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Kinder lernen künftig im Container: Grundschule in Lampaden bleibt nach den Sommerferien geschlossen

Kinder lernen künftig im Container: Grundschule in Lampaden bleibt nach den Sommerferien geschlossen

Die Kinder, die die Grundschule Hentern/Lampaden besuchen, gehen im kommenden Schuljahr nur noch in Hentern zum Unterricht. Der Standort in Lampaden bleibt für mindestens zwölf Monate geschlossen. Das hat die Schulbehörde verfügt und begründet dies mit baulichen Mängeln. Elternvertreter sind verärgert über die Vorgehensweise. In einem Jahr wird erneut über den Standort Lampaden entschieden.

Die Grundschule Lampaden ist Geschichte - zumindest für ein Jahr. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier hat die sofortige Schließung des Gebäudes verfügt. Das bedeutet, dass die Schüler, die bisher in Lampaden unterrichtet wurden, im Schuljahr 2015/2016 ausschließlich in Hentern lernen werden. Dort fehlen aber die nötigen Räume, so dass der Schulträger, die Verbandsgemeinde (VG) Kell am See, am Standort Hentern einen Container für die bisher in Lampaden unterrichtete Kombiklasse (erstes und zweites Schuljahr) aufstellen muss (der TV berichtete zuletzt am 11. Juli).

"Wir möchten unsere Schüler aber nicht dauerhaft in einem Container sehen", sagt Martin Marx, der Schulelternsprecher der dislozierten Grundschule Hentern-Lampaden (Unterricht an zwei Standorten). Indirekt sei mit dieser sogenannten Organisationsverfügung der ADD eine "Stilllegung eines Schulstandortes vorweggenommen" worden. Auch wenn in dem ADD-Schreiben vom 22. Juli steht, dass zum Schuljahr 2016/2017 eine erneute Entscheidung in der Standortdebatte zu treffen sei. Bis dahin will die Verbandsgemeinde (VG) Kell am See auch ein umfassendes Grundschulkonzept erarbeitet haben.

"Man hat sich darüber hinweggesetzt, wie Eltern und Lehrer abgestimmt haben", sagt Marx. Vorweggegangen war eine Entscheidung im Verbandsgemeinderat am 21. Mai. Der will kein Geld mehr in das Gebäude in Lampaden investieren. Dort bestehen Brandschutz- und Sicherheitsmängel, die Ende 2014 festgestellt wurden. Allerdings keine, die zu beheben im sechsstelligen Bereich liegen würden. Kosten von 27 000 Euro für die Beseitigung der Mängel stehen Kosten von 24 500 Euro für das Aufstellen des Containers für die Dauer von zwei Jahren gegenüber. "Von den Prüfern wurden keine Nutzungseinschränkungen oder gar eine Schließung der Schule anheimgestellt", so Marx. Allerdings hatte ein Architekt die Kosten für eine umfassende Sanierung des Lampadener Schulgebäudes auf eine Million Euro geschätzt.

Der erweiterte Elternbeirat hatte nach dem Beschluss im VG-Rat zu einer Onlinepetition für den Erhalt der Grundschule aufgerufen. Gerichtet ist sie an die VG Kell, unterzeichnet haben sie 500 Menschen. Von der ADD sind die Schul- und Elternvertreter aus Lampaden sowie der Regionalelternbeirat und Bezirkspersonalrat der staatlichen Lehrer an den Grundschulen "ins Benehmen genommen" worden. Der Bezirkspersonalrat (BPR) hat keine Stellungnahme abgegeben. Warum nicht, darauf war vom BPR keine Antwort zu erhalten. Alle anderen Beteiligten haben sich gegen eine Schließung des Standortes Lampaden ausgesprochen. "Das macht uns stutzig", sagt Marx.Unverständnis und Ablehnung


Und auch, dass in der neunseitigen Begründung der ADD nicht allein die baulichen Mängel des Schulgebäudes als Grund für die Schließung aufgeführt sind. Zumal "das Schulgebäude in Lampaden weiterhin bis zur Klärung der Schulentwicklung einer schulischen Nutzung vorbehalten" bleiben soll, heißt es in der Organisationsverfügung. Noch im April sei in einer erweiterten Elternbeiratssitzung davon die Rede gewesen, dass die ADD den Fortbestand der Grundschule Hentern-Lampaden an beiden Standorten garantiere.
Dass die Meinung der Eltern gering geschätzt werde, verneint Norbert Willems, Büroleiter in der Verbandsgemeinde (VG) Kell am See, die Schulträger ist. "Das Benehmen ist die geringste Form der Beteiligung", sagt er. Die Meinung der Beteiligten werde zwar abgefragt, sei aber nicht ausschlaggebend für eine Entscheidung. Martin Alten, der Bürgermeister der VG, wolle die Standortfrage weiter, aber ergebnisoffen führen, sagt Willems. "Man hätte erst mal das Konzept zur Neuordnung der Grundschullandschaft in der VG Kell abwarten sollen", erklärt Marx. Auch der Regionalelternbeirat hat eine Stellungnahme formuliert. Regionalelternsprecher Reiner Schladweiler erklärt: "Dass man einerseits Container aufstellt und andererseits das vorhandene Schulgebäude für schulische Zwecke vorhalten will, stößt bei uns auf Unverständnis und Ablehnung."Alle Fristen eingehalten


Schulelternsprecher Martin Marx sagt: "Wir sind nicht resigniert, aber verärgert." Mit dem Regionalelternbeirat werde geprüft, ob die Lampadener Widerspruch gegen die Verfügung der ADD einlegen, wenn ein Verfahrensfehler vorliege. Dazu, warum der Bezirkspersonalrat (BPR) keine Stellungnahme abgegeben hat und ob diese nicht verpflichtend für das Beteiligungsverfahren gewesen wäre, teilt die ADD mit: "Wenn der BPR die Frist verstreichen lässt, will er keine Aussage machen. Dann ist das zu akzeptieren." Und außerdem: "Die Argumente der Gremien wurden erörtert und mit in die Entscheidung einbezogen. Die Onlinepetition wurde zur Kenntnis genommen und mit in die Überlegungen eingebunden." Alle Fristen für das Beteiligungsverfahren seien eingehalten worden. Zur Kritik aus Lampaden, dass auf dem Schulhof in Hentern zu wenig Platz für das Aufstellen eines Klassencontainers sei, sagt Henterns Ortsbürgermeister Michael Marx: "Das ist in Hentern durchaus machbar. Es ist nun, wie es ist, auch wenn nicht alle froh mit der Entscheidung sind."Meinung

Erst planen, dann schließen
Kurze Beine, kurze Wege - dieses Prinzip gilt nicht mehr für die Grundschule in Lampaden. Obwohl seit 2009 im rheinland-pfälzischen Schulgesetz die Möglichkeit verankert ist, dass eine Grundschule auf mehrere Standorte verteilt sein kann. Bisher war das auch der Garant für den Erhalt dieser Schule in zwei Orten der Verbandsgemeinde (VG) Kell. Das wurde nun mit der Entscheidung des VG-Rats und der Anordnung der Schulbehörde gekippt. Und damit eine Entscheidung vorweggenommen, die der VG-Rat in Ruhe hätte treffen sollen. Denn auch wenn das neue Konzept für die Grundschullandschaft in der VG bis zum Ende des kommenden Schuljahrs fertig sein soll, umgesetzt ist es damit noch lange nicht. Und fällt die Entscheidung pro regionalem Grundschulstandort in Zerf, dann müssten die Kinder in Hentern für mehr als ein oder zwei Jahre im als Interimslösung gedachten Container lernen. Denn die Realschule plus Zerf wird wohl erst 2019 nach Kell am See umziehen. Bis dahin sollen die Schulgebäude in Kell saniert und ein Neubau errichtet sein. So könnte es die VG auf Jahre teurer zu stehen kommen, die Kinder in Hentern in Containern unterrichten zu lassen, als die beanstandeten Brandschutz- und Sicherheitsmängel in Lampaden zu beseitigen. Zwar sind alle Beteiligten von der Schulbehörde zu ihrer Meinung befragt worden. Die spielte aber wohl keine Rolle. Die Betroffenen wurden ignoriert. In der Schule sollen Kinder zu mündigen Bürgern erzogen werden, die sich für ihre Belange einsetzen und sich auch politisch engagieren sollen. Wenn ihnen die Vorgehensweise im Fall der Lampadener Schule zum Vorbild gereichen soll, dann ist dies gründlich misslungen. c.fischer@volksfreund.deExtra

Der Kreistag Trier-Saarburg hat im Juni beschlossen, die dislozierte Realschule plus Kell/Zerf (Unterricht an zwei Standorten) in Zukunft nur noch am Standort Kell fortzuführen. Dafür plant der Kreis als Schulträger, in den Schulstandort Kell zu investieren. Dort will er mit 8,8 Millionen Euro die bestehenden Gebäude sanieren und einen Neubau errichten. Fertigstellung: voraussichtlich in drei bis vier Jahren. Das Gebäude in Zerf wäre dann frei und könnte eventuell zum regionalen Grundschulstandort werden, wenn das neue Konzept, das die VG erarbeiten will, dies so vorsieht. cofi