Keine Lehrstunden über die "Anderen"
Über ihre Erfahrungen in Deutschland und mit den Deutschen und ihre Erinnerungen und Bindungen an die Heimat berichteten eine Kurdin, die schon lange als Immigrantin in Saarburg lebt, und zwei Au-pair-Mädchen aus China in Saarburg. Erstaunliche Auskünfte gab Di Yang aus Peking.
Saarburg. (kdj) Die Zusammenkunft zur "Interkulturellen Woche" hat Tradition: Der Saarburger Arbeitskreis Integration und der Jugendimmigrationsdienst der Caritas sind zum dritten Mal beteiligt an der Aktion unter dem Motto "Alle anders, alle gleich". Erstmals fand das Zusammentreffen von Deutschen und Migranten im neuen Mehrgenerationenhaus statt.
Mehr Freundschaft und mehr Herzlichkeit
Ein Frage- und Antwortspiel zum Beginn des Abends offenbarte schnell, dass bei allem Interesse am Anderen und an Anderem das Wissen um ferne Länder und fremde Kulturen sich gelegentlich auf eher Schlagwortartiges beschränkt: Die Begriffe Kurden und Kurdistan verbanden sich gelegentlich mehr mit Karl Mays "wildem" Kurdistan als mit dem politisch-ethnologisch-religiösen Krieg um Freiheit und Selbstbestimmung. Feride Acar, verheiratet, vier Kinder, die seit 1991 in Saarburg lebt, betonte, dass sie Kurdin, aber keine Muslima sei sondern Jesidin.
Die rund 265 000 Angehörigen ihrer Religion werden von ihren muslimischen Nachbarn "Teufelsanbeter" genannt - nicht gerade ein Zeichen für erträgliche Koexistenz. 20 000 Jesiden haben wegen gesellschaftlicher Benachteiligung oder Verfolgung ihre Heimat verlassen. Das Motto der Zusammenkunft ("Heimat im Gepäck") und die Aussprache provozieren die Frage "Dürfen Sie in Ihre Heimat zurück?" und die klare Antwort "Nein". Feride wird die Heimat wahrscheinlich für immer "im Gepäck" behalten müssen - und in ihren Gedanken, zusammengefasst klingt das so: "Zu Hause gibt es mehr Freundschaft, Hilfsbereitschaft, Herzlichkeit."
Keinen Respekt vor Lehrern und älteren Menschen
Mehr, wenn auch ebenfalls schlagwortartiges Wissen wurde zum Thema China offenbar: hier im Wesentlichen "Olympia", "Große Mauer", "Kommunismus", "Mao", "chinesisches Essen", "Unfreiheit", "Seide". Und über Deutschland fielen Schlagworte wie "Autos", "gutes deutsches Essen, aber zu fett", Bier oder Karneval.
Di Yang aus Peking, deren Zeit als Au-pair-Mädchen in ein paar Wochen abläuft, ist als "Chinesin" im Karnevalszug mitgegangen. Aber trotz allem Positiven schreibt sie den Deutschen ins Stammbuch: "Sie haben keinen Respekt vor ihren Lehrern und älteren Menschen." Und Peixin Lan, die noch einige Zeit in Saarburg bleibt, lobt die Deutschen, sie seien "tüchtig, pünktlich und fleißig". Leichtes Schmunzeln weckt die Erwähnung einer weiteren Eigenschaft, die die höfliche Lan den Deutschen zuschreibt: sie seien "höflich".