1. Region
  2. Konz, Saarburg & Hochwald

Keine Schwarzarbeit im Weinberg des Herrn

Keine Schwarzarbeit im Weinberg des Herrn

KONZ. "Wei hältst dou maol dein Maol, zieh dir e paor Stiwwelen oun un les a paor Reihen! Dann koumst dou nees un dirfs meich wat fraoen!" Für die Trierer Zoll-Fahndungsgruppe Prävention hat der vorletzte Arbeitstag dieser Woche begonnen.

Was da so tälchens-derb hoch vom grünen Traubenwagen herabschallt, ist die Reaktion eines 80-jährigen, zornigen Winzers auf die freundlich-förmliche Begrüßung der Beamten des Trierer Hauptzollamts. "Wir sind doch keine Verbrecher, wir haben doch keinem was getan", sagt er. Zoll-Oberamtsrat Richard Denis, der den Einsatz leitet, bleibt, wie seine Mitarbeiter, gelassen. Mit derlei Reaktionen sind seine Beamten vertraut. Geschäft und Arbeit der Winzer sind hart, und jede Störung der Ernte-Abläufe ist äußerst unwillkommen: Sie kostet Zeit und Geld. Frostiger Empfang der Zollbeamten

Im Wingert des mauligen 80-Jährigen arbeiten Nachbarschaftshelfer, Familienangehörige, Verwandte. Ob Meldepflichten zur Sozialversicherung bestehen, muss überprüft werden, ebenso, ob unter den Erntehelfern Empfänger von Arbeitslosengeld sind. Ein Prüfbogen wird ausgefüllt; die Angaben werden später auf der Dienststelle kontrolliert und in einer Datensammlung gespeichert. Die wird sorgfältig gepflegt und gibt Auskunft darüber, ob in den Wingerten, auf Baustellen, in Speditionen, sprich, überall dort, wo Schwarzarbeit angeboten wird, alles mit rechten Dingen zugeht. Der nächste Weinberg wird kontrolliert. Auch hier ist der Empfang frostig - Zeit ist Geld. Auch hier müssen die Papiere erst herbei geschafft werden: Ausweise oder Pässe, Anmeldungen zur Sozialversicherung, für ausländische Helfer zusätzlich gültige Arbeitsgenehmigungen. Richard Denis und seine Leute fragen sich, warum die Unterlagen nicht gleich mitgenommen werden? Das würde eine Menge Zeit sparen. Der "dickste Brocken" sind die Wingerten der bischöflichen Weingüter hoch über Wiltingen. 35 Frauen und Männer arbeiten in den "Weinbergen des Herrn". Selbst hier haben die Beamten des Zollamts Geduldsarbeit zu leisten. Die Papiere der Erntehelfer müssen ebenfalls erst herbeigeschafft werden. Dennoch bleibt der Ton der Unterhaltung zwischen Amtsträgern und den Kontrollierten locker. Bislang gab es hier keinerlei Schwierigkeiten. In kürzester Zeit ist der zuständige Verwalter vor Ort, mit allen Listen und erforderlichen Unterlagen. Abschließende Feststellung: Beim Bischof gibt's keine Schwarzarbeit. Dass, ganz am Rande des höchst offiziellen Geschäfts auch über gelegentlich fällige neue Batterien für Dienst-Heiligenscheine geflachst wird, bleibt nicht aus. Die 35 Frauen und Männer dürfen unterdessen weiter arbeiten. Denis: "Die Zeiten, als wir ganze Weinberge umstellen mussten, um Fluchtversuche von Verdächtigen zu verhindern, sind vorüber. Was früher als Straftat mit sofortiger Abschiebung geahndet wurde, ist heute im Zeichen der Europäischen Union nur noch eine mit Bußgeldern belegte Ordnungswidrigkeit. Es wird niemand mehr eingesperrt und abgeschoben."Bußgelder reichen von 500 bis 9000 Euro

Die Bußgelder, die Schwarzarbeitgeber zu zahlen haben, sind durchaus deftig. Für Schwarzarbeitgeber reichen sie von 500 Euro pro Mann und Tag bis zu 5000 Euro pro Mann und Monat, bei drei Monaten werden 7000 Euro fällig, und bei sechs Monaten sind es sogar 9000 Euro. Zeigt sich der Arbeitgeber uneinsichtig und/oder behindert die Kontrolleure bei ihrer Arbeit, kann die Buße bis 25 000 Euro betragen. Wiederholungstäter entkommen den Fahndern nicht: Die Computer-Dateien geben unbestechlich Auskunft über ihre "Vergangenheit". Bußen, wenn auch mildere, gibt es auch für Schwarzarbeitnehmer: Ihnen werden zwischen 10 und 400 Euro berechnet.Trefferquote von 15 bis 25 Prozent

Zoll-Oberamtsrat Denis: "Unsere Aufgabe ist es nicht, besonders viele schwarze Schafe zu fassen, wir sollen und wollen Präsenz zeigen, um möglichst viel sozialschädliche Schwarzarbeit zu verhindern." Das ist heute gelungen. Bei den Kontrollen in den Weinbergen bis nach Nittel sind insgesamt 68 Personen überprüft worden, in zwölf Fällen müssen die Meldungen zur Sozialversicherung verifiziert werden. Denis: "Das entspricht ungefähr dem Durchschnitt. Der liegt bei 15 bis 25 Prozent.