Kirche will Kindergarten abgeben

Weil der Kirche das Geld fehlt, sollen künftig drei Gemeinden Besitzer des Kindergartengebäudes in Schillingen werden. Im Haus stehen Sanierungsarbeiten mit geschätzten Kosten von 530 000 Euro an. Am Donnerstagabend hat aber nur der Schillinger Rat der Übernahme der Bauträgerschaft zugestimmt. In Lampaden wurde die Entscheidung vertagt, in Heddert fällt sie erst am 1. Juni.

Schillingen. Der Kindergarten St. Albanus in Schillingen hat wegen seines Marderproblems in den zurückliegenden Monaten schon mehrfach Schlagzeilen im TV gemacht. Die Tiere schlüpfen wahrscheinlich über undichte Stellen im Welldach in den Speicher des Gebäudes und plagen mit ihrem Geruch und Lärm Erzieherinnen und Kinder. Anfang der Woche ist erstmals ein Marder in die Falle gegangen.
"Damit sind die Probleme aber natürlich nicht alle gelöst", betont Schillingens Ortsbürgermeister Markus Franzen (CDU). Erstens haust im Kindergarten nicht nur ein, sondern mehrere Marder. Zum anderen ist das 1971 errichtete Gebäude auch in anderen Bereichen ein klarer Sanierungsfall. "Die Zustände sind untragbar. Es regnet ja beispielsweise auch manchmal in den Kindergarten rein", klagt Verena Schuh vom Elternbeirat. Dessen Sprecherin Sonja Hubertz erkennt allerdings an, "dass jetzt endlich etwas passiert und konkrete Pläne vorliegen, was gemacht werden muss".
Das Reinsfelder Architekturbüro Kolz hat das Gebäude unter die Lupe genommen und den Sanierungsbedarf ermittelt. Dieser beschränkt sich nicht nur auf ein neues Dach. Auch Heizung, Fenster und noch vieles mehr müssen ausgetauscht werden. Insgesamt würden diese Kosten bei 530 000 Euro liegen.
Schillinger Rat ist sich einig


Bisher ist die Kirchengemeinde Schillingen Bauträger im Kindergarten. "Wir können uns das aber finanziell nicht leisten. Uns brechen die Kollekteneinnahmen weg, und auch vom Bistum bekommen wir weniger Zuschüsse", sagt Pastor Thomas Linnartz. Deshalb hat sich die Kirche an die drei Kommunen gewandt, deren Kinder die Einrichtung besuchen. Künftig sollen die Zivilgemeinden Schillingen, Heddert und Lampaden für die baulichen Dinge im Kindergarten zuständig sein.
Eins stellt Linnartz aber klar: "Wir werden uns bei der Sanierung nicht aus der Verantwortung stehlen." Das Bistum Trier sei bereit, sich mit 185 000 Euro an den anstehenden Arbeiten zu beteiligen (siehe Extra).
Im Schillinger Rat war das Votum am Donnerstag einstimmig. Das Gremium erklärte sich zu der von der Kirche gewünschten Übernahme der Bauträgerschaft bereit. Walter Marx und Wolfgang Schäfer - die Sprecher von CDU und SPD - sprachen unisono von einer "historischen Entscheidung". Franzen betonte: "Unser Ziel muss es sein, die Probleme im Haus in den Griff zu bekommen und so zu sanieren, dass wir für die nächsten Generationen Ruhe haben".
Lampaden vertagt Entscheidung


In der parallel stattfindenden Lampadener Ratssitzung wurde die Entscheidung jedoch vertagt. "Es ist nicht so, dass wir strikt gegen die Übernahme der Bauträgerschaft sind. Für uns gibt es aber noch Klärungsbedarf", sagt Ortsbürgermeister Ewald Hermesdorf (CDU) auf TV-Anfrage. In drei bis vier Wochen werde das Thema dann erneut im Rat behandelt.
In Heddert trifft sich der Rat am Mittwoch, 1. Juni. "Ich will der Entscheidung nicht vorweggreifen, bin aber persönlich der Meinung, dass wir der Sache zustimmen sollten", so Gemeindechef Josef Wagner.
Betriebsträger des Kindergartens bleibt die Kita GmbH. Sandra Steffens, Gesamtleiterin der Kindergärten im Dekanat Hermeskeil-Waldrach, betont: "An den pädagogischen Inhalten und der erzieherischen Arbeit mit den Kindern wird sich durch einen Wechsel der Bauträgerschaft nichts ändern."

Die umfassende Sanierung des Kindergartengebäudes in Schillingen wird nach aktueller Schätzung 530 000 Euro kosten. Davon übernimmt das Bistum 185 000 Euro. Das entspricht 35 Prozent. "Genau diese Förderquote würde das Bistum auch dann bewilligen, wenn die Kirchengemeinde Bauträger wäre", betont Pastor Thomas Linnartz. Es ist ein gängiges Prozedere, dass bei baulichen Investitionen in Kindergärten die Kirche nur einen Teil der Kosten übernimmt und die Zivilgemeinden bei der Finanzierung mit im Boot sind. Bei den geplanten Sanierungsarbeiten in Schillingen - die wahrscheinlich erst 2012 anlaufen - sieht es so aus, dass neben dem Zuschuss des Bistums auch Geld vom Bund (32 000 Euro) und vom Kreis (162 000 Euro) fließen würde. Die einwohnerstärkste Gemeinde Schillingen müsste dann noch 89 000 Euro beisteuern, bei Lampaden sind es 42 000 Euro, bei Heddert 18 000 Euro. ax