalb dokumentierter bergbaulicher Aktivitäten", so Denzer.
Die Investoren betonen weiter, dass sie durch die geologischen Untersuchungen "die Sicherheit haben, dass weder eine frühere bergbauliche Aktivitäten eine Gefahr für die Standsicherheit der Windkraftanlagen noch eine Gefahr von Stolleneinbrüchen besteht". Auch sei die Vermutung der BI falsch, dass die Arbeiten an WKA 5 ins Stocken geraten sind. An den einzelnen Anlagen "verlaufen sie optimal", so Denzer. Die Räder würden "planungsgemäß in der zweiten Jahreshälfte errichtet und in Betrieb genommen."Extra

Auf dem saarländischen Teil des Judenkopfs will eine Investorengemeinschaft insgesamt fünf Räder aufstellen. Ihr gehören die Technischen Werke Losheim (TWL), die Vereinigte Saar Elektrizitäts (VSE) AG und die Familie von Boch an. Ein Rad soll sich auf den Flächen der Gemeinde Losheim drehen. Vier Anlagen würden sich auf dem Privatwaldbesitz der Familie von Boch befinden. Davon gibt die Unternehmerfamilie laut von Boch aber ein Rad zum Betrieb an VSE und TWL ab. Die weißen Mühlen sollen eine Gesamthöhe von jeweils knapp 200 Metern haben. Der Abstand zum nächsten Wohnhaus in Greimerath beträgt 1,8 Kilometer. Die BI Pro Hochwald veranstaltet am heutigen Donnerstagabend eine Informationsveranstaltung in der Greimerather Schule. Ab 19.30 Uhr will sie die Bürger des Orts über den aktuellen Stand der Dinge unterrichten. ax

Mehr von Volksfreund