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Kell putzt seinen Ortskern heraus

Kell putzt seinen Ortskern heraus

Bauruinen werden renoviert, störende Gebäude abgerissen, Plätze neu gestaltet. Möglich macht dies ein millionenschweres Förderprogramm. Die Gemeinde hat vier Projekte im Blick. Aber auch Privatleute sind bereits aktiv.

Kell am See Eine Wiese, ein Fahnenmast und eine Infotafel - mehr hat der Gellner Platz schräg gegenüber dem Keller Rathaus derzeit nicht zu bieten. "Da könnte man deutlich mehr herausholen", ist Ortsbürgermeister Markus Lehnen überzeugt.
Die Neugestaltung der Fläche ist eines von vier Projekten, die die Gemeinde anpacken will. Alle sind im Rahmen des Städtebauprogramms für ländliche Zentren geplant, in das Kell und Greimerath 2014 aufgenommen wurden (der TV berichtete mehrfach). Mit Hilfe des Gelds von Bund und Land (siehe Info) - insgesamt 2,5 Millionen Euro sind bis 2022 abrufbar - sollen hässliche Bauruinen verschwinden und der Ortskern aufgewertet werden.
Aus dem Gellner Platz werde ein "schöner, moderner Platz", kündigt Lehnen an. Schließlich erhielten Gäste und Radfahrer vom Ruwer-Hochwald-Radweg an dieser Stelle die ersten Eindrücke vom Ort. Geplant sei, den Platz zunächst einzuebnen und dann stufenweise mit Steinen und Sitzgelegenheiten zu gestalten. Die Fahnen würden anders angeordnet, damit mehr Platz für Informationstafeln entstehe.
Der eigentliche Startschuss für das Förderprogramm fiel im vergangenen Frühjahr. Damals hatte das Land das geforderte Sanierungskonzept für den Ortskern abgesegnet. Die Gemeinde hatte es mit Hilfe eines Fachbüros erstellt und ein Sanierungsgebiet ausgewiesen, in dem auch private Bauherren von einer Förderung profitieren können. Wer privat ein altes Haus im Ortskern umfassend sanieren will, kann per Vertrag mit der Gemeinde einen Fördersatz von 25 Prozent, maximal 25 000 Euro, erhalten.
Seitdem ist einiges passiert. Das zeigt schon eine kurze Tour entlang der Ortsdurchfahrt. Ein weiteres Gemeindeprojekt taucht an der Ecke Bahnhofstraße/Marktstraße auf. Das rosafarbene Gebäude mit den bröckelnden Fassaden ist den Einheimischen als Haus Uder bekannt. "Wir werden es abreißen, dafür holen wir gerade Angebote ein", sagt Lehnen. Die Einfahrt in die Marktstraße werde "aufgeweitet", um damit die "gefährliche Verkehrssituation zu entschärfen". Zudem seien eine Sitzbank mit Grünfläche und vier Parkplätze geplant. Damit schaffe man auch einen "Blickfang" in der Hauptgeschäftsstraße.
Am Kirmesplatz arbeiten Gemeinde und ein Privatinvestor Hand in Hand. Der Geschäftsmann will laut Lehnen das frühere Haus Sponticcia renovieren und Mietwohnungen einrichten. "Das Haus war komplett mit Efeu zugewachsen, das ist schon entfernt." Einen Teil des Grundstücks hat der Investor der Gemeinde überlassen. Die plant einen Anbau, in dem sie Bühne, Lager und ganzjährig nutzbare Toiletten unterbringen will. "Zur Kirmes mussten wir dafür bislang jedes Jahr 3000 Euro Miete zahlen", sagt Lehnen.
Projekt Nummer vier ist der Abriss eines leerstehenden Hauses samt Schuppen in der Trierer Straße. Die Gemeinde will dadurch einen Zugang zum Dorfpark Dumpert schaffen. "Das gibt einen Einblick von der wichtigen Verkehrsachse aus Richtung Stausee weit hinein in den Park", sagt Lehnen. Neben dem Weg würden Bänke aufgestellt und Stellplätze für Gäste angelegt. Entwürfe gebe es für alle vier Projekte. Sie müssten aber noch im Gemeinderat abgestimmt werden, betont der Ortschef.
Erfreulich sei, dass sich bereits einige Privatleute an die Gemeinde-Initiative "drangehängt" hätten, sagt Lehnen. Ein Beispiel sei das Haus Klose, eines der ältesten Geschäftshäuser in Kell. Ein früherer Investor habe es mitten im Abriss halbfertig stehenlassen. "Das sah verheerend aus." Jetzt entstehe dort ein Wohn- und Geschäftshaus. Wenige Häuser daneben ziehe demnächst ein Versicherungsbüro in ein renoviertes ehemaliges Schuhreparatur-Geschäft, ergänzt Werner Mencher von der Verbandsgemeinde Kell. Zu den privaten Profiteuren zählt auch Daniela Metzdorf. Sie hat Ende Mai ein kleines Café eröffnet, in dem sie selbst gebackenen Kuchen anbietet. Dazu hat sie ein ehemaliges Stallgebäude im Hinterhof renoviert. "Durch die Förderung ist die Entscheidung noch leichter gefallen", sagt sie. Die gemütlich eingerichteten Räume mit urigen Sesseln und Spitzendeckchen sind zwei- bis dreimal in der Woche geöffnet. Der Zuspruch der Dorfbewohner sei "sehr gut".
Bis zum Jahresende wird sich laut Lehnen noch einiges mehr bewegen im Ortskern. "Aber es ist Wahnsinn, was sich bis jetzt schon getan hat."Extra: VIEL GELD FÜR PRIVATE UND ÖFFENTLICHE PROJEKTE

Foto: (h_hochw )


Die Ortsgemeinde Kell am See erhält Zuschüsse aus einem Städtebauförderprogramm (Bundes- und Landesmittel), mit dem die Ortskerne ländlicher Zentren weiter entwickelt werden sollen. Für einen Zeitraum von acht Jahren - gerechnet ab 2014 - gilt die Förderung, die 75 Prozent der jeweiligen Investitionssumme beträgt. Für den Zeitraum bis Ende 2016 hat die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier laut Sachbearbeiter Werner Mencher von der VG-Verwaltung rund 520 000 Euro bewilligt, die in private und öffentliche Projekte in Kell investiert werden. Die Bewilligung für 2017 stehe noch aus. Seit dem Frühjahr 2016 seien bereits für sechs private Vorhaben von der ADD Zuschüsse in Höhe von rund 100 000 Euro zugesagt worden. Die Investitionskosten für die vier geplanten Gemeindeprojekte lägen nach erster grober Schätzung bei etwa 800 000 Euro.