Kinder können wieder in Saarburg zur Welt kommen

Kinder können wieder in Saarburg zur Welt kommen

Gute Nachrichten für werdende Eltern: Eine Hebamme eröffnet am 10. Dezember im Kreißsaal des Krankenhauses ein Geburtshaus. Das Krankenhaus sucht weiter nach Belegärzten, um die Station zu erhalten, die vorübergehend schließen musste.

Saarburg. Die vergangenen Wochen waren heftig, sagt Maria Wallat. Heftig deshalb, weil das Telefon nicht mehr stillstand, weil sie viele Tränen trocknen musste. Wallat ist Hebamme in Saarburg, und sie hat bis Anfang November auch Frauen betreut, die im Kreiskrankenhaus St. Franziskus ihr Kind auf die Welt brachten - oder bringen wollten.
Dann hat die Geburtshilfeabteilung zum 1. November kurzfristig schließen müssen. Nachdem nur noch ein Belegarzt und eine Hebamme verfügbar waren, konnte das Krankenhaus die gesetzlich vorgeschriebene Versorgung nicht mehr sicherstellen (der TV berichtete). Denn diese besagt, dass ein Arzt im Notfall innerhalb von zehn, eine Hebamme innerhalb von fünf Minuten vor Ort sein muss.
Nun gibt es in Sachen Entbindung in Saarburg Neuigkeiten: Am 10. Dezember öffnet ein Geburtshaus in den Räumen der Entbindungsstation. Damit ist es Schwangeren wieder möglich, ihr Kind in Saarburg auf die Welt zu bringen.
Es war Maria Wallat, die die Initiative ergriff. "Mir liegt die Geburtshilfe am Herzen", sagt die Hebamme, die ihren Beruf seit fast 36 Jahren ausübt. Die Räume - den Kreißsaal - mietet sie beim Krankenhaus. Die Verantwortung für das Geburtshaus und damit auch für Mütter und Kinder hat allein die Hebamme, nicht das Krankenhaus. Das heißt auch: Nicht jede Frau kann dort ihr Kind auf die Welt bringen. Nur wenn von einer komplikationsfreien, normalen Geburt ausgegangen werden kann, ist sie im Geburtshaus möglich.
Wallat wird bei ihrer Arbeit von einem niedergelassenen Gynäkologen - dem letzten verbliebenen Belegarzt - unterstützt. "Es ist also jederzeit ein Arzt verfügbar, auch wenn die Patientin das von vornherein wünscht", erklärt Maria Wallat.
In "ganz besonderen Ausnahmesituationen", in denen eben doch ein Notfall eintritt, besteht außerdem die Möglichkeit, die OP-Bereitschaft des Krankenhauses zu nutzen, etwa für einen Notkaiserschnitt. Außerdem laufen Gespräche mit einem Trierer Krankenhaus für eine Zusammenarbeit, so dass Schwangere im Notfall verlegt werden könnten, sagt Wallat. "Im Geburtshaus sollte es aber nicht zu akuten Notfällen kommen."
Nachbetreuung im Krankenhaus


Normalerweise gehen Frauen wenige Stunden nach der Entbindung im Geburtshaus wieder nach Hause. Das Krankenhaus möchte Frauen, die dies wünschen, mehrere Tage Nachbetreuung anbieten. "Wir haben ja die entsprechenden Fachkräfte, die zurzeit entweder Urlaub abbauen oder auf anderen Stationen aushelfen", sagt Pflegedirektor Harald Lehnertz. Diese Nachsorge soll von den Krankenkassen bezahlt werden. "Wir sind mit den Kassen im Gespräch", erklärt Krankenhaus-Geschäftsführer Holger Brandt.
Lehnertz und Brandt betonen, dass das Geburtshaus seitens des Krankenhauses als Übergangslösung gedacht ist. "Wir arbeiten weiter daran, Belegärzte zu finden, um die ursprüngliche Form zu erhalten", sagt Brandt. Dass diese Übergangslösung nicht schon früher hätte eingerichtet werden können, und damit die Zwangspause gar nicht erst hätte sein müssen, habe damit zu tun, dass man Ende Oktober selbst von der Entwicklung überrascht worden sei und binnen weniger Tage reagieren musste. jka
Das Geburtshaus feiert am Samstag, 10. Dezember, in den Räumen der Entbindungsstation des Kreiskrankenhauses Eröffnung. Von 10 bis 16 Uhr haben die Besucher die Möglichkeit, sich dort umzusehen und Fragen zu stellen.

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