Keiner Kirche droht die sofortige Schließung

Hermeskeil · Welche und wie viele Immobilien benötigt die neue katholische Großpfarrei "St. Franziskus" Hermeskeil in Zukunft für ihre Aufgaben, und kann sie sich den bisherigen Gebäudebestand noch leisten? Diese Frage hat sich das Bistum Trier zusammen mit den Verantwortlichen vor Ort gestellt und nun ein Immobilienkonzept vorgelegt. Darin lautet eine wichtige Botschaft: Alle zehn Kirchen und sieben Kapellen bleiben vorerst bestehen.

Hermeskeil. Zum Jahreswechsel ist es so weit: Dann kommen die die bisher acht selbstständigen Pfarreien im Raum Hermeskeil, in denen rund 9050 Katholiken leben, organisatorisch unter ein Dach (der TV berichtete mehrfach). Sie verschmelzen dann zu einer neu gegründeten Großpfarrei, die den Namen St. Franziskus Hermeskeil tragen wird. Dieses Ereignis wird vom 9. bis 17. Januar 2016 gefeiert.Vier Pfarrheime sind noch da


Für die Zukunft dieser neuen Großpfarrei liegt aber bereits jetzt ein wichtiges Konzept vor, das das Bistum Trier mit den Verantwortlichen vor Ort "gemeinsam erarbeitet hat". Das betonen die mit dem Projekt befassten Bistums-Mitarbeiter Otmar Brittner und Bernd Laurenz sowie der Hermeskeiler Pastor Clemens Grünebach unisono (siehe Extra). Dabei geht es um die Immobilien, die die Pfarreien Bescheid, Beuren, Damflos, Geisfeld, Gusenburg, Hermeskeil, Rascheid und Züsch besitzen. Das sind neben insgesamt zehn Kirchen und sieben Kapellen die vier Pfarrheime in Hermeskeil, Gusenburg, Abtei und Züsch. Dazu gehören aber auch Gebäude, die keiner kirchlichen Aufgabe mehr dienen und dem Finanzvermögen zugeordnet sind. Dies gilt exemplarisch für frühere Pfarrhäuser oder auch Pfarrheime, die wie in Geisfeld inzwischen vermietet sind. Bei diesen Gebäuden müssen die Erträge die Kosten für den Unterhalt decken. Wenn dies nicht sichergestellt ist, empfiehlt das Bistum den Verkauf, um finanzielle Belastungen der Kirchengemeinden zu vermeiden. Daran ist im Raum Hermeskeil aber bisher nicht akut gedacht. Auch eine Schließung von Kapellen und Kirchen - die es im Gebiet des Bistums zum Beispiel im November in Neunkirchen/Saar gegeben hat - steht im Hochwald vorerst nicht zur Debatte.
Mit Ausnahme der Hermeskeiler Martinuskirche, die aber wegen ihrer Bedeutung fest gesetzt ist und wo Glockenstuhl und Dach saniert werden müssen, befänden sich alle anderen Gotteshäuser baulich in einem "guten Zustand", sagt Detlef Willems, Projektgruppenleiter des Dekanats Hermeskeil-Waldrach.
"Vor einigen Jahren hätte ich noch gesagt, dass es mit dem Fortbestand der Kapelle in Muhl schwierig werden könnte. Aber da gibt es nun eine ganz dynamische Entwicklung. Es wird sich wahrscheinlich noch in diesem Monat ein Förderverein gründen, und das Gebäude hat jetzt ein Thema", sagt Grünebach. Die Muhler Kapelle hat nämlich ein Alleinstellungsmerkmal - sie ist das einzige Gotteshaus im Nationalpark. Was sich daraus für eine künftige Nutzung machen lässt, darüber sind bereits Gespräche, an denen die Ortsgemeinde Neuhütten, das Bistum, aber auch das Land beteiligt sind, in Gang gekommen.
Das Pfarrhaus in Hermeskeil wird weiter als zentrales Büro für die pastoralen Mitarbeiter genutzt und ist ausgewiesener Dienst- und Wohnsitz von Grünebach. Die Pfarrheime in Gusenburg, Abtei und Züsch werden laut Konzept weiter ihrem bisherigen Zweck dienen und zum Beispiel bei Renovierungen vom Bistum nach dem üblichen Satz gefördert. Der liege bei 60 Prozent, sagt Brittner.
Etwas anders sieht es beim Hermeskeiler Johanneshaus aus. Das frühere Pfarrheim wird - nicht zuletzt wegen seiner Umwandlung in ein Mehrgenerationenhaus (MGH) im Jahr 2008 - nicht nur von der Kirche, sondern von vielen anderen Gruppen oder für öffentliche Veranstaltungen genutzt. Es ähnelt daher in seiner Funktion "de facto einem Bürgerhaus" (Grünebach), und es gibt dort auch eine hohe wirtschaftliche Nutzung - zum Beispiel bei Beerdigungscafés oder wegen des Bistros im Haus.
Insofern sieht das Konzept vor, dass das Bistum das MGH Johanneshaus künftig nicht mehr so hoch fördert wie reine Pfarrheime. Stattdessen sieht die Kirche beim Hermeskeiler MGH die öffentliche Hand stärker in der Pflicht.
Grünebach betont, dass man sich im Hinblick auf die künftige Förderung an der Praxis bei den großen Sanierungs- und Erweiterungsarbeiten zwischen 2008 und 2010 orientieren wolle. Damals hatte das Bistum einen 45 Prozent-Zuschuss gegeben, etwa 50 Prozent der Kosten wurden durch Zuschüsse von Land, Stadt, VG und Kreis abgedeckt.
Über das vorgestellte Immobilienkonzept beraten nun im folgenden Schritt die Gremien der einzelnen Kirchengemeinden. Sollte der Entwurf einstimmig gebilligt werden, könnte es sofort in Kraft treten. Gibt es noch Einwände, dann würde darüber noch einmal mit dem Bistum Trier beraten.Meinung

Nicht der nächste Nackenschlag
Auch wenn die gesellschaftliche Bedeutung der Kirche abnimmt und die Mitgliederzahl kontinuierlich sinkt: Tausende Gläubige im Raum Hermeskeil werden erleichtert sein, dass in Zukunft - zumindest was den Gebäudestand der katholischen Pfarreien angeht - keine tiefen Einschnitte zu erwarten sind. Denn laut dem vom Bistum Trier vorgelegten Immobilienkonzept sollen alle bestehenden Kirchen, Kapellen und Pfarrheime im Dorf bleiben. Die Menschen im Hochwald erhalten also nicht den nächsten Nackenschlag, war doch die vor einigen Monaten vom Orden angekündigte Schließung des Hermeskeiler Franziskanerklosters im Herbst 2016 schon schmerzhaft genug. Klar ist aber auch: Wehe, wenn vor allem in den kleinen Orten an den Gotteshäusern irgendwann große Sanierungsarbeiten nötig sein werden! Dann könnte es nämlich schwer werden, diese zu finanzieren und die Gebäude langfristig zu halten. Den Kirchengemeinden selbst fehlt dazu das nötige Geld. Das Bistum muss auch sparen. Bleibt dann fast nur die Hoffnung auf den Einsatz vor Ort und die Spendenbereitschaft der Gläubigen. Nur so konnte bereits vor einigen Jahren in Hinzert mit Hilfe eines Fördervereins die dortige Kapelle saniert und damit gerettet werden. a.munsteiner@volksfreund.deExtra

Immobilienkonzept: Im gesamten Bistum Trier soll bis Ende 2016 für alle 173 Kirchengemeindeverbände ein langfristig tragbares Immobilienkonzept erstellt werden. Denn nicht zuletzt wegen der sinkenden Zahl an Kirchenmitgliedern wird es immer schwieriger, den Gebäudestand in den Pfarreien zu betreuen und zu finanzieren. "Viele Kirchengemeinden sind schon heute mit der Unterhaltung und Bewirtschaftung ihrer Gebäude überfordert. Stehen größere Bauarbeiten an, verschärft sich die Situation. Es ist daher wichtig zu fragen: Welche und wie viele Immobilien brauchen wir, um Kirche zu sein?" So beschreibt das Bistum Trier den Ausgangspunkt für seinen Vorstoß, flächendeckend Immobilienkonzepte zu erarbeiten. In Hermeskeil hat dieser Prozess bereits 2014 begonnen. Die Verantwortlichen vor Ort haben dem Bistum dabei Vorschläge gemacht, die in das Immobilienkonzept eingeflossen sind. Vorangegangen war eine Bestandsaufnahme. Dabei wurde unter anderem festgestellt, dass es in allen zehn Kirchen 2849 Sitzplätze gibt. Durchschnittlich wurden bei den Gottesdiensten an Sonntagen aber nur 958 Besucher gezählt. In den zurückliegenden 15 Jahren sei somit ein Besucherrückgang von 60 Prozent zu verzeichnen. ax